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Freitag, 24 Juli 2020 09:00

Frankreich: Eisenbahnnetz wenig genutzt, aber hoher modaler Anteil im Personenverkehr

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Fotos Verkehrsregulierungsbehörde.

Die französische Verkehrsregulierungsbehörde (L'Autorité de régulation des transports) veröffentlichte am 22.07.2020 ihren Bericht über den Markt für den Eisenbahntransport 2019. Dieser kurze Überblick über den Sektor umfasst den Nutzungsgrad des nationalen Schienennetzes, die Entwicklung von Angebot und Nachfrage im Personenverkehr sowie die Situation des Güterverkehrs. Der Bericht wird durch eine erste Analyse des Transportangebots während der Gesundheitskrise im Zusammenhang mit der COVID-19-Epidemie vervollständigt. Gleichzeitig veröffentlicht die Behörde die Ergebnisse einer Umfrage unter den Fahrgästen von Hochgeschwindigkeitszügen im Jahr 2019 sowie einen französisch-europäischen Vergleich der Eisenbahnmärkte.

Verjüngung des nationalen Eisenbahnnetzes

Die Behörde beobachtet seit Ende 2015 eine Verjüngung des nationalen Eisenbahnnetzes. Während das Durchschnittsalter der Strecken in diesem Zeitraum von 31 auf 29 Jahre gesunken ist, gibt es jedoch je nach Streckentyp und geografischer Lage große Unterschiede im Alter.

Ende 2019 wird das nationale Eisenbahnnetz 28.100 km Strecke, d.h. 49.500 km Gleise, umfassen. Die "kleinen Linien" ("petites lignes", Gleise der SNCF-Kategorie Netz 7 bis 9) machen mit 14.000 km Gleislänge (d.h. 29% der gesamten Gleiskilometer) einen bedeutenden Teil dieses Netzes aus. Die Bahnhöfe von lokalem Interesse (gemäß der Segmentierung des Referenzdokuments für Bahnhöfe von SNCF Réseau) machen 62% der Bahnhöfe aus, aber nur 2% des jährlichen Personenverkehrs. Unter diesen Bahnhöfen befinden sich auch die 140 Bahnhöfe, die zwischen 2015 und 2018 geschlossen wurden und nicht sehr stark ausgelastet sind.

Steigende Nachfrage nach Schienenpersonenverkehr

Während das Jahr 2019, wie auch 2018, von großen sozialen Bewegungen geprägt war, stieg das Angebot im Schienenverkehr im Vergleich zum Vorjahr um 1,2%. Sie bleibt jedoch niedriger als das 2017 beobachtete Angebot. Die Nachfrage ist ihrerseits innerhalb eines Jahres um 5% gestiegen und übersteigt das Niveau von 2017 (ein Jahr ohne soziale Bewegungen im vierteljährlichen Rhythmus). Dieses Wachstum betrifft sowohl die Zahl der Reisenden als auch die zurückgelegte Entfernung.

Die Pünktlichkeitsquoten zeigen 2019 sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr eine deutliche Verbesserung. Nahezu 90% der TER- und Transilien-Züge waren somit 2019 pünktlich (oder mit einer Verspätung von weniger als 5 Minuten an ihrem Endpunkt), verglichen mit 77% der inländischen Hochgeschwindigkeitszüge an der gleichen Schwelle.

Stabilität der Menge der transportierten Güter

Während der Schienengüterverkehr im Jahr 2019 in Zügen.km um 2% zurückging, blieb die Menge der beförderten Güter (33 Mrd. Tonnen-km) nahezu stabil, da die Spediteure die durchschnittlich beförderte Tonnage pro Verkehrsmittel erhöhten. Die sozialen Unruhen Ende 2019, die bis ins Jahr 2020 andauerten, wirkten sich jedoch stark auf den Güterverkehr aus: Nach Angaben der von der Behörde befragten Betreiber wurden in diesem Zeitraum nur 52% der geplanten Bewegungen durchgeführt.

Profil der Passagiere von Hochgeschwindigkeitszügen

Die Behörde führte eine Umfrage unter Fahrgästen von Hochgeschwindigkeitszügen durch, um die Kenntnisse über deren modale Profile und Verhalten zu verbessern. Diese Umfrage bestätigt, dass die Bevölkerung des Hochgeschwindigkeitszuges eher jung (die 25- bis 34-Jährigen machen 33% der Fahrgäste des Hochgeschwindigkeitszuges aus) und relativ wohlhabend ist. Während TGV/inOui/OUIGO-Reisende diesen Verkehrsträger vor allem für die Freizeit (65%) nutzen, machen Geschäftsreisen im Jahr 2019 mit 27% der Passagiere einen höheren Anteil aus als Flugreisen (25%) oder der reguläre, frei organisierte Busverkehr (7%).

Hochgeschwindigkeits-Eisenbahndienste zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie Fahrten ermöglichen, die ohne diese Dienste nicht durchgeführt worden wären (Anregung zur Fahrt = 30%).

Hohe modale Anteile gegenüber Europa

Die Behörde veröffentlicht einen Vermerk, in dem ein Vergleich der Nutzung des Schienennetzes in Frankreich mit anderen europäischen Ländern für das Jahr 2017 vorgeschlagen wird. Es scheint, dass das nationale Eisenbahnnetz zwar eines der längsten in Europa ist, aber auch eines der am wenigsten genutzten. Dennoch zeichnet sich Frankreich durch den bedeutenden modalen Anteil der Bahn am Personenverkehr aus. Der Erfolg des Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnverkehrs auf langen Strecken ist eine der wichtigsten Erklärungen für diesen modalen Anteil.

WKZ, Quelle L'Autorité de régulation des transports

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