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Mittwoch, 01 November 2017 13:14

Belgien: Sophie Dutordoir kritisiert Unternehmenskultur der SNCB

Sophie Dutordoir, seit sieben Monaten CEO der SNCB, äußerte sich letzte Woche sehr kritisch zur Unternehmenskultur ihrer Firma. "Das Unternehmen steht vor einer erheblichen Herausforderung der Umwandung", sagte sie bei der Vorstellung ihrer Prioritäten für das Eisenbahnunternehmen im Infrastrukturausschuss der Kammer. "Diese Herausforderung ist im Wesentlichen eine Herausforderung der Unternehmenskultur und Unternehmensführung. Die Prioritäten der Vergangenheit haben die Unternehmenskultur stark beeinflusst."

Ihrer Ansicht nach ist die SNCB durch eine "überzogene Hierarchie mit voneinander getrennten internen Silos" charakterisiert, einer "Schriftkultur, die Vorrang vor dem Dialog hat" oder einer "Kultur, die das gleiche mehrfach tut". Sophie Dutordoir verwies auf die "mangelnde Priorisierung von Projekten, das Fehlen konkreter Ziele oder interner Mobilität, eine veraltete IT-Umgebung oder fehlende Strenge bei jedem investierten Euro".

Die Analyse wird auch von den Gewerkschaften geteilt. ACOD Spoor, das flämische Pendant der CGSP-Cheminots, plädiert insbesondere für eine einheitliche Struktur. Man müsse sogar noch weiter gehen und eine Annäherung zwischen den Mitarbeitern von SNCB und Infrabel fordern. "Eine Reduzierung und Vereinfachung der Kommunikationswege ist notwendig. Eine einheitliche operative Struktur ist entscheidend, um unseren Kunden einen maximalen Service bieten zu können", wird die Gewerkschaft von RTBF zitiert.

Marianne Lerouge von der Gewerkschaft CSC-Transcom fordert "weniger Hierarchie, weniger Tochtergesellschaften, weniger Beratungsunternehmen". Weiter: "Die SNCB wurde nie als Instrument zur Verbesserung der Mobilität in Belgien eingesetzt, sondern als Instrument zur Haushaltsanpassung oder zur Schaffung einer proaktiven Beschäftigungspolitik. Jeder Minister wollte seine Spuren hinterlassen und die SNCB als Spielzeug und nicht zur Verbesserung der Mobilität nutzen".

Auch die Gewerkschaft SLFP (Syndicat libre de la Fonction publique) findet: "Wenn die Verbesserung der Fahrgastzufriedenheit mit einer besseren Organisation der Personalaufgaben einhergeht, ist das eine Win-Win-Situation." Was die Unternehmenskultur betrifft, so ist der SLFP der Ansicht, dass es innerhalb der "zu komplexen Hierarchie" Veränderungen geben muss, dass es aber notwendig sei,"einen gewissen Eisenbahngeist" zu bewahren, denn "er hat immer Stolz und Verantwortungsbewusstsein hervorgebracht".

WKZ, Quelle RTBF

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