english

Donnerstag, 15 Oktober 2020 11:00

Österreich: Rechnungshof empfiehlt die Attraktivierung der Traunseetram ehestmöglich zu vollenden

k1024 rs 3781

Auf Initiative einiger Gmundner Bürgerinnen und Bürger unterzog der Rechnungshof (RH) die Realisierung der Traunseetram, die aus dem Zusammenschluss der Straßenbahn Gmunden mit der Lokalbahn Gmunden - Vorchdorf entstand, einer Prüfung. Prüfungsziel war es, einerseits die Studien, Analysen und Beschlüsse im Vorfeld der Realisierung zu beurteilen, sowie die Gesamtkosten, das Projektmanagement und die Bauabwicklung in der Innenstadt von Gmunden, die Vergaben sowie die Maßnahmen zur Steigerung der Fahrgastzahlen nach Vollendung des Projektes.

Der RH kam abschließend zu folgendem Ergebnis: Die Traunseetram sei modern, auf dem Stand der Technik, leistungsfähig, befördere aber zu wenige Fahrgäste und sei zu teuer. Zum letztem Punkt sei angemerkt, dass unterschiedliche Ansichten betreffend der Systemgrenzen des zu prüfenden Projekts bestehen: beispielsweise wären laut Stellungnahmen des Landes Oberösterreich und der Stadtgemeinde Gmunden die Lokalbahnstrecke auch ohne Durchbindungsprojekt ertüchtigt worden, weshalb diese Kosten nicht dem Gesamtprojekt zugerechnet werden dürfen. Auf alle Punkte hier einzugehen würde den Rahmen sprengen, wir beschränken uns daher im Folgenden auf die Fahrgastentwicklung und die Empfehlungen des RH zur langfristigen Attraktivierung der Traunseetram.

Das Land Oberösterreich und die Stadtgemeinde Gmunden stellten mit der Traunseetram ein am Stand der Technik befindliches, barrierefreies öffentliches Verkehrsmittel zwischen den Bahnhöfen Gmunden und Vorchdorf bereit. Der Oberösterreichische Verkehrsverbund (OÖVV) bestellte ein umfangreiches Leistungsangebot, der Taktfahrplan bietet Anschlüsse zu den Zügen der ÖBB und zu den Citybuslinien von Gmunden. Ziel war die Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs und eine damit erwartete teilweise Verlagerung der Mobilität vom motorisierten Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr zu erreichen. Der RH hob positiv hervor, dass sich das Angebot des öffentlichen Verkehrs im Stadtgebiet von Gmunden (in Fahrzeugkilometern pro Jahr) mit der Inbetriebnahme der Traunseetram um rund 28,5 % steigerte.

„Dennoch konnte die Traunseetram die angestrebten Fahrgastzahlen im ersten Betriebsjahr nicht erreichen“, ist im Bericht des RH zu lesen. Hierzu sei angemerkt, seit der Fertigstellung des Durchbindungsprojekts nutzten im Zeitraum Oktober 2018 bis September 2019 durchschnittlich rund 2.260 Fahrgäste pro Werktag die Traunseetram (erhoben über die in den Fahrzeugen befindlichen automatischen Zählanlagen). Das Land Oberösterreich und die Stadtgemeinde Gmunden haben in etwa eine Verdoppelung der zuvor in der Gmundner Straßenbahn und der Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf erreichten Fahrgastzahlen angestrebt, also eine Steigerung von insgesamt 1.660 Fahrgästen pro Werktag (vor Realisierung der Durchbindung) auf 3.330 Fahrgäste pro Werktag, allerdings nicht im ersten Betriebsjahr, sondern bis zum Jahr 2025.

