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Donnerstag, 25 Mai 2017 08:53

Frankreich: BEA-TT veröffentlicht Abschlussbericht zur TGV-Entgleisung

Die französische Unfalluntersuchungsstelle BEA-TT hat am 23.05.17 den Angehörigen der Opfer des TGV-Unfalls von Eckwersheim ihren Abschlussbericht vorgestellt und sechs Empfehlungen herausgegeben.  Die Entgleisung eines Testzugs im Rahmen der Hochtastfahrten auf der Ausfädelungskurve der neu gebauten LGV Est européenne zum konventionellen Netz am 14.11.15 wurde demnach durch eine "Folge von Beurteilungsfehlern und Missverständnissen" ausgelöst. Unter den 53 Personen, die an Bord des Zuges waren, gab es 11 Todesopfer und 21 Schwerverletzte.

freinage tgv

Geschwindigkeitsverlauf des TGV im Bereich des Entgleisungspunktes: schwarz = tatsächliche Geschwindigkeit, grün = vorgesehens Geschwindigkeit, rot = Ablenkung des Transportleiters durch ein Telefongespräch, blau = elektrische und Druckluftbremsung. Grafik BEA-TT.

Die direkte Ursache des Unfalls war die überhöhte Geschwindigkeit von 255 km/h auf einer engen Kurve von 945 m Radius. Diese resultierte im Vergleich zu der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 176 km/h am Beginn der Ausfädelungskurve aus einem unsachgemäßen Bremsvorgang, der 1.100 m oder 12 sec zu spät ausgelöst wurde und sich als Produkt von drei Kausalketten zusammensetzte:

• eine unzureichende Bremsstrategie, die auf einem fehlerhaften Ansatz beruhte und mit einer elektrischen Bremsung ab dem Kilometerpunkt PK 397 und einer Druckluftbremsung ab PK 402 den Grenzwert von 176 km/h am PK 403,809 erreichen sollte;

• ein Mißverständnis zwischen dem Traktionsleiter (cadre transport traction, CTT) und dem Rest der Mannschaft über die Modalitäten des Bremsvorganges führte zur Unterbrechung der elektrischen Bremse durch den Triebfahrzeugführer und der Aufrechterhaltung der Geschwindigkeit von 330 km/h bis zur Auslösung der Druckluftbremse;

• ein Anruf während des Bremsvorgangs über die Gegensprechanlage lenkte den CTT ab, so dass er nicht bemerkte, dass die elektrische Bremse im Gegensatz zur Fahrtplanung unterbrochen war.

Die Analyse des Unfalls hat die BEA-TT dazu veranlasst, sechs Empfehlungen auszusprechen:

• eine Änderung der Richtlinien für die Zulassung von Hochgeschwindigkeitsstrecken (SNCF Réseau und EPSF)

• Verbesserung der vorbereitenden Risikoanalyse (Systra);

• Eignungsprüfung für das Untersuchungsteam (SNCF Mobilités);

• verbesserte Aufgabenplanung der Mitglieder der Begleitteams (SNCF Mobilités);

• Organisation und Befehlsketten der Testdurchführungen (Systra);

• Aufzeichnungen im Führerstand und bessere Kommunikation innerhalb des Zuges

"Dieser Bericht bringt nichts wirklich Neues", wird der Opferanwalt Shemla zitiert. "Er ist ein Schritt für die Einreichung an die Justiz im September."

WKZ, Franz A. Roski, Quelle BEA-TT

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