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Montag, 14 September 2020 09:00

Spanien: Keine Kameras zur Überwachung der AVE-Lokführer

Nach dem schweren Unfall von Santiago de Compostela, bei dem 80 Menschen starben, als der Alvia Nr. 00151 am 24.07.2013 aufgrund massiv überhöhter Geschwindigkeit in einem Gleisbogen entgleiste, hatte die Regierung diverse Maßnahmen umgesetzt, um die Sicherheit bei hohen Geschwindigkeiten zu erhöhen, unter anderem die Überwachung der Lokführerkabine mit Audio- und Videoaufzeichnungssystemen.

Im Fall des Unfalls bei Santiago de Compostela wurde ein Telefongespräch des Lokführers als Ursache der Unaufmerksamkeit betrachtet. Die Anwesenheit von Kameras, so argumentierten Sicherheitsexperten damals, könnte eine abschreckende Wirkung haben, um bestimmte Verhaltensweisen zu vermeiden, die eine Gefahr für die Aufmerksamkeit darstellen.

Wie La Voz de Galizia berichtet, erklärte Renfe Viajeros in einer Mitteilung an die Untersuchungskommission für Eisenbahnunfälle (Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios, CIAF) nun, dass man "beschlossen hat, das Videoaufzeichnungssystem angesichts einer möglichen Verletzung des Rechts der Menschen auf Privatsphäre gemäß dem Datenschutzgesetz nicht zu installieren".

Darüber hinaus betrachtet die Eisenbahnagentur der Europäischen Union die Installation von Kameras in den Führerständen "als unangemessenes Hindernis für die Interoperabilität". Brüssel spricht sich gegen einseitige Initiativen aus, die dem Plan, den Zugverkehr durch alle EU-Länder zu homogenisieren, bremsen würden.

In Spanien lehnte die Lokführergewerkschaft (Semaf) diese Initiative ab, aber sie wäre mit der Videoaufzeichnung aller Vorgänge in der Infrastruktur einverstanden, um bestimmte Unfälle zu untersuchen.

Obwohl Renfe einen Teil dieser Audio- und Videoaufzeichnungssysteme schon in Auftrag gegeben hatte, konzentrierte sich das Unternehmen jetzt nur auf die Installation der Geräte für die Audioaufzeichnung, ein Prozess, der sich ernsthaft verzögerte, als das Unternehmen, das den Zuschlag erhalten hatte, in ein Insolvenzverfahren eintrat.

WKZ, Quelle La Voz de Galicia

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