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Montag, 20 Juli 2020 07:05

Niederlande: ProRail, Lineas und Alstom testen automatisches Rangieren nach GoA4

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Fotos ProRail, Alstom.

ProRail wird zusammen mit dem Schienengüterverkehrsunternehmen Lineas und dem technischen Anbieter Alstom einen Versuch zum automatischem Rangieren einrichten. Zu diesem Zweck unterzeichnete ProRail im Juni Kooperationsabkommen mit den beiden Organisationen.

Die Versuche finden auf einem Rangierbahnhof statt, einem so genannten nicht-zentral bedienten Gebiet (niet centraal bediend gebied, NCBG), wo es keine technische Sicherheit gibt. Lokführer und Rangierer bedienen die Weichen dort selbst und sind für die sichere Fahrt der Züge verantwortlich.

In der ersten Phase des Tests nehmen Kameras von einer Lokomotive Bilder des Testgebiets auf. Diese Bilder werden verwendet, um der Software beizubringen, sich mit der Umgebung vertraut zu machen. So kann die intelligente Software während der Fahrt erkennen, ob die Situation so ist, wie sie sein sollte, oder ob sich Objekte auf oder um die Strecke herum befinden, die dort nicht hingehören. In der nächsten Phase laufen die Systeme im Hintergrund und geben dem Fahrer Fahrhinweise. Das Endziel ist, dass die Systeme die Lokomotive die Befehle ausführen lassen.

Alstom hat dafür mit dem niederländischen Infrastrukturbetreiber ProRail eine Vereinbarung über die Durchführung von Tests zum automatischen Zugbetrieb (Automatic Train Operation, ATO) an Rangierlokomotiven im Jahr 2021 unterzeichnet. Die Tests werden auf dem höchsten Automatisierungsgrad (GoA4) in einem Rangierbahnhof durchgeführt. Ziel ist es zu zeigen, wie durch den Einsatz vollautomatischer Züge der Bahnbetrieb optimiert werden kann, um angesichts der steigenden Nachfrage nach Rangierbetrieb eine kostengünstige und nachhaltige Mobilität zu gewährleisten.

Alstom wird eine dieselhydraulische Rangierlokomotive von Lineas, Europas größtem privaten Schienengüterverkehrsbetreiber, mit automatischer Steuerungstechnik und einem intelligenten Hinderniserkennungs- und Detektionssystem ausrüsten. Gewöhnliche Aufgaben wie Anfahren und Anhalten, Kuppeln von Waggons, Traktions- und Bremssteuerung und Notfallmanagement werden vollständig automatisiert, ohne dass sich aktives Personal an Bord des Zuges befindet, mit Ausnahme derjenigen, die sich auf das Sicherheitsprotokoll des Tests beziehen.

"Dieses Projekt ebnet den Weg für ein vollständig digitalisiertes Schienennetz. Diese Tests werden es dem europäischen Eisenbahnsystem ermöglichen, von erhöhter Kapazität, geringerem Energieverbrauch und niedrigeren Kosten zu profitieren und gleichzeitig eine größere betriebliche Flexibilität und verbesserte Pünktlichkeit zu bieten. Dieser Test steht voll im Einklang mit Alstoms Strategie, unseren Kunden einen Mehrwert für grüne und intelligente Mobilität zu bieten", erklärt Bernard Belvaux, Managing Director Alstom Benelux.

Alstom hat die Vorteile von ATO vor allem bei U-Bahnsystemen auf der ganzen Welt unter Beweis gestellt. Die Erfahrung zeigt, dass Automatisierung zu Kapazitätssteigerung, Kostensenkung, Energieeinsparungen und betrieblicher Flexibilität führt. Automatisierte Züge können näher zusammenfahren, wobei menschliche Reaktionszeiten kein Thema mehr sind, so dass die Netzkapazität effektiv erhöht werden kann. Auch fahren die Züge konsequenter, was eine effizientere Energienutzung ermöglicht.

Die GoA-Automatisierungsstufen reichen von Stufe 1 (teilweise autonomer Zug) bis Stufe 4 (vollständig autonomer Zug). Die Automatisierung im Eisenbahnsektor ermöglicht es den Betreibern, die Produktivität ihrer Netze zu maximieren, ohne kostspielige Änderungen an der Infrastruktur vorzunehmen.

Bis Ende 2018 hatte Alstom das ATO-System GoA Level 2 mit ProRail und einer Güterzuglokomotive von Rotterdam Rail Feeding (RRF) auf der Betuweroute, einer zweigleisigen Güterzugstrecke, die Rotterdam mit Deutschland verbindet, erfolgreich getestet.

WKZ, Quelle Alstom, ProRail

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