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Freitag, 11 Dezember 2020 16:39

Österreich: Europa Nostra nimmt die Achenseebahn in die Vorauswahl der "7 meistgefährdete Stätten des Kulturerbes Europas für 2021"

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Fotos GK, Gunter Mackinger.

Nun wurde die aktuelle Entwicklung der Achenseebahn um eine Facette reicher: Europa Nostra hat sie in die Vorauswahl des Programms der "7 meistgefährdeten Stätten des Kulturerbes Europas für 2021"  aufgenommen.

Europa Nostra ist ein 1963 gegründeter europäischer Denkmalschutz-Verbund mit Sitz in Den Haag. Er vertritt die Interessen von mehr als 400 Nichtregierungsorganisationen und Privatpersonen aus 45 Ländern gegenüber der Europäischen Union, dem Europarat und der UNESCO.

Europa Nostra anerkennt die historische Bedeutung der Achenseebahn als Ganzes; im Gegensatz zum österreichischen Bundesdenkmalamt, das lediglich beabsichtigt, Teile - eine Lok, ein Personen- und ein Güterwagen, den Zahnstangenteil der Strecke usw. -  unter Schutz zu stellen, wo doch schon die längst vorliegenden internationalen Gutachten den Wert der Bahn als integer erhaltene Anlage und technisches Ensemble betonen, die bis heute auch noch authentisch betrieben wird.

Und ganz abgesehen davon, wäre die Bahn ohne diese Teile nicht mehr funktions- und lebensfähig. Bitte lesen Sie nachfolgend die offizielle Stellungnahme von Europa Nostra:

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Europa Nostra – die europäische Stimme der Zivilgesellschaft für den Schutz und die Förderung des Kultur- und Naturerbes sowie seine Partnerorganisation, das Institut der europäischen Investitionsbank, haben  am 10.12.2020 jene 12 Kulturdenkmäler in Europa bekanntgegeben, aus denen dann die Kulturdenkmäler für das Programm der “7 Meistgefährdeten” 2021 ausgewählt werden.

• Achensee Steam Cog Railway, Tyrol, AUSTRIA
• Modern Theatre, Sofia, BULGARIA
• Cemetery Complex of Mirogoj, Zagreb, CROATIA
• Church of Saint-Denis, Hauts-de-France, FRANCE
• Narikala Fortress, Tbilisi, GEORGIA
• Green Belt System, Cologne, GERMANY
• Five Southern Aegean Islands, GREECE
• The Giusti Garden, Verona, ITALY
• The Ca’ Zenobio Palace, Venice, ITALY
• Dečani Monastery, KOSOVO* [i]
• Central Post Office in Skopje, NORTH MACEDONIA
• San Juan de Socueva Chapel and Hermitage, Cantabria, SPAIN

Die getroffene Auswahl basiert auf der herausragenden Bedeutung und dem kulturellen Wert jedes der nominierten Denkmäler sowie auf deren Gefährdung. Das Engagement der Lokalbevölkerung, wie auch der Einsatz von privaten wie öffentlichen Akteuren zur Rettung dieser Kulturdenkmäler wurden ebenfalls als bestimmende Faktoren miteinbezogen. Ein weiteres Auswahlkriterium war das Potenzial dieser Kulturgüter, als Katalysator für die nachhaltige sozio-ökonomische Entwicklung, sowohl lokal als auch regional, zu wirken.

Die 12 gefährdeten Kulturdenkmäler wurden durch ein internationales Beratungsgremium, bestehend aus ExpertInnenen in den Fachgebieten Geschichte, Archäologie, Architektur, Konservierung, Finanzen und Projektanalyse, nominiert. Die tatsächliche Auswahl der “7 meistgefährdeten Kulturdenkmäler Europas für 2021” wird im März bekannt gegeben.

Die Achenseebahn ist eine dampfbetriebene Zahnradbahn, die Jenbach mit dem Achensee in Tirol verbindet. Die schmalspurige Achenseebahn, die seit über 130 Jahren im Einsatz steht, ist ein authentisches Beispiel für die europäische Industriegeschichte; es besteht jedoch die Gefahr, dass sie verloren geht – da sie auch nicht unter nationalem Denkmalschutz steht.

Andere ähnliche europäische Eisenbahnen, die dasselbe System verwendeten, wurden wegen nicht durchgeführter Modernisierung und Überalterung der Technologie geschlossen oder abgerissen. Die Achenseebahn ist die einzige öffentliche Eisenbahn der Welt, die seit ihrer Eröffnung im Jahr 1889 die gesamte Ausrüstung eines Eisenbahnsystems aus dem späten 19. Jahrhundert nutzt. Dessen Elemente sind Dampflokomotiven, Personenwagen, ein Lokschuppen mit Schiebebühne, Werkstatt, Gleise, Bahndämme und Brücken. Die Konzessionsurkunde für die Errichtung der Eisenbahn wurde vom österreichischen Kaiser Franz Josef I. unterzeichnet.

Im Frühjahr 2020 ging die Achenseebahn Aktiengesellschaft in Konkurs. Die meisten von der Tiroler Landesregierung versprochenen Subventionen wurden nie ausgezahlt. Diese einzigartige Infrastruktur kann aufgrund mangelnder Wartung schnell kaputt gehen und ihre ursprüngliche und stets ausgeübte Funktion nicht mehr erfüllen.

