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Mittwoch, 21 Oktober 2020 10:46

Finnland: Weichenüberwachung in Echtzeit im Pilotprojekt erfolgreich

fleetcare
Foto VR Group.

Reibungsloser Zugverkehr wäre ohne Weichen nicht denkbar. Defekte Weichen verursachen Betriebsstörungen und ihre Instandhaltung hat einen bedeutenden Anteil an den Gesamtwartungskosten des Schienennetzes. Aus diesem Grund wurde in Finnland ein neues IdD-System entwickelt, das den Zustand der Weichenstellmotoren in Echtzeit erfasst und auswertet.

Die Testphase des gemeinsamen Pilotprojekts der für die Entwicklung des Eisenbahnverkehrs zuständigen Behörde Väylävirasto (Eigentümer der staatlichen Schieneninfrastruktur) und der Wartungsgesellschaft der finnischen Staatsbahnen, VR Fleet Care, wurde erfolgreich abgeschlossen und die Ergebnisse sind vielversprechend. 

Die sieben von VR FleetCare an den Stellwerken der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Finnlands installierten Messstationen überwachten die Funktion von insgesamt 80 Weichen. Die Grundidee des Systems liegt darin, den Wartungsbedarf zu signalisieren, bevor die Weiche Anzeichen einer Funktionsstörung zeigt.

Im Laufe des Pilotprojekts wurden über 300 000 Weichenstellvorgänge gemessen, und die zu analysierende Datenmenge war enorm. 

„So systematisch wurde die Funktion von Weichen in Finnland noch nie überwacht“, betont Marko Lehtosaari, Sachverständiger für die Instandhaltung des Schienennetzes. „Wir stehen also erst am Anfang der Entwicklung. In der Pilotphase wurden die Messdaten bereits ausführlich analysiert und vielseitige Beobachtungen konnten gemacht werden, auch wenn die Testphase relativ kurz für ein Unterfangen dieser Größenordnung war und daher geht die Arbeit weiter.” Lehtosaari fährt fort: „Insgesamt war das Pilotprojekt ein voller Erfolg. Die Zusammenarbeit zwischen Väylävirasto und VR FleetCare verlief reibungslos und für die Aufgaben, die sich uns stellten, wurden gemeinsam und konstruktiv flexible Lösungen gefunden.”

Sami Saloheimo, Experte für Digitaldienste bei VR FleetCare, erklärt: „Seitens VR FleetCare sind wir stolz auf die Ergebnisse des Pilotprojekts und das aus ihm hervorgegangene Überwachungssystem. ist. Das System hat sich als nützlich erwiesen und zeigt die Funktion der Weichen transparenter als je zuvor. Die Entwicklungsarbeit erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden, wodurch wir das System und seine Benutzerschnittstelle direkt auf die Bedürfnisse von Anlagenverantwortlichen und Betriebspersonal zuschneiden konnten. Die Implementierung ist einfach und die ersten Ergebnisse sind schon bald zu erwarten.”

Präventive Instandhaltung 

Bisher basiert die Instandhaltung der Weichen auf turnusgemäßen Wartungen und der Reaktion auf akuten Bedarf. Mit dem neuentwickelten System lassen sich die Maßnahmen optimieren und Störungen im Vorfeld vermeiden. Zudem beschleunigt Echtzeitmessung im Störungsfall die Diagnose und Behebung des Problems. Das System ist für eine Schienenumgebung ausgelegt, in der zahlreiche Stellmotoren zentral gesteuert werden, etwa über ein Stellwerk. 

„Durch die Zustandsüberwachung lässt sich die Betriebsbereitschaft der kritischen Anlagen verbessern. Umfangreichere Daten zu Fehlerursachen ermöglichen uns gezieltere Wartungsmaßnahmen und idealerweise eine so frühzeitige Erkennung von beginnenden Funktionsschwächen, dass Anlagendefekte und dadurch verursachte Verkehrsstörungen von vorn herein verhindert werden können”, erklärt Lehtosaari. „Und wenn es trotzdem einmal zu einem Weichendefekt kommt, helfen uns die im Vorfeld erhaltenen Echtzeit-Funktionsdaten dabei, Störungen schneller zu beheben.”

Nutzen für den gesamten Schienenverkehrssektor 

Von der Zustandsüberwachung der Weichen und Prävention von Störungen profitieren sowohl Schienennetzeigentümer als auch Wartungsgesellschaften und Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die Instandhaltung der Weichen auf Grundlage ihres tatsächlichen Zustands erhöht die Funktionssicherheit, beschleunigt die Störungsbehebung und verbessert die Pünktlichkeit der Züge. Zudem erleichtert der transparentere Einblick in das Innenleben der Weichen Instandhaltungsbetrieben die Wartungs- und Eigentümern die Investitionsplanung. Ganz zu schweigen von mehr Sicherheit im täglichen Zugverkehr.  

Mikko Alanko, Leiter des Bereichs SmartCare bei VR FleetCare, kommentiert: „Den Anstoß lieferten unsere Experten mit dem Vorschlag, ein System zur Überwachung der Stellwerkfunktionen zu entwickeln, da ihre Untersuchungen ergeben hatten, dass hierdurch die Zuverlässigkeit der Weichen erhöht werden könnte. Die Ergebnisse des Pilotprojekts sind so positiv, dass wir davon überzeugt sind, dass auch Eisenbahninfrastrukturunternehmen außerhalb Finnlands von unserem Konzept profitieren können. Wir haben daher vor, dieses System als Teil unseres Serviceangebots auch auf dem globalen Schienenverkehrsmarkt anzubieten. Es ist problemlos skalierbar, äußerst kosteneffizient und erfordert weder Montagearbeiten an den Gleisanlagen noch Unterbrechungen des Zugverkehrs. Wir sind uns sicher, dass unser Service die beste und wettbewerbsfähige Lösung auf diesem neuen Markt darstellt!”

Pressemeldung VR Group

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