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Montag, 08 Juni 2020 07:10

Großbritannien: Mehr Reisezüge im Einsatz, doch weiterhin keine Fahrten von Grand Central und Hull Trains

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Fotos Rüdiger Lüders.

Mit Inkrafttreten des Sommerfahrplans der britischen Eisenbahnen Ende Mai bieten die Bahngesellschaften wieder mehr Züge an. Aufgrund der anhaltenden Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen im Kampf gegen den COVID-19-Virus können jedoch nicht alle ursprünglich geplanten Zugfahrten durchgeführt werden.

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In den jetzt verkehrenden Zügen ist das Platzangebot zudem stark eingeschränkt um die als "social distancing" bezeichneten Mindestabstände der Reisenden untereinander einhalten zu können. Die nicht von der Regierung bezuschussten "Open-Access"-Anbieter Grand Central (Arriva UK) und Hull Trains (First Group) haben deshalb den Betrieb der Anfang April eingestellten Schnellzugverbindungen zwischen London und Bradford, Leeds, Sunderland und Hull noch nicht wieder aufgenommen und jetzt bekannt gegeben, ihre Züge mindestens bis Ende Juni nicht wieder fahren zu lassen.

Richard McClean, Geschäftsführer von Grand Central, erklärte dazu: "Als Open-Access-Betreiber müssen wir im Gegensatz zu den Franchise-Betreibern genügend Tickets verkaufen, um unsere Betriebskosten zu decken. Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Reisenden ist von wesentlicher Bedeutung, weshalb wir aufgrund der Regeln des "social distancing" unsere Kunden, die für eine nachhaltige Nutzung der Züge erforderlich sind, noch nicht wieder zur Mitfahrt einladen können." Der Mehrheit der Mitarbeiter von Grand Central wurde aus diesem Grund mitgeteilt, dass sie weiterhin im Rahmen des Programms der Regierung zur Kurzarbeit unterstützt werden, während ein Kernteam weiterhin Pläne für zukünftige Dienstleistungen gemeinsam mit der Muttergesellschaft Arriva vorbereitet. Die eigentlich für Mai 2020 geplante Erweiterung des Angebots von Grand Central mit neuen Zügen nach Blackpool wurde gleichzeitig auf das Frühjahr 2021 verschoben.

Wie die BBC berichtete, haben sich Ende Mai auch drei Parlamentsabgeordnete aus Hull in einem offenen Brief an Verkehrsminister Grant Shapps gewendet, um ihrer Sorge Nachdruck zu verleihen, dass Hull Trains ohne staatliche Unterstützung auf Dauer nicht überleben könnte und somit über 130 Arbeitsplätze in der Region gefährdet seien.

Die Transportarbeitergewerkschaft RMT forderte ein Eingreifen der Regierung, um die "Open-Access"-Betreiber Hull Trains und Grand Central während der Covid-19-Krise zu unterstützen. Mick Cash, Generalsekretär von RMT, erklärte dazu in der vergangenen Woche: "Im Gegensatz zu den über Franchise-Verträge gesicherten Bahngesellschaften haben die Open-Access-Betreiber Hull Trains und Grand Central während der Covid-19-Krise keine staatliche Unterstützung erhalten. Es ist unwahrscheinlich, dass Hull Trains und Grand Central ohne staatliche Zuwendungen auf absehbare Zeit den Betrieb wieder aufnehmen können. Mit einer angemessenen Unterstützung wären sie jedoch gut aufgestellt, um zusätzliche Dienstleistungen für alle diejenigen bereitzustellen, die unbedingt reisen müssen. Die beiden Unternehmen beschäftigen Hunderte von Eisenbahnern, und es ist wichtig, dass die Regierung eingreift und ihnen eine Finanzierung bietet, damit sie den Betrieb auf sichere Weise wieder aufnehmen und ihre langfristige Lebensfähigkeit sowie die betroffenen Arbeitsplätze wahren können."

Nachdem die Regulierungsbehörde "Office for Road and Rail" (ORR) jetzt bekannt gegeben hat, dass nach Überwindung der Covid-19-Krise voraussichtlich deutlich weniger Menschen die Eisenbahn nutzen werden als vorher, ergänzte Mick Cash jetzt: "Diese Zahlen bestätigen, dass wir einen neuen Plan für die Wiederherstellung des Bahnsystems benötigen, der die Fahrgäste anregt in unsere Züge zurückzukehren, sobald Bahnfahren wieder sicherer ist. Dieser Plan muss auf erhöhten Investitionen, einem zuverlässigen und regelmäßigen Zugangebot, erschwinglichen Tarifen und dem Schutz von Arbeitsplätzen und Kompetenzen auf der Schiene beruhen."

Rüdiger Lüders, Quellen BBC, Grand Central, Hull Trains, Network Rail, RMT

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