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Freitag, 27 Oktober 2017 11:25

Belgien: Verwaltungsratssitzung zum Budget 2018/22 beinhaltet politischen Machtkampf um SNCB-Führung

Sophie Dutordoir, CEO der belgischen Bahn SNCB, wird heute (27.10.17) dem Verwaltungsrat einen Text vorlegen, der die Befugnisdelegation und Unterdelegation bei der Ernennung von leitenden Angestellten der SNCB neu definiert. Sie will dem Präsidenten Jean-Claude Fontinoy in seiner Macht einschränken. Die belgische Zeitung L'Echo spricht von einem "Machtkampf zwischen CEO und Präsident".

Die für diesen Freitag anberaumte Sitzung des Verwaltungsrats der SNCB ist in mehrfacher Hinsicht wichtig. Nach Informationen der Zeitung L'Echo wird den Verwaltungsratsmitgliedern der neue, von Sophie Dutordoir (Christdemokraten und Flandern CD&V) vorbereiteten Mehrjahres-Investmentsplan 2018-2022 (Plan pluriannuel d'investissement, PPI) vorgestellt. Das Investitionsbudget für die nächsten 5 Jahre beläuft sich auf insgesamt 3,045 Mrd. Euro, davon 2 Mrd. Euro für den Kauf und die Renovierung von Rollmaterial und 460 Mio. Euro für den Personenverkehr. Die Frage ist, ob der Verwaltungsrat die Ambitionen der neuen Patronin voll und ganz annehmen wird oder ob er Änderungen verlangt.

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung der Sitzung des Gremiums kann jedoch zu intensiven Diskussionen führen. Es geht um die Übertragung und Unterübertragung von Befugnissen. Dieser Punkt war auf der Sitzung des Verwaltungsrats am 29. September angesprochen worden und hat den Zorn des Verwaltungsratspräsidenten Jean-Claude Fontinoy hervorgerufen, der der Reformbewegung MR angehört und dem stellvertretenden Premierminister Didier Reynders (MR) nahesteht.

Bisher war es die Praxis, dass die obersten Führungskräfte (Mitglieder der Geschäftsleitung, General Manager, Abteilungsleiter etc.) durch den Verwaltungsrat auf Vorschlag eines Deligierten bestimmt wurden. Dies führte oft zu politischen Entscheidungen.

Diesmal will Sophie Dutordoir die Regeln ändern und freie Hand bekommen, um Geschäftsführer, Abteilungsleiter etc. zu ernennen. Abgesehen davon, dass sich hinter dem Deckmantel einer Verbesserung der SNCB-Governance ein echter Machtkampf verbirgt, zitiert L'Echo ein Verwaltungsratsmitglied: "Ich werde Sophie Dutordoir in ihrem Ansatz unterstützen, weil er gesünder ist und ein CEO eine gewisse Autonomie bei der Wahl seiner engen Mitarbeiter haben muss. Aber nur, wenn es sich bei den von ihr eingesetzten Personen um kompetente und qualifizierte Menschen handelt."

WKZ, Quelle L'Echo

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Letzte Änderung am Freitag, 27 Oktober 2017 11:33

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