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Donnerstag, 30 April 2020 07:10

Frankreich: Wiederaufnahme großer Teile des Verkehrs am 11. Mai

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Fotos SNCF, Rüdiger Lüders.

Am 28.04.2020 stellte der französische Premierminister Edouard Philippe vor der Nationalversammlung einen 10-teiligen Plan zur Aufhebung der Kontaktsperren (déconfinement) vor, der von den Abgeordneten mit 368 zu 100 Stimmen angenommen wurde. 

Sofern am 7. Mai eine Einschätzung der Dynamik der Epidemie erste Erfolge zeigt, wird eine erste Phase der Erleichterungen am 11. Mai umgesetzt, gefolgt von einer zweiten Phase am 2. Juni. Insbesondere soll dann auch das Abgebot im Bahnverkehr zum 11. Mai wieder erhöht werden.

Schon am 24. April kündigte der für Verkehr zuständige Staatssekretär Jean-Baptiste Djebbari an, dass die SNCF ab dem 11. Mai den TGV-Betrieb wieder "auf 50% hochfahren könne", gegenüber derzeit 6 bis 10%. Am Tag darauf berichtete Franceinfo, dass das Unternehmen eine noch tiefere Erholung anstrebe, um zwischen 50 und 60% aller Züge in Umlauf zu bringen. Das Tragen der Maske ist ab dem 11. Mai und für mindestens drei Wochen für alle Fahrgäste im öffentlichen Verkehr obligatorisch. Bei der Pariser Metro werden zum 11. Mai 70% der Züge angeboten, allerdings darf nur ein Sitzplatz benutzt werden, wähtrend zwei freibleiben müssen.

"Der 11. Mai ist eine kollektive Herausforderung, der wir uns mit den Verkehrsunternehmen so nah wie möglich an den lokalen Realitäten, stellen müssen", sagte der Staatssekretär. Er schränkte aber ein: "Am 11. Mai wird es eine der Prioritäten sein, weniger Reisende während der Hauptverkehrszeit zu haben. Dies wird erleichtert durch die Fortführung der Telearbeit soweit wie möglich und die Organisation von Zeitnischen zur Bedienung der Unternehmen." Djebbari rechnet mit 30% der gewöhnlich vorhandenen Fahrgäste.

SNCF und RATP haben sogar einen "feierlichen Appell" an die Arbeitgeber geschickt, damit diese Telearbeit und Schichtpläne auch nach dem Ende der Absperrung fortsetzen, um den Reiseaufwand zu reduzieren. "Angesichts der Ankündigungen der Regierung werden wir mit den Verkehrsorganisationsbehörden zusammenarbeiten, um eine massive Reduzierung des Reisebedarfs zu erreichen (...) und den Zugang zu unseren Bahnhöfen und Zügen zu filtern." Und auch SNCF-Chef Jean-Pierre Farandou hat bekannt gegeben, dass "wir die Telearbeit bis zum 8. Juni von allen unseren Sitzen aus weiterführen werden".

Reichen die Wartungskapazitäten?

Im Hinblick auf die Wiederaufnahme des Zugverkehrs haben auch die technischen Zentren der SNCF nach und nach ihre Wartungstätigkeiten wieder aufgenommen. Nach mehrwöchiger Pause sieht sich der Eisenbahnkonzern aber mit einem niedrigen Bestand seiner Ersatzteillager konfrontiert, da die Lieferanten von der Covid-19-Krise betroffen sind.

Während rund 60% der Züge weiterhin im Güterverkehr verkehrten, ist die Aktivität im Personenverkehr stark zurückgegangen. Zwei Drittel der Flotte waren zwei Monate lang stillgelegt - darunter 60% der Transilien- und 80% der TER-Züge - und müssen nun wieder betriebsbereit gemacht werden. Obwohl die SNCF selbst erklärt, dass sie "in diesem Stadium" keine Wartungsprobleme aufgrund von Lieferunterbrechungen sehe, äußert das für gewöhnlich gut informierte Newsportal La Lettre A daran Zweifel. Hinzu käme auch eine Verzögerung bei der Fertigstellung schwererer Wartungsarbeiten für die Vorbereitung des rollenden Materials zur Sommersaison.

Was die Eisenbahner betrifft, so erinnert auch Le Parisien daran, dass von insgesamt 140.000 Mitarbeitern nur noch 15.000 arbeiten: es wird also notwendig sein, alle so zu organisieren, das die Einhaltung der Absperrgesten gewährleistet ist. Hinzu käme die Desinfektion der Züge, die bei jeder Fahrt durchgeführt werden müsste. Diese Reinigung hat bisher nur abends nach dem Betrieb wirklich stattgefunden.

Zweifel der Gewerkschaften

Auch nach Ansicht der Eisenbahnergewerkschaften ist ein solcher Fahrplan kompliziert einzuhalten und die Beschäftigten sind nach wie vor besorgt. In den Kolumnen von Le Parisien am Sonntag verbargen sie ihren Ärger nicht: "Nichts ist fertig, es ist verfrüht". Für Unsa Ferroviaire wird "im Nebel gestochert".

Eines der Hauptprobleme sehen die Gewerkschaften insbesondere in den Bahnhöfen, sei es auf den Bahnsteigen oder sogar beim Einsteigen in die Züge. Der Sekretär von Sud Rail, Eric Meyer, fragt sich: "Wie werden wir mit diesem Zustrom angesichts der erforderlichen Distanzierung umgehen? Jeder weicht dieser Frage bei Treffen mit der Geschäftsleitung aus".

Die Vorschrift, eine Maske zu tragen, reiche nicht aus, um die Bedenken zu zerstreuen. Die Frage der Versorgung muss bis zum 11. Mai noch geklärt werden. Bei Unsa sagt man, dass diese Masken "auch ein bisschen wie der Baum sind, der den Wald versteckt".

Und die Eisenbahner drohen: Wenn auch nur die geringsten Zweifel hinsichtlich der Einhaltung oder Umsetzung des Gesundheitsschutzes von Personal und Fahrgästen festgestellt wird, könnten die Eisenbahner von ihrem Rücktrittsrecht (droit de retrait) Gebrauch machen.

WKZ, Quelle Regierung, Capital, La Lettre A, Le Parisien, Le Monde

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Letzte Änderung am Mittwoch, 29 April 2020 19:55

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