Das Internationale Komitee zur Erhaltung des industriellen Erbes (TICCIH) und der Internationale Rat für Denkmäler und Stätten (ICOMOS) unterstützten die Kampagne zur Erhaltung der Achenseebahn, an der lokale Verbände und Freiwillige beteiligt sind. ICOMOS Austria nominierte mit Unterstützung von TICCIH Austria die Achenseebahn für das Programm der 7 am stärksten gefährdeten Kulturdenkmäler 2021.

Das Beratungsgremium des Programms der 7 am stärksten gefährdeten Kulturdenkmäler hat erklärt:„ Die sorgfältige Wartung und Bemühung in den letzten 131 Jahren, das gesamte technische Ensemble in einem einwandfreien Erhaltungszustand zu halten, trägt wesentlich zu seiner Authentizität bei und macht es zu einer der wichtigsten Touristenattraktionen im Land Tirol. Jedoch: das Überleben der Achenseebahn ist derzeit in Gefahr. Die dringend benötigten Investitionen für die Instandhaltung der Eisenbahnstrecke, deren Finanzierung die lokale Landesregierung bereits zugestimmt hatte, blieben aus, und der reguläre Zugverkehr musste eingestellt werden. Wir hoffen, dass mögliche Neuverhandlungen der Finanzierungsprobleme Früchte tragen können. Die öffentliche Unterstützung für die Rettung der Eisenbahn wächst nicht nur durch die Aktivitäten des Achenseebahn-Fördervereins, sondern auch durch die begeisterten Enthusiasten, die die Strecke mit großem Engagement betreiben.“

Der Exekutivpräsident von Europa Nostra, Prof. Dr. Hermann Parzinger, erklärte: „In einer Zeit einer bedrückenden globalen Krise stehen wir in voller Solidarität mit den lokalen Gemeinden in ganz Europa, die die unermüdlichen Verwalter unserer am stärksten gefährdeten Kulturgüter sind. Wir stehen in Solidarität und wir bleiben auch aktiv. Sie können sich darauf verlassen, dass Europa Nostra und unser breites Netzwerk von Mitgliedern und Partnern unsere Stimmen zur Verteidigung dieser 12 Stätten Kulturerbes erheben, die für immer verloren gehen könnten. Von einzigartigen Naturlandschaften über Stätten religiöser Bedeutung bis hin zu architektonischen Juwelen der Moderne verkörpern diese bemerkenswerten Stätten unsere gemeinsame Geschichte und sind eine unerschlossene Quelle der Entwicklung und des Wohlbefindens für die beteiligten Regionen und Länder sowie für Europa insgesamt. Lassen Sie uns in einer Zeit, in der es am dringendsten benötigt wird, zusammenarbeiten, um unser kulturelles Erbe zu bewahren und es dort zu platzieren, wo es hingehört: im Herzen der Bemühungen zur Erholung nach der Pandemie in Europa. “

Der Dekan des Instituts der Europäischen Investitionsbank, Francisco de Paula Coelho, sagte: „Diese Auswahlliste ist eine wichtige Erinnerung daran, dass unser kulturelles Erbe fragil ist und nicht als selbstverständlich angesehen werden sollte. Mit dieser Auswahlliste möchten wir gemeinsam die Bemühungen lokaler Gemeinden unterstützen und verstärken, die in ganz Europa von dem immensen und vielfältigen Wert unseres kulturellen Erbes überzeugt sind. Um unser gemeinsames kulturelles Erbe als Motor einer nachhaltigen Entwicklung voll auszuschöpfen, müssen wir die Erhaltung des Bestandes als ersten und dringendsten Schritt sicherstellen. “

Das „7 Meistgefährdete“ Programm wird von Europa Nostra in Zusammenarbeit mit dem Imstitut der Europäischen Investitionsbank (EIB-I) durchgeführt. Es wird auch vom Creative Europe-Programm der Europäischen Union unterstützt. Dieses 2013 gestartete Programm ist Teil einer zivilgesellschaftlichen Kampagne zur Rettung des gefährdeten europäischen Erbes. Es sensibilisiert, bereitet unabhängige Bewertungen vor und schlägt Handlungsempfehlungen vor. Obwohl keine direkte Finanzierung bereitgestellt wird, dient die Nominierung eines gefährdeten Standorts häufig als Katalysator und Anreiz für die Mobilisierung der erforderlichen öffentlichen oder privaten Unterstützung, einschließlich der Finanzierung.

Für die Ausgabe 2021 erhalten die ausgewählten 7 meistgefährdeten Stätten des Kulturerbes zum ersten Mal seit Beginn des Programms einen EIB-Kulturerbezuschuss von bis zu 10.000 EUR pro Stätte. Der EIB Heritage Grant kann den in Frage kommenden „7 Meistegefährdeten“ gewährt werden, um die Umsetzung einer vereinbarten Aktivität zu unterstützen, die zur Rettung des bedrohten Kulturerbes beiträgt.

Nominierungen für das 7 meistgefährdete Programm 2021 wurden von Mitgliedsorganisationen, assoziierten Organisationen und einzelnen Mitgliedern von Europa Nostra aus ganz Europa sowie von Mitgliedern der European Heritage Alliance eingereicht.

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Prof. Mag. Herbert Klein, ICOMOS Austria, icomos.at 

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