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Montag, 03 August 2020 10:00

Italien: Großes Chaos durch zurück genommene Sitzplatzfreigabe

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Foto Ministero delle Infrastrutture e dei Trasporti.

Die italienische Regierung hob eine am 31.07.2020 angekündigte Lockerung der Sitzplatzfreigabe in Fernzügen, die am 01.08.2020 in Kraft getreten ist, am Nachmittag des 01.08.2020 wieder auf. Zwölf Stunden lang durften mehr Sitzplätze belegt werden. Dann der Stopp. Die Passagiere warteten umsonst auf den Bahnhöfen. Das Chaos war perfekt, die private Gesellschaft Italo musste acht Züge streichen und 8.000 Tickets annullieren.

In der Mitteilung des Infrastrukturministeriums am 31.07.2020 wurden "Änderungen in der Organisation des Fernverkehrs" bekannt gegeben: "Es ist erlaubt, von dem Ein-Meter-Abstand zwischen Personen an Bord von Fernverkehrszügen in Fällen abzuweichen, in denen - die Luft an Bord sowohl durch die Klimaanlage als auch durch das Öffnen der Außentüren an den Haltestellen erneuert wird, ... - das Ein- und Aussteigen aus dem Zug sowie der Standort am zugewiesenen Sitzplatz, der während der Fahrt unter keinen Umständen verändert werden darf, individuell geregelt werden, um einen engen Kontakt zwischen den Fahrgästen während der Abfertigungsphase zu vermeiden, ..."

Am 01.08.2020 erklärt das Infrastrukturministerium, die Regierung "hat niemals eine 100% ige Befüllung genehmigt": "Die dem Erlass des Premierministers vom 14. Juli beigefügten Richtlinien hatten keine 100%ige Befüllung wieder eingeführt, sondern eine Abweichung vom Sozialabstand von einem Meter unter bestimmten Bedingungen, die, wenn sie umgesetzt worden wären, die Kapazität der Waggons erhöht hätte, ohne dass diese vollständig befüllt werden konnten. Heute, 16 Tage später, wurde nach einem Gespräch mit Minister Speranza und einer Bewertung der Ansteckungskurve eine umsichtige Entscheidung über die Kapazität von Hochgeschwindigkeitszügen getroffen, um keine unnötigen Risiken einzugehen. Vor diesem Hintergrund werden die Züge weiterhin nach den gleichen Regeln fahren wie bisher, ohne jede Ausnahme."

Der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza erließ am 01.08.2020 ein Dekret, nach dem es keine Hoffnung auf Erleichterung im Zugverkehr gibt: "Es ist richtig, dass die bisher geltenden Sicherheitsvorschriften in den Zügen in Kraft bleiben sollen. Wir können es uns nicht leisten, den Grad der Aufmerksamkeit und Vorsicht zu senken. Deshalb habe ich eine Verordnung unterzeichnet, in der bekräftigt wird, dass an allen geschlossenen, öffentlich zugänglichen Orten, einschließlich der Verkehrsmittel, sowohl der Abstand von mindestens einem Meter als auch die Pflicht zum Tragen von Masken obligatorisch ist und bleibt. Dies sind die beiden wesentlichen Prinzipien, die wir zusammen mit dem häufigen Händewaschen bewahren müssen, wenn wir mit dem Virus leben".

Italienweit gleichlautend wurde ein angeblich zorniges Telefonat zwischen Gesundheitsminister Roberto Speranza und Infrastrukturministerin Paola De Micheli zitiert: "Wie könnt ihr das machen, ohne mich wenigstens zu informieren"

Der private Bahnbetreiber Italo droht der Regierung mit Schadenersatzforderungen. Dort musste man viele Züge absagen, "weil sie nach dem Befehl von Minister Speranza gesetzlos verkehren: Wir werden unseren Kunden Rückerstattungen geben, aber im Bahnhof werden viele Leute ihren Zug nicht finden". Der Exekutiv-Vizepräsident von Italo-Ntv, Flavio Cattaneo, brachte seine "Verwirrung" zum Ausdruck, weil - so erklärt er - "dieselbe Verordnung die Distanz im Flugzeug nicht betrifft", was "auf der Grundlage von der Weltgesundheitsorganisation genannter technischer Aspekte im Zusammenhang mit den Eigenschaften der Klimaanlage" begründet wurde. Aber "unsere Studien haben unsere Klimaanlage überprüft, die nicht nur ausreichend ist, sondern deren Luftaustausch um 50 % über dem eines Flugzeugs liegt". Cattaneo kritisiert, dass "Unternehmen ihre Investitionen nicht planen können, und selbst der Bürger sich orientierungslos findet." Dies sei "keine seriöse Vorgehensweise", auch weil die Unternehmen von der Krise betroffen seien: "Wir haben - erinnern Sie sich - 95% unseres Umsatzes durch den Lockdown verloren".

Trenitalia ließ seine Kudnen wissen, die Abstandsregeln in den Zügen bleiben aufrecht, auch weiterhin wird nur die Hälfte der Sitze besetzt. Aufrecht bliebe auch das Messen der Temperatur sowie die regelmäßige Desinfektion der Waggons.

GK, WKZ, Quelle Ministero delle Infrastrutture e dei Trasporti, ADN Kronos

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Letzte Änderung am Montag, 03 August 2020 09:40

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