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Dienstag, 31 Oktober 2017 09:09

Frankreich: Schlussbericht zur Entgleisung Eckwersheim hebt Verantwortung von SNCF und Systra hervor

Knapp zwei Jahre nach der Entgleisung eines Versuchs-TGV in Eckwersheim (Bas-Rhin), bei der am 14.11.2015 elf Menschen getötet und 42 verletzt wurden, ist den Untersuchungsrichtern der nicht-öffentliche Schlussbericht der Sachverständigen vorgelegt worden. Nach Informationen von France 3 bestätigt das 140-seitige Dokument im Wesentlichen den im Mai 2017 von der Unfalluntersuchungsstelle BEA-TT vorgelegten Schlussbericht, der einen schlecht vorbereiteten Test, eklatante Mängel an Professionalität, überhöhte Geschwindigkeit und ein zu spätes Bremsen als die Ursachen des Unfalls ausführte.

Doch die Juristen gehen noch einen Schritt weiter und stellen die Expertise der SNCF und ihre Tochtergesellschaft Systra in Frage. "Systra hat die Definition, Organisation und Durchführung der Versuche mit Übergeschwindigkeit einem Personal übergeben, das nicht mit der Übergeschwindigkeitsüberprüfung vertraut war und hat diese Unerfahrenheit nicht durch entsprechende Schulungen und Unterstützung für diesen Typ von Versuchen kompensiert," heißt es in dem Bericht, der dieselbe Formulierung auch für das Fahrpersonal der SNCF verwendet.

Als grundlegendes Problem wurde der Ansatz der Übergeschwindigkeit gewertet: Systra führte die Geschwindigkeitstests 10 % über der Konstruktionsgeschwindigkeit der Anlage durch und nicht mit der für den Betrieb vorgesehenen Geschwindigkeit. Bei der Auslegung und Anwendung der erlaubten Geschwindigkeiten kam es zu Missverständnissen zwischen verschiedenen Beteiligten der Teams. 

Gérard Chemla, Rechtsanwalt für ein Dutzend Familienangehörige von Opfern, erklärte gegenüber Europe 1: "Bis auf weiteres waren nur natürliche Personen angeklagt. Jetzt können wir uns auf juristische Personen, d. h. Unternehmen und globale Probleme der Organisation konzentrieren. Das ist ein Schritt, auf den wir lange gewartet haben. Im Grunde genommen wird dies eine umfassende Debatte ermöglichen, die die Methoden von SNCF und Systra klar in Frage stellt."

Bereits im Oktober 2016 wurden ein Lokführer und ein Manager der SNCF sowie ein Mitarbeiter von Systra wegen Totschlags und unfreiwilliger Verletzungen angeklagt. SNCF und Systra wurden jedoch bisher nicht angeklagt.

Nach der tödlichen Entgleisung hat die SNCF Maßnahmen ergriffen, solch einen Unfall in Zukunft zu verhindern. So dürfen keine Gäste mehr an Bord mitgenommen werden, sondern nur noch SNCF-Personal. Diese Mitarbeiter müssen im Vorfeld systematisch durch Briefings informiert werden, die bis zu einer Stunde dauern können. Die vorgegebenen Geschwindigkeiten müssen streng eingehalten werden.

WKZ, Franz A. Roski, Quelle France 3, Le Monde, Europe 1

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Letzte Änderung am Dienstag, 31 Oktober 2017 09:38

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