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Dienstag, 27 Oktober 2020 09:00

Großbritannien: Fahrerloser Betrieb der Londoner U-Bahn würde keine Einsparung, sondern enorme Mehrkosten bedeuten

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Fotos TfL.

In einer Reaktion auf die Androhung des Londoner Oberbürgermeisters Sadiq Khan den U-Bahn-Betrieb einstellen zu müssen, falls Transport for London (TfL) nicht eine ausreichende Unterstützung der Regierung erhalten würde, hatte der britische Premierminister Boris Johnson vor drei Monaten von TfL gefordert, die Londoner "Tube" auf fahrerlosen Betrieb umzurüsten, um Kosten zu sparen.

Nachdem sowohl die Loksführergewerkschaft ASLEF wie auch die Verkehrsgewerkschaft RMT diese Forderung schon damals als "gefährlichen Blödsinn" kritisiert hatten, gelangte jetzt ein interner Bericht von TfL an die Öffentlichkeit, dass die Umstellung auf fahrerlosen, automatischen Betrieb keinerlei Kosteneinsparung bringen sondern zusätzliche Kosten von rund 7 Mrd. GBP (ca. 7,75 Mrd. EUR) für die U-Bahn bedeuten würden. Der bereits im August erstellte, 26 Seiten umfassende Bericht erläutert die zusätzlichen Kosten für die Umstellung des U-Bahn-Betriebs einschliesslich einer Umrüstung der Züge sowie zusätzlicher Sicherungsanlagen.

Der Generalsekretär von ASLEF, Mick Whelan, erklärte: "Wir wissen, dass die Fahrgäste keine fahrerlosen Züge wollen. Wenn sie gefragt werden, antworten sie immer mit einem deutlichen 'Nein!' Und jetzt wissen wir, dass dies auch wirtschaftlich nicht machbar ist."

Der für die Londoner U-Bahn zuständige Vertreter von ASLEF, Finn Brennan, ergänzte: "Aus den durchgesickerten Dokumenten von Transport für London geht hervor, dass es zusätzlich zu dem Geld, welches für den Ausbau bestehender Strecken benötigt wird, weitere 7 Mrd. GBP kosten würde, die U-Bahnen 'fahrerlos' zu machen, so dass TfL zu dem Schluss gekommen ist, dass es keinen wirtschaftlichen Grund für ein solches Vorgehen gibt. Tatsächlich würden die Kosten der Umrüstung die derzeitige Finanzkrise von TfL und deren langfristigen Finanzierungsprobleme nur noch viel schlimmer machen. Premierminister Boris Johnson hat erklärt, dass die Einführung fahrerloser Züge eine Bedingung für die Finanzierung von TfL sein sollte. Diese Dokumente zeigen jedoch nicht nur, dass es dafür keinen wirtschaftlichen Grund gibt, sondern dass dies die finanzielle Lage von TfL sogar erheblich verschlechtern würde."

Der jetzt bekannt gewordene Bericht verschließt somit den Weg zu einer der Forderungen der Regierung im Gegenzug für die langfristige Finanzierung von TfL.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Quellen ASLEF, BBC, Independent, RMT (auf Twitter)

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Letzte Änderung am Montag, 26 Oktober 2020 19:05

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