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Montag, 15 Juli 2013 08:55

Frankreich: Gelockerte Flachlasche für Intercity-Entgleisung verantwortlich

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Ein Zugunglück ereignete sich am 12.07.13 um 17h14 in Bretigny-sur-Orge südlich von Paris. Der Intercités 3657 (ehemals Corail) von Paris Austerlitz 16h53 nach Limoges-Bénédictins 20h05 mit 385 Personen an Bord ist auf der gemeinsam mit dem RER C genutzten Strecke in den Bahnhof Bretigny-sur-Orge eingefahren. Dabei sind vier Wagen am Ende des Zuges entgleist: zwei waren umgekippt, einer kam in eine Lage rittlings auf dem Bahnsteig, der letzte blieb aufrecht.

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Die drei vorderen Wagen und die Lokomotive blieben aufrecht. Der Lokführer löste noch während des Unfalls Notalarm aus, so dass entgegenkommende Züge gestoppt werden konnten. Gelobt wurde die Hilfsbereitschaft der Fahrgäste, die sich nach dem Unfall um andere Mitreisende kümmerten.

Nach Auskunft des Präfekten von Essonne, Michel Fuzeau, wurden sechs Tote (keine Kinder) und ca. dreißig Schwerverletzte gezählt. Am Sonntagnachmittag waren noch 14 Personen im Krankenhaus, davon befänden sich zwei in einer kritischen Lage. Der Verkehr auf der RER-Linie C bliebe vorerst noch unterbrochen. Eine Hotline der SNCF wurde unter 0 800 120 821 eingerichtet. Der Staatsminister für Verkehr, Frédéric Cuvillier, SNCF-Chef Guillaume Pepy und der französiche Präsident Francois Hollande besuchten noch am Freitag die Unfallstelle.

Der Zug fuhr mit 137 km/h und lag damit innerhalb der dort erlaubten 150 km/h. Pierre Izard, Generaldirektor für Infrastruktur der SNCF, machte auf einer Pressekonferenz eine gelockerte Flachlasche (Éclisse de rail) für das Unglück verantwortlich. Die 10 kg schwere Lasche, die zwei Gleise miteinander verbindet, hätte sich gelockert, losgelöst und wäre anschließend in das Zentrum der Weiche geraten, wo sie den vorgesehenen Fahrweg gestört hätte.

Weshalb sich die Flachlasche gelöst hat, bleibt das Ergebnis weiterer Untersuchungen. Erst am 04.07.13 wurde die Weichenstraße des Bahnhofs Bretigny-sur-Orge einer Inspektion ohne Befund unterzogen. Drei Untersuchungsausschüsse wurden zur Klärung der Unfallursache eingesetzt, je einer vom Justiz- und Transportministerium und einer von SNCF/RFF. Unabhängig davon hat die SNCF am Sonntag begonnen, mit 700 Infrastruktur-mitarbeitern innerhalb von zwei Wochen die Überprüfung von 5000 Flachlaschen im gesamten Schienennetz durchzuführen.

Erste Untersuchungen des Fahrzeugmaterials und der Lokomotive ergaben keine mechanischen Anomalien, der entgleiste Zug hatte seine letzte reguläre Wartung am 29.06.13 gehabt. Am letzten Radsatz des dritten Wagens wurden aber Stoßspuren gefunden, die durch eine Flachlasche verursacht sein könnten.

SNCF-Chef Guillaume Pepy zog aus dem Unfall zwei Schlussfolgerungen: "Die erste ist, dass wir nur Menschen sind, weit davon entfernt, unfehlbar zu sein. Durch die Beherrschung der Technik können wir viel tun, aber oft werden wir enttäuscht. Die zweite ist, dass wir aus unseren Fehlern, Unfällen, Zwischenfällen und Katastrophen lernen. Wenn Verfahren oder Regeln nach dem Unfall geändert werden müssen, wird dies sehr schnell geschehen. Ich liebe die Eisenbahn, aber am meisten liebe ich die Menschen, Reisenden und Kunden. Wenn ich Aufträge vergebe, ist es meine Bahn, wenn es zu einem Zwischenfall kommt, sind es meine Reisenden. Dieses Verantwortungsbewusstsein animiert die Eisenbahner und stärkt mich heute in meiner Berufswahl. Trotz der Umstände und des Schocks dieser Tragödie, ich will, noch mehr als je zuvor, alles tun, damit die Menschen gut und gerne jeden Tag reisen. Heute Abend, glaube ich, teilen alle Eisenbahner diese Vision."

Der verunglückte Intercités gehört zu den Zügen des territorialen Gleichgewichts (Trains d'équilibre du territoire, TET). Sowohl die Züge als auch die zugehörenden Strecken werden durch eine Vereinbarung zwischen Staat und SNCF gefördert und ausgebaut. Erst letzte Woche wurde bei der Vorstellung des Projekts "Investitionen in die Zukunft" die Erneuerung des Fahrzeugparks für die Intercités bis 2015 mit einer ersten Tranche über 500 Mio. Euro und einer Option über 100 Mio. Euro für Lokomotiven bestätigt. Eine zweite Tranche umfasst die Erneuerung der Corail-Züge bis 2018/19 mit einer Ausschreibung 2015.

Fotos SNCF Infopresse:
Zeilen 1 und 2: Bilder des Unfalls.
Zeile 3: Eine gelockerte Flachlasche (Éclisse de rail) war für das Unglück verantwortlich.
Zeile 4: Foto der in die Weiche eingequetschten Flachlasche.
Zeile 5: Durch die Flachlasche verursachte Beschädigung am Radsatz.
Zeilen 6 und 7: Gleisplan mit den verteilten Wagen nach dem Unfall. Blau = aufrecht gebiebene Wagen, rot = umgekippte oder auf dem Bahnsteig liegende Wagen. Fotos SNCF Infopresse

WKZ, Quelle SNCF, Fotos SNCF Infopresse, 15.07.13).

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