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Samstag, 17 Oktober 2020 14:00

Großbritannien: Gedenken an den 20. Jahrestag zum Unglück von Hatfield

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Fotos ORR.

Großbritannien gedenkt heute (17.10.2020) des 20. Jahrestages des Eisenbahnunglücks in Hatfield. Vier Passagiere kamen ums Leben, als am 17.10.2000 ein Schnellzug in der Stadt in Hertfordshire entgleiste. Nach dem wegen der Covid-19-Beschränkungen im kleinen Rahmen durchgeführten Gottesdienst können die Teilnehmer einen Gedenkgarten mit Blick auf die Unfallstelle besichtigen.

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Am 17. Oktober 2000 entgleiste der um 12.10 Uhr von London Kings Cross nach Leeds fahrende Zug südlich des Bahnhofs Hatfield. Der Zug war ein Intercity-Schnellzug Typ IC 225 Mark 4, der von der Great North Eastern Railway (GNER) betrieben wurde. Der Ort der Entgleisung lag zwischen Welham Green und Hatfield, etwa 27 km (16,7 Meilen) von Kings Cross entfernt. Die linke Schiene des nordwärts führenden Schnellfahrgleises Nr. 1 war gebrochen, so dass der Zug entgleiste. Zu diesem Zeitpunkt fuhr der Zug zwischen 115 und 117 mph (185 und 188 km/h). Es befanden sich 170 Passagiere und 12 GNER-Mitarbeiter im Zug. Infolge der Entgleisung wurden vier Fahrgäste getötet, über siebzig Personen wurden verletzt, darunter vier schwer; zwei der Schwerverletzten waren Mitarbeiter von GNER.

Die unmittelbare Ursache für die Entgleisung des GNER-Schnellzuges am 17. Oktober 2000 war der Riss und der anschließende Bruch der Schiene in der Kurve von Welham Green. Das Schienenversagen war auf das Vorhandensein mehrerer und bereits vorhandener Ermüdungsrisse in der Schiene zurückzuführen. Die zugrundeliegende Ursache bestand darin, dass der damalige Wartungsunternehmer, Balfour Beatty Rail Maintenance Ltd (BBRML), es versäumte, die Inspektion und Wartung der Schiene am Unfallort effektiv und in Übereinstimmung mit den Industriestandards durchzuführen. Die Untersuchung ergab auch, dass Railtrack plc, der damalige Infrastrukturbetrieb, es versäumt hatte, die Arbeit von BBRML effektiv zu verwalten und eine effektive Schienenerneuerung am gleichen Ort durchzuführen.

Während der Untersuchung arbeiteten die Health and Safety Executive (HSE) und die britische Transportpolizei (BTP) gemäß dem Protokoll über arbeitsbedingte Todesfälle zusammen. Mitarbeiter des Health and Safety Laboratory (HSL) leisteten fachliche technische Unterstützung für die Untersuchung, und andere Experten arbeiteten unter der Aufsicht des Fallmanagers der HSL.

Die Geschwindigkeit und die Art und Weise, in der der Zug gefahren wurde, waren keine Faktoren für die Entgleisung. Es gab keine Hinweise darauf, dass Signale in der Umgebung missachtet wurden oder dass das Signalsystem ausgefallen war. Es gab auch keine Hinweise darauf, dass Vandalismus oder ein Terrorakt zur Ursache der Entgleisung beigetragen hätten. Die Ablösung mehrerer Drehgestelle war auf die übermäßigen Kräfte zurückzuführen, die während des Vorfalls erzeugt wurden. Eine Kupplung, die zwei Wagen miteinander verband, versagte aufgrund von Überlastung, eine andere löste sich, als die Fahrzeuge umkippten. Der Schaden am Dienstwagen/Büfettwagen entstand, als dieser nach dem Umsturz auf die linke Seite gegen zwei streckenseitige Oberleitungsmasten (OLE) stieß.

Die vier Fahrgäste, die bei der Entgleisung ums Leben kamen, saßen im Dienstwagen/Büfettwagen. Die beiden bei der Entgleisung schwer verletzten GNER-Mitarbeiter arbeiteten zu diesem Zeitpunkt im Speisewagen.

Nach Abschluss der Untersuchung ermittelte die zuständige Staatsanwaltschaft (Crown Prosecution Service, CPS) gegen sechs Männer und zwei Unternehmen (BBRML und Network Rail als Nachfolger von Railtrack) wegen Totschlags aufgrund grober Fahrlässigkeit und Verstößen nach dem Health and Safety at Work Act 1974 (HSWA). Darüber hinaus erhob der CPS Anklage gegen sechs weitere Personen wegen Vergehen im Rahmen des HSWA. BBRML und Railtrack wurden wegen Vergehen im Rahmen der HSWA verurteilt; alle Personen wurden freigesprochen.

Die sich nach der Privatisierung der Eisenbahn in Großbritannien häufenden Unglücke führten zur Auflösung von Railtrack sowie zur Bildung der staatlichen Infrastrukturgesellschaft Network Rail und der Eisenbahnbehörde ORR.

Rüdiger Lüders, WKZ, Quelle BBC, ORR

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Letzte Änderung am Samstag, 17 Oktober 2020 12:04

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