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Freitag, 17 November 2017 07:20

Frankreich: Arafer-Studie bestätigt Zwang zum Umbau des Eisenbahnsystems

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Die Beobachtungsstelle für Transport and Mobilität der französischen Regulierungsbehörde Arafer hat am 16. November einen Überblick über den französischen Eisenbahnpersonenverkehrsmarkt für die Jahre 2015 und 2016 veröffentlicht. 

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Das 50-seitige Dokument (+ Anhänge) gibt einen detaillierten Überblick über Angebot, Servicequalität, Nachfrage, Finanzen und öffentliche Unterstützung, Region für Region.

Einige wichtige Ergebnisse seien hier zusammengefasst:

80 % der Züge benutzen nur 27 % des öffentlichen Schienennetzes

Frankreich hat nach Deutschland das zweitgrößte europäische Schienennetz, mit fast 29.000 km im Jahr 2015, davon 2.000 km LGV (Ende 2017 2.800 km). Damit hat Frankreich nach Spanien das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz Europas. Fast 3.000 Bahnhöfe und Haltestellen sind in Betrieb, so dass fast 90 % der französischen Bevölkerung weniger als 10 km von einem Bahnhof entfernt wohnen. Der überwiegende Teil des Verkehrs wird mit Personenzügen abgewickelt, die 85 % der 473 Mio. Zugkilometer im Jahr 2016 ausmachen. Die Nutzungsintensität des Netzes ist sehr unterschiedlich: 80 % der Personenzüge verkehren auf weniger als einem Drittel des Schienennetzes.

Der Zug verliert Marktanteile

Während TGV und TER es dem Eisenbahnverkehr ermöglichten, im Jahr 2011 einen Anteil von 10 % (gegenüber 7,1 % im Jahr 1995) zu erreichen, kehrt sich dieser Trend um: Seit 2011 ist der Personenzugverkehr rückläufig, während der anderer Verkehrsträger (Personenkraftwagen, Flugzeuge, Reisebusse) zunimmt. Der Anteil der Eisenbahnen im Personenverkehr ist immer noch höher als in anderen europäischen Ländern (+2 Prozentpunkte gegenüber Deutschland, +4 Prozentpunkte gegenüber Italien zum Beispiel), aber in Frankreich sinkt er, während er bei unseren europäischen Nachbarn zunimmt.

90 % der Fahrgäste im Regionalbereich

Im Jahr 2016 nahmen fast 1,2 Mrd. Fahrgäste (etwa 3,2 Mio. Fahrgäste pro Tag) den Zug, die meisten (fast 90 %) davon täglich (TER und Transilien). Insgesamt liegt die durchschnittliche Auslastungsrate bei 43 %, wobei die Unterschiede zwischen den einzelnen Diensten sehr groß sind: 25 % im Durchschnitt beim TER, bis zu 67 % beim TGVs auf Inlandsstrecken.

Leicht sinkende Fahrgastzahlen, außer beim TGV und TER

Die Fahrgastzahlen in Personenkilometern sind 2016 um 1 % gesunken, was einen relativen Verlust der Attraktivität des Schienenverkehrs im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern bedeutet: Auto + 2,7%, interurbaner Bus + 17%, Flugzeug + 3,8%. Der Rückgang der TER-Fahrgastzahlen betrug -2,8%, wobei die internationalen Züge (-7,8%) und Intercités (-6,5%) am stärksten unter diesem Rückgang litten. Die Zahl der Besucher im TGV-Zug blieb stabil (+0,1%), während die Zahl der Nutzer des Transiliens zunahm (+3,8%).

5 % der Züge fallen aus

Bisher unveröffentlichten Statistiken der Arafer zeigen, dass die Gesamtnutzung des Schienennetzes (Güter- und Personenverkehr) im Jahr 2016 um fast 6 % zurückgegangen ist, was vor allem auf Streiks im zweiten Quartal 2016 (soziale Bewegung im Zusammenhang mit der Neuverhandlung des Sozialrahmens für Bahnpersonal) zurückzuführen ist, die zu einem Ausfall von Personenzügen und auch zu Beeinträchtigungen im Güterverkehrs geführt haben. Insgesamt lag die Gesamtzahl der ausgefallenen Personenzüge (ohne Transilien) 2016 bei 5 %, das sind fast 350 Züge pro Tag. Durchschnittlich kamen 11% der Personenzüge (ohne Transilien) mit einer Verspätung von mindestens 6 Minuten in ihrem Terminal an, und die Verspätungsrate nahm in Spitzenzeiten zu.

Finanzielle Ergebnisse

Eisenbahnunternehmen erwirtschafteten 2015 einen Umsatz von 13,4 Mrd. Euro ohne Steuern, davon entfielen knapp zwei Drittel auf kommerzielle Einnahmen (8,3 Mrd. Euro, Ticketverkauf) und ein Drittel auf öffentliche Unterstützungen (5,1 Mrd. Euro). Für den Zugang zum Netz und zu den Bahnhöfen bezahlten sie 31% dieser Beträge an SNCF Réseau und Gares & Connexions. Für die Hochgeschwindigkeitszüge im Inland hat SNCF Mobilités 2015 1,7 Mrd. Euro an Mautgebühren gezahlt, was 38% der Einnahmen des TGV entspricht. Die öffentlicher Förderungen machen etwa ein Drittel der Einnahmen der Intercitéss und fast drei Viertel der Einnahmen der TER aus. In der Ile-de-France führte die De-Zonierung der Navigo-Karte 2016 zu einem Rückgang der kommerziellen Einnahmen von Transilien um 21%, der durch eine Erhöhung der öffentlichen Mittel von 62% auf 70% zwischen 2015 und 2016 ausgeglichen wurde. Insgesamt sank der kommerzielle Umsatz pro Passagier zwischen 2015 und 2016 auf 7,8 Euro pro 100 km TER und Intercités (-3,2 %) ohne MwSt. In den inländischen TGV-Diensten (einschließlich Ouigo und iDTGV) lagen die Einnahmen pro 100 km im Jahr 2016 bei durchschnittlich 9,6 Euro ohne MwSt. und damit um 2,4 % unter dem Vorjahreswert.

Die Regionen zahlen 75% der Einnahmen des TER

Im Jahr 2016 sanken das Angebot und die Nutzung beim TER um fast 3%, die kommerziellen Erlöse fielen dabei um mehr als 5 % zurück, was auf die Erosion des Anteils der nicht abonnierenden Reisenden zurückzuführen ist. Die durchschnittliche Auslastung des Transiliens liegt bei 26%. Für jeden Kilometer, der 2016 mit einem TER oder Transilien zurückgelegt wurde, zahlt der Fahrgast durchschnittlich 6,5 Cent pro Kilometer exkl. MwSt. und die Region zahlt SNCF Mobilités den Rest, d. h. 17,7 Cent als Ausgleich des öffentlichen Dienstes. Die Region zahlt der SNCF Réseau 5,6 Cent für die Netzzugangsgebühr. Im Jahr 2016 stammen 75% der Einnahmen der TER aus der regionalen Finanzhilfe, wobei die Unterschiede zwischen den Regionen (von 65% im Elsass bis 90% im Limousin) unterschiedlich sind. Für die Transilien beträgt dieser Anteil 70% (62% im Jahr 2015).

WKZ, Quelle Arafer

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Letzte Änderung am Donnerstag, 16 November 2017 22:21

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