Polen: Die Isergebirgsbahn kommt wieder


Der im Isergebirge gelegene Kurort Świeradów Zdrój/Bad Flinsberg erhält nach jahrelangen regionalen Reaktivierungsbemühungen wieder seinen Bahnanschluss zurück. Die Selbstverwaltung der Woiwodschaft Niederschlesien hat per notarieller Urkunde am 9. Juni 2020 die Eisenbahnstrecken 317 und 336 von Gryfów Śl./Greiffenberg(Schles) über Mirsk/Friedeberg(Isergeb) nach Świeradów Zdrój/Bad Flinsberg von der PKP S.A. übernommen.
Der Personenverkehr wird nach Abschluss der notwendigen Revitalisierungsarbeiten in zwei Jahren wieder aufgenommen werden. Die Gesamtlänge der Strecke beträgt 16,2 km.
Im Dezember letzten Jahres wurde die "Koltech Inwestor" als Auftragnehmer für die Machbarkeitsstudie ausgewählt, im Anschluss daran erteilte das Infrastrukturministerium der PKP S.A. die Zustimmung zur Übergabe der Linie 317/336 an die Woiwodschaft. Die Wiederherstellung der Personenzugverbindungen auf dieser Strecke wird zur Steigerung der wirtschaftlichen und sozialen Aktivität der Region beitragen, sagte Tymoteusz Myrda, Vorstandsmitglied der Woiwodschaft Niederschlesien. Die geschätzten Kosten für die Revitalisierung dieser Strecke belaufen sich auf etwa 50 Mio. PLN (ca. 11 Mio. EUR). Die Arbeiten werden etwa zwei Jahre dauern, dazu gehören die Erstellung der Planungsunterlagen und die Ausführung der Bauarbeiten. Danach kann die Strecke in weniger als 20 Minuten zurückgelegt werden.

Die Geschichte der Isergebirgsbahn begann mit der Eröffnung der Staatsbahnstrecke von Greiffenberg nach Friedeberg am 1. November 1884, welche 1904 bis Heinersdorf(Tafelfichte) nach Böhmen verlängert wurde. Ab dem 31. Oktober 1909 schloss daran die von Friedeberg nach Süden im Queistal aufwärts in den schlesischen Teil des Isergebirges hineinführende Privatbahnstrecke der Friedeberg-Flinsberger Kleinbahn AG (ab 1911: Isergebirgsbahn AG) an. Der letzte Personenzug fuhr hier am 11. Februar 1996, die Strecke lag seitdem brach. 2001 begannen Initiativen seitens der Stadt Friedeberg zur Reaktivierung, indem es die Zustimmung zur Stilllegung verweigerte, die zuerst beabsichtigte Übernahme der Infrastruktur scheiterte schon allein aus finanziellen Engpässen.
2009 wollte man sie in einen Fahrradweg umzuwandeln, was aber ebenso unterblieb, weil es nicht möglich war, sie kostenlos den Gemeinden zu übertragen. Der 2012 von den PKP beabsichtigte Abbau wurde glücklicherweise nicht vollzogen, wenngleich die Infrastruktur durch Gleisklau und Vegetation im Laufe der Jahre arg ramponiert wurde. 2013 wurde als europäisches Projekt die Reaktivierung und der Wiederaufbau der seit 1945 unterbrochenen Strecke Gryfów Śl. - Mirsk - Jindřichovice pod Smrkem ins Auge gefasst. 2018 hat die Stadt Bad Flinsberg mit Renovierung und Umbau des Bahnhofsgebäudes zum Museum und Kulturzentrum begonnen. Der hier von 1935 bis 1938 eingesetzte WUMAG-Triebwagen VT 10 mit der späteren Nummer SN51-02 blieb erhalten und wartet heute im Eisenbahnmuseum Skierniewice auf die Aufarbeitung.
Auch die Übertragung der Eigentumsrechte an den Strecken 308 Jelenia Góra/Hirschberg(Rsgb)Hbf - Mysłakowice/Zillerthal-Erdmannsdorf - Kowary/Schmiedeberg(Rsgb) und 340 Mysłakowice/Zillerthal-Erdmannsdorf - Karpacz/Krummhübel von der PKP auf die Selbstverwaltung der Woiwodschaft Niederschlesien wird demnächst erfolgen, sie ist für die Wende vom dritten zum vierten Quartal 2020 geplant.
Hans-Jürgen Schulz




