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Montag, 30 November 2020 07:10

Großbritannien: Schmalspurbahnen in Wales kämpfen ums Überleben

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Fotos Markus Trienke/cc-by-sa-2.0.

Durch die idyllische Landschaft von Wales fahren seit Jahren liebevoll gepflegte Züge auf elf erhaltenen bzw. wiederhergestellten Schmalspurstrecken. Doch wegen der andauernden Beschränkungen durch den Coronavirus, droht einigen von ihnen jetzt die völlige Einstellung des Museumsbetriebes.

Während bisher jährlich etwa eine Million Besucher zu diesen Bahnen gekommen waren und sie zu einer tragenden Säule des Tourismus in Wales gemacht hatten, ist der Besucherstrom in diesem Jahr nahezu versiegt. Obwohl die walisische Regierung die Museumsbahnen mit über 700.000 GBP (ca. 790.000 EUR) Zuschüssen unterstützt hat, reicht den meisten Bahnen das Geld nicht mehr, um den Betrieb fortzuführen.

Eigentlich wäre jetzt eine Hochsaison für die Museumsbahnen, die besonders in der Vorweihnachtszeit stets ausgebucht waren. Doch wegen der Corona-bedingten Einschränkungen können nur zwei der elf Bahnen im Dezember Sonderzüge anbieten. Die meisten Museumsbahnen habe ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und versuchen, sich durch drastische Kostenreduzierung bis in das nächste Jahr zu retten.

Bei der Ffestiniog Railway - der ersten Schmalspurbahn der Welt zur Personenbeförderung - und ihrer Schwester, der Welsh Highland Railway, sind die Einnahmen von früher 6 Mio. GBP auf unter 1 Mio. GBP eingebrochen, da die Besucherzahlen von 220.00 auf 30.000 im gesamten Jahr gefallen sind. Diese beiden Gesellschaften, die größten der walisischen Museumsbahnen, mussten in der vergangenen Woche für 97 ihrer Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen und werden wahrscheinlich im Dezember keine Züge einsetzen können.

"Wir können zwar Kosten sparen, doch wir brauchen Mittel in Höhe von 2 Mio. GBP, um am Ball zu bleiben und hoffentlich zu Ostern 2021 wieder beginnen können," erklärte Paul Lewin, der Chef von Ffestiniog & Welsh Highland Railway. Neidisch sieht er nach England, wo die großen Museumsbahnen deutlich höhere Finanzhilfen erhalten haben, so fast 2 Mio. GBP für die North Yorkshire Railway und 900.000 GBP für die Severn Valley Railway. "Wir benötigen allein 200.000 GBP pro Monat, um den obligatorischen Unterhalt der Fahrzeuge beizubehalten," ergänzte Herr Lewin. Mit den insgesamt nur 700.000 GBP für alle walisischen Bahnen zusammen, ist das nicht möglich. Selbst Spenden von Privatpersonen, wie sie die Ffestiniog & Welsh Highland Railway in diesem Jahr in Höhe von über 550.000 GBP erhalten hat, helfen dabei nicht aus der prekären Situation.

"Die Ffestiniog Railway ist ein echter Überlebenskünstler und sieht noch aus wie vor 150 Jahren. Dies ist ein lebendiges Stück walisischen Kulturerbes, das wir für die Nation bewahren, nicht durch Zuschüsse, sondern indem wir uns als Touristenattraktion selbst finanzieren," betonte abschließend Paul Lewin. Er ist zuversichtlich, dass seine Bahnen auch im nächsten Jahr wieder fahren werden. Doch ob die übrigen Museumsbahnen in Wales das ebenfalls schaffen, ist derzeit sehr fraglich.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Quellen BBC, Great Little Trains of Wales, Ffestiniog & Welsh Highland, Talyllyn Railway

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Letzte Änderung am Montag, 30 November 2020 10:41

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