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Mittwoch, 14 Oktober 2020 08:00

Schweden: Infrastrukturminister wünscht sich europaweite direkte Beschaffung von Fern- und Nachtzügen

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Fotos Trafikverket, Peter Pohlmann.

Die schwedische Verkehrsbehörde Trafikverket will - wie berichtet - eine direkte Beschaffung des Nachtzugverkehrs zwischen Schweden und Hamburg bzw. Brüssel durchführen. Die Frage ist aber, welches Unternehmen Nachtzüge ohne finanziellen Ausgleich durch Deutschland betreiben will.

"Leider lässt Deutschland die Beschaffung von Fernzugverkehr nicht zu", bestätigte Infrastrukturminister Tomas Eneroth gegenüber dem schwedischen Magazin Järnvägar.nu. "Ich habe mit meinem Kollegen in Deutschland gesprochen und wir haben auf Ministerebene in der EU darüber gesprochen, aber Schweden kann nicht warten, bis Deutschland und andere Länder ihre Vorschriften ändern.

"Wir brauchen eine EU-Richtlinie über die grenzüberschreitende Beschaffung, wir müssen die heute bestehenden Hindernisse beseitigen. Ich hoffe, dass wir dies im Jahr 2021 lösen können, das natürlich von der EU zum Jahr der Eisenbahn erklärt wurde."

Im Sommer beauftragte die Regierung die schwedische Verkehrsbehörde, den Nachtzugverkehr Malmö - Brüssel und Stockholm - Hamburg ab dem 1. August 2022 zu beschaffen. Das oder die Unternehmen, die die Züge betreiben werden, werden nur für die Fahrt zur und von der Grenze zwischen Dänemark und Deutschland entschädigt und müssen die übrigen Strecken auf eigenes finanzielles Risiko betreiben.

Die Abkommen mit den Bahnunternehmen sollten im Sommer 2021 fertig sein: "Wir möchten, dass die Vereinbarung(en) ein Jahr vor Verkehrsbeginn, d.h. im Spätsommer 2021, abgeschlossen ist (sind), damit die Firma(n) Zeit hat (haben), den Verkehr vorzubereiten, indem sie Fahrzeuge, Personal und alle erforderlichen Genehmigungen beschafft (beschaffen)", sagte Håkan Jacobsson von der Abteilung für Vereinbarungen und Finanzierung der schwedischen Verkehrsverwaltung.

Hinzu kommt, dass die Vertragslaufzeit relativ kurz sein sollte, maximal vier Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung um weitere zwei Jahre, um den Aufbau neuer kommerzieller Alternativen nicht zu blockieren. "Ja, es ist sehr wichtig, den kommerziellen Nachtzugverkehr nicht zu stören", sagt Tomas Eneroth. "Der beschaffte Verkehr darf nicht die Bedingungen für den fantastischen Einsatz von Transdev bei Snälltåget zerstören".

Eneroth hofft, dass der beschaffte Nachtzugverkehr moderne Liege- und Schlafwagen und Erlebnisse bieten kann, die die Reise zu mehr als nur einem Transport machen. "Ein Restaurantwagen, vielleicht mit musikalischer Unterhaltung", nennt er als Beispiel für einen Mehrwert.

Derzeit stehen nicht sehr viele Bahnunternehmen bereit, die in der Lage und willens sind, die Nachtzüge zu fahren: Die österreichische ÖBB in Zusammenarbeit mit der dänischen DSB verfügen über Lokomotiven, Wagen und alle erforderlichen Genehmigungen. Auch SJ hat Interesse am Betrieb der Züge bekundet, doch fehlt es dem schwedischen Unternehmen an geeigneten Lokomotiven und Waggons sowie an Genehmigungen für den Zugbetrieb in Deutschland und Belgien. Es ist ebenso wahrscheinlich, dass Transdev mit dem Konzept Snälltåget mit dem Betrieb der Nachtzüge zwischen Stockholm und Hamburg betraut wird. Das Unternehmen betreibt seit mehreren Jahren Nachtzüge zwischen Malmö und Berlin und erweitert im Frühjahr die Nachtzüge von und nach Stockholm. Allerdings muss Transdev eine Reihe von Schlafwagen beschaffen, um den Anforderungen der Regierung gerecht zu werden.

Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Järnvägar.nu

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Letzte Änderung am Mittwoch, 14 Oktober 2020 09:11

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