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Samstag, 04 Juli 2020 12:00

Polen: Der Abschied der TKh 05353

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Am Sonntag, dem 28. Juni 2020 fuhr der kleine polnische C-Kuppler TKh 05353 zum allerletzten Mal durch Wrocław (Breslau), bevor die Kesselfrist zwei Tage später ablief. An diesem Tag fuhren zwei Züge: ein Personenzug mit Diesel und ein Güterzug mit Dampf, mit gegenseitigen Überholungen und Parallelfahrten.

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Leider fiel die alte Diesellok SM30 aus und wurde durch die modernere SM42-411 ersetzt. Höhepunkt war zweifelsohne das Rangieren des Dampfzuges im alten Hafen an der Oder. Zum Glück spielte das Wetter mit.

Der Triebfahrzeugmangel nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen erforderte eine rasche Produktion praktisch aller Lokomotivtypen, von schweren Güterzugloks und schnellen Personenzuglokomotiven bis zu kleinen Rangierloks. Letztere wurden vor allem für industrielle Zwecke benötigt. Fabriken mit eigenen Gleisanschlüssen brauchten leichte, aber robuste Lokomotiven für den harten Alltagsbetrieb.

Das Konzept solcher Lokomotiven lag schon vor. Zwischen 1927 und 1929 wurden von der Pierwsza Fabryka Lokomotyw w Polsce in Chrzanów (Fablok) sieben leichte, dreifach gekuppelte Rangierlokomotiven hergestellt. Sie bekamen die Werksbezeichnung T1A und wurden später zur Baureihe T2A weiterentwickelt. Fünf T2A gingen an das Ferrum-Stahlwerk in Katowice (Kattowitz) und trugen die Bezeichnung "Ferrum 29" (wegen des Baujahrs 1929). Es waren einfache, anspruchslose und zuverlässige Maschinen mit einer Achslast von nur 14,8 Tonnen. Insgesamt standen jedoch nur zwanzig Exemplare zur Verfügung. Neue Lokomotiven mit der Werksbezeichnung T3A (allgemein bekannt als "Ferrum 47") gingen 1947 in Produktion und bis 1961 wurden 477 Stück von Fablok gebaut (einige Quellen nennen Anzahlen von 437 bzw. 480 Stück). Die PKP führte sie als Baureihe TKh.

Es gab auch eine spätere Variante, bekannt als "Ferrum 724", die entwickelt wurde um ausländische Aufträge zu erfüllen. Im Jahr 1953 wurden drei Maschinen nach Rumänien verkauft und 1959 gingen drei an das Stahlwerk Ózd in Ungarn, von denen eine 1987 ausgemustert wurde, gefolgt von den beiden anderen in 1991. China kaufte zwischen 1958 und 1960 wahrscheinlich 82 Stück, andere Quellen nennen 60 Exemplare. Sie wurden als Klasse XK13 bezeichnet. Einige von ihnen waren mit Behelfstendern ausgestattet. Die letzten XK13 wurden in den 1990er Jahren außer Betrieb genommen und wahrscheinlich sind drei davon an verschiedenen Orten erhalten geblieben. Möglicherweise ging eine davon nach Nordkorea, obwohl es keine Bestätigung dafür gibt.

In Polen sind siebzehn Lokomotiven erhalten geblieben, aber nur eine war (bis letzten Mittwoch) betriebsfähig: die T3A (“Ferrum 47“) TKh 05353 (Fablok 3121/1953), ursprünglich für das Lenin-Stahlwerk in Krákow gebaut. Zwischen 1970 und 1977 arbeitete sie für das Florian-Stahlwerk in Świętochłowice. Gegenwärtig ist sie formell im Besitz von DB Schenker Polska und wird vom Eisenbahnverein KSK mit Sitz in Wrocław betrieben. Seit 2008 stand die Lokomotive für Sonderfahrten zur Verfügung.

Der Abschied der T3A aus dem aktiven Dienst erfolgte vergleichsweise spät und fiel mit einer rasch wachsenden Nostalgie nach Dampf in ganz Europa zusammen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass bis zu neun Maschinen ins Ausland verkauft wurden.

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