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Sonntag, 05 November 2017 09:58

Niederlande: Arbeitslose bei der Aufarbeitung von Museumszügen durch Chrom-VI gefährdet

Die Zeitung Brabants Dagblad berichtete am 4. November 2017 über die Arbeitssituation im Tilburger Wiedereingliederungsprojekt "tROM". In diesem Projekt arbeiteten zwischen 2004 und 2011 in der ehemaligen Werkstatt von NedTrain Tilburg etwa 800 Arbeitslose an Museumszügen, darunter auch am "Blauwe Engel". So wurde beim Abschleifen alter Chrom-VI-haltiger Lacke ohne Schutzvorkehrungen wie Masken oder Abzüge gearbeitet.

Das Zugprojekt entstand 2004 auf Initiative der Gemeinde, der NS-Tochtergesellschaft NedTrain und des Eisenbahnmuseums. NedTrain lieferte das Zugmaterial und überwachte die Arbeiten. Für Schutzausrüstung oder Abzüge soll es kein Geld gegeben haben, hinzu sei ein autoritäres Arbeitsklima gekommen.

Unter den Arbeitsbedingungen seien gesundheitliche Schäden aufgetreten, wie die Zeitung einen Betroffenen zitiert: "Als ich dort arbeitete, war ich oft krank. Ich habe mich erbrochen und Blut gespuckt. Aber nach zwei Tagen rief mich der Projektleiter an, dass ich wieder kommen müsse. Sonst würden mir meine Unterhaltsleistungen entzogen."

Weiter heisst es: "Ich arbeitete 40 Stunden die Woche. Wir hatten keinen Overall, keine Arbeitsschuhe, keine Mundkappen, nichts. Als ich nach Hause kam, war ich von dem Staub bedeckt. Das erste, was ich tat, war zu duschen. Und oft poliere ich mir die Zähne, um den schmutzigen Metallgeschmack im Mund loszuwerden".

Chrom(VI)-oxid wird in der Galvanotechnik angewandt, wirkt sowohl mutagen als auch karzinogen und ruft beim Verschlucken Verdauungsstörungen, Nierenschäden, Krämpfe und Lähmungen hervor. Chrom-VI wurde in alten Lackschichten auf der Außenseite der Zugtypen SGM, ICM, ICM, ICR, ICR, ICR, Mat' 64, loc DDAR, DDM1, E1700 und eventuell in bestimmten Befestigungsmitteln anderer Fahrzeugtypen gefunden, unter anderem im "NS-Gelb".

Die niederländische Staatsbahn NS hat in einer Pressemeldung angekündigt, eine unabhängige externe Studie durch die Behörde für Öffentliche Gesundheit und Umweltschutz RIVM zu beauftragen. Vor einer Stellungsnahme müssen deshalb die Ergebnisse der Studie abgewartet werden. Auf ihrer Internet-Seite hat die NS auch ein "Dossier Chrom-6" veröffentlicht.

WKZ, Quelle NS, Brabants Dagblad

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