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Donnerstag, 04 Juni 2020 12:20

Schweden: Green Cargo beantragt Kapitalzuführung

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Foto Green Cargo.

Die schwedische Güterbahn Green Cargo benötigt 2,2 Mrd. SEK (210 Mio. EUR), um zu überleben. Das Unternehmen hat beim Ministerium für Handel und Industrie eine Kapitalzuführung beantragt. Das Geld wird benötigt, um unter anderem in neue Lokomotiven zu investieren. Zudem klagt Green Cargo über ineffiziente Arbeitsabläufe aufgrund langer Stillstandszeiten zugunsten des Personenverkehrs.

Der Antrag von Green Cargo auf eine Kapitalzuführung wurde im Februar eingereicht. Das Unternehmen bat den Staat um 1,2 bis 1,4 Mrd. SEK. Seitdem hat sich die Situation jedoch weiter verschlechtert, was stark auf die Corona-Krise zurückzuführen ist. Heute werden eher 2,2 Mrd. SEK benötigt. Dies erklärt Dagens Industri, der an einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG teilgenommen hat, berichtet das gewöhnlich gut informierte Lokführerforum Lokforaren.

Green Cargo hat eine strategische Rolle auf dem schwedischen Transportmarkt, ist aber seit vielen Jahren in der Verlustzone. Um die Entwicklung umzukehren, führt das Unternehmen ein Transformationsprogramm durch, das im Spätherbst 2018 eingeleitet wurde. Es wird die Erträge bis 2022 um ca. 250-300 Mio. SEK verbessern. Es ist ein Schritt auf dem Weg, aber es reicht nicht aus. Green Cargo hat einen großen Bedarf an Investitionen in neue Lokomotiven und Waggons.

Der Verwaltungsrat von Green Cargo ist der Ansicht, dass das Unternehmen und das Managementteam mit dem aktuellen Geschäftsplan einen stabilen Kurs eingeschlagen haben, dass das Unternehmen jedoch eine Kapitaleinlage benötigt, um die notwendigen Investitionen zu tätigen und das Geschäft weiter zu entwickeln. Darüber hinaus muss das Unternehmen für den grünen Neustart gerüstet sein, den die Geschäftswelt nach der Covid-19-Pandemie benötigt.

Green Cargo hat einen großen Bedarf an Investitionen in neue Lokomotiven und Waggons. Sieben von zehn Lokomotiven sind mehr als 40 Jahre alt, und obwohl mehrere in den 2000er Jahren modernisiert wurden, benötigt das Unternehmen modernere digital vernetzte Lokomotiven mit größerer Traktion und effizientere Wagenlösungen, um sowohl in bestehenden als auch in neuen Kundenangeboten Rentabilität zu schaffen.

Die Digitalisierung ist ein weiterer Bereich, in den Green Cargo investieren muss, um den Prozess zu vereinfachen und zu einem effizienteren und kundenfreundlicheren Ablauf beizutragen. Das Unternehmen muss in der Lage sein, seinen Kunden neue digitale Dienstleistungen anzubieten und den Alltag seiner Mitarbeiter mit erhöhter Qualität zu vereinfachen. Es geht auch darum, in eine robustere IT-Umgebung zu investieren als die, die heute existiert. Aufgrund des derzeitigen finanziellen Spielraums des Unternehmens kann diese Digitalisierung jedoch nicht in optimaler Weise durchgeführt werden.

"Der Verwaltungsrat ist der Ansicht, dass Green Cargo eine Kapitalspritze benötigt, die zusammen mit dem Transformationsprogramm die notwendigen Investitionen ermöglicht. Es würden sich völlig neue Möglichkeiten ergeben, von der gestiegenen Nachfrage nach nachhaltigem Güterverkehr zu profitieren, den Kunden neue digitale Dienste anzubieten und ein robusteres Unternehmen zu bekommen", sagt Jan Sundling, Vorstandsvorsitzender von Green Cargo, und fährt fort: "Mit einer Kapitalspritze sind wir auch gerüstet, um zu dem grünen Neustart beizutragen, den die Wirtschaft nach der Pandemie Covid-19 braucht."

Um langfristig erfolgreich zu sein, ist jedoch mehr als nur Kapital erforderlich. Erforderlich ist auch eine funktionierende Eisenbahninfrastruktur, bei der dem Güterverkehr eine höhere Priorität eingeräumt wird, sowie eine vorrangige und rasche Umsetzung der nationalen Güterverkehrsstrategie. Die Kapazität des Eisenbahnsystems steht unter Druck, und sowohl die Optimierung der gegenwärtigen Situation als auch Investitionen in die Entwicklung sind erforderlich. So erhalten beispielsweise Güterzüge seit mehreren Jahren im Zugplan der schwedischen Verkehrsbehörde einen erhöhten Anteil der geplanten Stillstandzeiten als Puffer, um einen deutlich erhöhten Anteil von Reisezügen abzuwickeln. Im Fahrplan 2020 hat Green Cargo 13 Prozent geplante Stillstandszeit, was für das Unternehmen Kosten in Höhe von ca. 300 Mio. SEK bedeutet.

"Natürlich ist es kein Rezept für Effizienz und Rentabilität, dass jede achte Lokomotive und jeder achte Lokführer stillstehen soll", meint Jan Sundling abschließend.

Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Green Cargo, Lokforaren

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Letzte Änderung am Donnerstag, 04 Juni 2020 12:09

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