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Mittwoch, 20 Mai 2020 07:10

Norwegen: CargoNet plant einen "Fischzug" zwischen Narvik und Malmö

cargonet
Foto Thor Brrekkan.

Norwegens größter Güterzugbetreiber auf der Schiene, CargoNet, erwägt, ab 2021 tägliche Güterzugabfahrten zwischen Narvik und Malmö durchzuführen. Das Unternehmen ist davon überzeugt, dass es ein gutes Geschäft sowohl für die Frachtindustrie als auch für ausländische Käufer von norwegischem Frischfisch werden kann.

Am Freitag, dem 8. Mai, schickte CargoNet einen Güterzug von Narvik nach Malmö, mit Kiruna als strategischem Zwischenbahnhof. Es war die erste von zwei geplanten Fahrten, die CargoNet nutzen wird, um die Lieferzeit, die Logistik und die allgemeine Durchführbarkeit bei einer möglichen täglichen Fahrt ab dem nächsten Jahr zu testen. Die nächste Testfahrt ist für den 22. Mai geplant.

Der Regionaldirektor von Bane NOR Nord, Thor Brrekkan, freut sich über die Initiative von CargoNet, die von den Medien als "Fischzug" bezeichnet wird, da ein Großteil der Waren aus frischem Fisch besteht.

"Dies wird die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn stärken, da der Zug bis zu einem halben Tag sparen kann, um Güter bis nach Malmö zu transportieren. Wir von Ofotbanen freuen uns, dies zu ermöglichen, obwohl die Kapazität des Terminals in Narvik bereits in den Stunden um Mitternacht voll ausgelastet ist. Wir arbeiten derzeit an einem detaillierten Plan für die Kapazitätserweiterung des Terminals und hoffen, im nächsten Jahr mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Es ist wichtig für uns, auf die Bedürfnisse unserer Kunden zu hören", sagt Thor Brrekkan.

Voll beladen in beide Richtungen

"Kürzere Lieferzeiten und schnellerer Umschlag in Malmö vor der weiteren Verschiffung auf den Kontinent sind jedoch nur die Hälfte des möglichen Gewinns", so Eirik Fure, Bane NORs Leiter Markt- und Kundenentwicklung im Frachtverkehr. "Die wirklich große Chance besteht hier darin, mit einem ähnlich voll beladenen Güterzug zurückkehren zu können - vor allem, wenn der Zug vorher in Alnabru in Oslo gehalten hat. Lebensmittel, Bauprodukte und Industriegüter können bei der Rückkehr sowohl nach Kiruna als auch nach Narvik mitgenommen werden", so Fure.

Ein Kind der 90er Jahre

Heute bietet CargoNet elf Fahrten pro Woche zwischen Narvik und Alnabru an. Diese Güterzüge sind unter dem Namen ARE bekannt, ein Akronym für den Produktnamen Arctic Rail Express, und befördern seit 1993 Güter von und nach Narvik. Die Idee des "Fischzugs", der in Narvik abfährt und in Malmö ankommt, tauchte bereits in den 90er Jahren auf, aber erst jetzt kann die Idee mit Leben erfüllt werden.

"Unser Ziel ist es, eine umweltfreundliche, verkehrssichere und rentable Logistiklösung aufzubauen, die für unsere Kunden attraktiv und vertrauenswürdig ist. Eine Zeitersparnis von 10-15 Stunden gibt uns einen guten Start, aber hier geht es darum, Vertrauen aufzubauen, indem wir zeigen, dass das System funktioniert", sagt Erik Røhne, CEO von CargoNet.

Røhne ist sich auch darüber im Klaren, dass das "Fischzugprojekt" weitgehend auf der Möglichkeit beruht, Güter in Richtung Norden, d.h. zurück nach Narvik, zu transportieren. "Auf dem Papier sieht das Projekt gut aus, so dass wir optimistisch sind. Kürzere Überführungszeiten werden dafür sorgen, dass die Fische in den Lagern auf dem Kontinent länger haltbar sind. Wenn wir Waren auf der Schiene transportieren, tragen wir auch zur Aufrechterhaltung der geordneten Arbeitsbedingungen bei, die sich jeder in der Transportbranche wünscht", sagt Røhne.

Fakten

Die Meeresfrüchteindustrie ist nach Angaben der Interessenorganisation Sjømat Norge von 2015 bis 2018 jährlich um 11,7 Prozent gewachsen. Laut Sintef erwirtschaftete die Branche im Jahr 2018 einen Jahreswert von mehr als 100 Mrd. NOK (9 Mrd. EUR).

Rund 200.000 t Meeresfrüchte werden jährlich per Zug zwischen Narvik und Alnabru transportiert. Leider ist die heutige Transportlogistik nicht optimal. Unter anderem wird der größte Teil des Fisches per LKW nach Malmö geschickt, bevor er weiter nach Süden in Richtung Kontinent transportiert wird.

Der heutige Güterzug zwischen Narvik und Alnabru (der Arctic Rail Express von CargoNet, ARE-Züge) hat eine Umlaufzeit von rund 27 Stunden. Der Straßentransport zwischen Alnabru und Malmö wird auf 7-9 Stunden geschätzt. Insgesamt dauert es heute 34-36 Stunden, bis die Fische aus Nordnorwegen den Weg zum Kontinent finden.

So sieht der Frachtverkehr auf der Ofotbanen heute aus:

• ARE-Züge Narvik - Alnabru (CargoNet): 11 Züge pro Woche in jede Richtung (insgesamt 22).
• NRE-Züge Narvik - Alnabru (North Rail Express, Green Cargo): 6 Züge pro Woche in jede Richtung (insgesamt 12).
• Eisenerz Kaunis Iron (Grenland Rail): 14 Züge pro Tag. pro Woche in jede Richtung (insgesamt 28).
• Erzzug (LKAB): 10-11 Züge pro Tag in jede Richtung, d.h. bis zu 77 Züge pro Stunde und Woche in jede Richtung (insgesamt 154 Züge pro Woche).

Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Bane Nor

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Letzte Änderung am Mittwoch, 20 Mai 2020 11:07

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