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Sonntag, 02 August 2020 09:25

Portugal: Näheres zum Zugunglück auf der Linha do Norte

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Fotos GPIAAF.

Am Freitag ist in Soure, Bezirk Coimbra, ein IC Alfa Pendular auf einen Oberleitungswagen (Veículo de Conservação de Catenária, VCC) aufgefahren. Der Zug fuhr auf der Linha do Norte in Richtung Braga, und der IC entgleiste nach der Kollision mit der Arbeitsmaschine. Der Unfall forderte zwei Tote und 44 Verletzte, von denen sich drei noch im Krankenhaus von Coimbra befanden.

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Laut einer Mitteilung des Amtes für die Verhütung und Untersuchung von Flugzeug- und Eisenbahnunfällen (GPIAAF) hielt der VCC am Freitag um 15.12 Uhr am Abstellgleis (Gleis III) des Bahnhofs Soure an und wartete auf die Durchfahrt des Alfa Pendular. Wenige Augenblicke später "nahm der VCC aus Gründen, die im Moment noch unbestimmt sind und die sich im Laufe der Untersuchung vertiefen werden, seine Fahrt wieder auf und überfuhr das Signal, das rot blieb". Der VCC fuhr auf Gleis I, auf dem der Alfa Pendular zirkulierte.

Die Untersuchung besagt, dass die Durchfahrt des Bahnhofs Soure durch den Alfa Pendular "mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von etwa 190 km/h erfolgte. Zu diesem Zeitpunkt bemerkten die Lokführer das rote Signal auf Gleis I (das Signal ging von grün auf rot über, weil der VCC in Gleis I einfuhr) und der VCC fuhr auf die Strecke, auf der der IC fuhr.

"VCC sind, wie die meisten Gleisunterhaltsfahrzeuge in unserem Land, nicht mit dem CONVEL-System ausgestattet, weshalb keine automatische Bremsung ausgelöst wurde", betont das GPIAAF. Von der Auffahrt des VCC 105 auf die Linha do Norte bis zum Unfall waren 20 Sekunden vergangen.

Die Bremse des Alfa Pendular wurde noch ausgelöst, ohne dass dies die Kollision verhindern konnte. Nach dem Zusammenstoß entgleisten die ersten beiden Fahrzeuge des CPA 4005 (Alfa Pendular), und der VCC wurde etwa 500 m weit vor ihnen hergeschleppt, bis alles zum Stillstand kam.

Der Unfall hätte vermieden werden können, wenn Empfehlungen nach ähnlichen Vorfällen in den letzten Jahren befolgt worden wären. Der Infrastrukturverwalter Infraestruturas de Portugal (IP) hatte sich vor zwei Jahren verpflichtet, das CONVEL-System in Oberleitungsfahrzeuge einzubauen, aber die Maßnahme "vorbehaltlich der finanziellen Verpflichtung", kam nie voran, schreibt SAPO 24. Die Verpflichtung ist in einem Bericht des GPIAAF dargelegt, der im Juli 2018 veröffentlicht wurde, und ist eine Reaktion auf eine Sicherheitsempfehlung dieses Gremiums, das vor der Gefahr warnte, dass diese Fahrzeuge ohne das CONVEL-System fahren könnten, nachdem eines von ihnen im Januar 2016 am Bahnhof Roma-Areeiro in Lissabon ein rotes Signal überfahren hatte.

António Domingues, Präsident der Lokführergewerkschaft (Sindicato dos Maquinistas, SMAQ), hat gegenüber Publico angekündigt, dass er ein Strafverfahren gegen Infraestruturas de Portugal einleiten werde, wenn der Verdacht, dass das Unternehmen den Empfehlungen der GPIAAF nicht gefolgt sei, bestätigt werde.

WKZ, Quelle GPIAAF, SAPO 24

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Letzte Änderung am Sonntag, 02 August 2020 14:22

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