Weiters hob der RH kritisch hervor, dass die Fahrgastzahlen deutlich unter der Leistungsfähigkeit von Straßenbahnsystemen – mit 20.000 bis 100.000 Fahrgästen pro Tag – liegen. Solche Vergleiche sind jedoch unpassend: Es stand nie zur Debatte, ein neues Straßenbahnsystem zu errichten, denn die Neubaustrecke macht nur 4,5 % der Gesamtstreckenlänge aus. Vielmehr war es das Ziel, zwei nicht miteinander verbundene Bahnstrecken mit außerhalb des Zentrums gelegenen Endstation zu verbinden und damit für Bewohner und Pendler der Umlandgemeinden Verbesserungen bei der Erreichbarkeit der Gmundner Innenstadt mit umweltfreundlichen elektrischen Verkehrsmitteln zu ermöglichen. Gut vergleichbar wäre die Traunseetram beispielsweise mit der aus dem Zusammenschluss der Trogenerbahn mit der Gaiserbahn entstandenen Stadt-Regio-Tram Trogen – St.Gallen – Appenzell oder mit der in das Nordhäuser Straßenbahnsystem eingebundenen Harzquerbahn-Eisenbahnstrecke Nordhausen – Ilfeld.

Empfehlungen des RH

Der RH merkte kritisch an, dass auf der Homepage der Stadt Gmunden keinerlei Hinweise zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wohl aber für die Anfahrt mit dem Auto zu finden seien. Er empfahl dem Land Oberösterreich und der Stadtgemeinde Gmunden, in Abstimmung mit dem OÖVV die am besten geeigneten Maßnahmen zur Steigerung der Fahrgastzahlen zu erheben und diese sodann raschestmöglich umzusetzen. Neben den Bürgerinnen und Bürgern wären verstärkt Touristinnen und Touristen als Zielgruppe der Traunseetram anzusprechen und auf die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums von Gmunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Anbindung der Traunseetram an den überregionalen öffentlichen Verkehr hinzuweisen. Der RH erachtete die Planungen zur Erweiterung der Traunseetram von Gmunden nach Laakirchen bzw. Altmünster für grundsätzlich zweckmäßig. Allein mit der Anbindung von Laakirchen würde laut Potenzialanalyse die Fahrgastnachfrage pro Werktag auf 4.280 Fahrgäste steigen.
Der RH empfiehlt, ehestmöglich für die Finanzierung der für einen optimalen Betriebsablauf der Traunseetram noch zu realisierenden Projektkomponenten zu sorgen, wobei folgende Projektkomponenten noch ausständig sind:

• Derzeit besteht das Taktangebot in Gmunden aus einem alternierenden 10- und 20-Minuten-Takt. Die Errichtung einer Ausweiche zwischen den Haltestellen Kirchham Ort und Laizing (km 10,1 – 10,4) würde einen einheitlichen 15-Minuten-Takt im Innenstadtbereich von Gmunden ermöglichen. Im Sommer 2020 wurden mit dem Aufstellen von neuen Fahrleitungsmasten erste Vorarbeiten für den zweigleisigen Abschnitt durchgeführt.

• Adaptierung der Haltestellen Gschwandt, Kirchham und Vorchdorf, um eine barrierefreie Nutzung gemäß Bundes–Behindertengleichstellungsgesetz zu ermöglichen und die Erreichbarkeit zu verbessern.

• Errichtung einer Park & Ride–Anlage im Bereich der Haltestelle Engelhof.

• Um den Substanzwert der neuen Fahrzeuge nicht vorzeitig zu mindern, wäre ehestmöglich für die Finanzierung der Remise Engelhof zu sorgen.

Das Land Oberösterreich und die Stadtgemeinde Gmunden führten in ihren Stellungnahmen aus, die Empfehlungen aufzugreifen. Eine Umsetzung erfolge im Rahmen der Zuständigkeiten der Gebietskörperschaften nach Maßgabe der finanziellen Mittel. Zudem beschäftigt sich ein Expertengremium des Landes mit den Ausbau-Projekten, einer Neugestaltung der Ticket-Preise und regionalen Werbekampagnen.

Bild: Westlich des Ortskerns von Kirchham soll eine neue Ausweiche und eine Park & Ride–Anlage errichtet werden, als erste Baumaßnahme wurden im vergangenen Sommer Betonmasten im betreffenden Abschnitt aufgestellt. Foto: Robert Schrempf

Text und Foto: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Verein Pro Gmundner Strassenbahn

Zurück

Nachrichten-Filter