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Montag, 04 Januar 2021 08:00

Großbritannien: ULRP entwickeln den BioUltra-Zug, der mit organischen Abfällen angetrieben wird

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Fotos Ultra Light Rail Partners.

Züge, die mit Abfällen und weggeworfenen Lebensmitteln angetrieben werden, sollen zum ersten Mal auf Großbritanniens Schienen fahren, um die schmutzigen Dieselmotoren abzuschaffen. Ein "BioUltra"-Zug in voller Größe, der 120 Passagiere befördern kann, wird als Teil der von der Regierung unterstützten Vorschläge zur Reduzierung von Luftverschmutzung und Treibhausgasemissionen entwickelt.

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Der leichte, kostengünstige Zug wird mit Biomethan - einem erneuerbaren Gas, das aus organischen Abfällen hergestellt wird - in Kombination mit einem Batteriepack betrieben. Er wird auf konventionellen Strecken fahren, aber aufgrund des leichten Rahmens weniger Schäden an den Gleisen verursachen, was die Wartungskosten senkt. Die Technologie könnte auch bei einigen bestehenden Dieselzügen nachgerüstet werden.

Die Konstrukteure bestanden darauf, dass der Zug, der in den nächsten 18 Monaten entwickelt wird, die Wiedereröffnung einiger der 5.000 Meilen an Eisenbahnstrecken, die als Teil der Beeching-Kürzungen in den 1960er und 1970er Jahren geschlossen wurden, rentabler machen könnte. Viele kleine Nebenstrecken sind auf Dieselzüge angewiesen, da die Kosten für die Elektrifizierung der Strecken zu hoch sind. Die Elektrifizierung war in der Vergangenheit enorm teuer, und vor drei Jahren gab die Regierung Pläne zur Umrüstung von Strecken in Südwales, den East Midlands und dem Lake District aus Kostengründen auf.

In Grossbritannien sind nur 38 Prozent des Bahnnetzes elektrifiziert, weit weniger als in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland.

Ziel der Regierung ist es, Dieselzüge bis 2040 aus dem Schienennetz zu verbannen, aber es werden alternative grüne Technologien benötigt, um Züge auf Strecken anzutreiben, die wahrscheinlich niemals elektrifiziert werden können. Es wurden bereits Pläne für wasserstoff- und batteriebetriebene Züge ausgearbeitet.

Der BioUltra-Zug wird von Ultra Light Rail Partners entwickelt, einer Gruppe von Experten aus der Bahnindustrie und der Birmingham City University. Die Gruppe hat einen 10 m langen, 12 t schweren "Mini-Zug" entwickelt, der bis zu 60 Personen befördern kann. Die Gruppe hat von der staatlichen Agentur Innovate UK einen Zuschuss in Höhe von 60.000 GBP (67.600 EUR) für eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung einer Vollversion erhalten. Der neue Triebwagen wird 20 m lang sein und Platz für 62 stehende und 58 sitzende Fahrgäste bieten. Er wird aus rostfreiem Stahl gebaut und wiegt ohne Fahrgäste 20 t, weniger als die Hälfte eines herkömmlichen Dieseltriebwagens.

Angetrieben wird er mit lokal produziertem Biomethan, das aus den Abfällen von Menschen, Schweinen, Geflügel und Kühen sowie Pflanzen und weggeworfenen Lebensmitteln gewonnen wird. Es produziert kein Stickstoffdioxid und führt zu einer Netto-Reduktion von Kohlendioxid in der Atmosphäre.

Die Biomethan-Tanks unter der Mitte des Triebwagens treiben zwei 0,9-Liter-Motoren - jeder kleiner als der eines typischen Autos - an beiden Enden an.

Der Zug wird fast geräuschlos sein und etwa dreimal so effizient wie Dieselzug. Er wird eine Höchstgeschwindigkeit von 50 mph (80 km/h) und eine Reichweite von 2.000 Meilen (2.250 km) mit einer Tankfüllung haben, was ihn für Pendlerstrecken in und um Städte geeignet macht.

Das Fahrzeug ähnelt dem Parry People Mover (Class 139) und hat somit einen schlechteren Fahrkomfort als ein Pacer. Es ist ein Nischenprodukt für Kurzstrecken - so wie die Class 139 bereits auf der Strecke nach Stourbridge fährt. Für längere Strecken im Regionalverkehr ist der Zug aber weniger geeignet; also kein "Retter der Nebenbahnen".

Zu den weiteren Innovationen gehört die Installation einer neuen Technologie, die das Risiko der Verbreitung des neuartigen Coronavirus im Waggon verringert. Die in die Kabine eintretende Frischluft wird mit ultraviolettem Licht dekontaminiert. Der Zug verwendet außerdem Kupferbefestigungen an Berührungspunkten, um Spuren der Infektion zu minimieren, und verwendet eine interne Kunststoffabschirmung.

Ein zweiter Zuschuss in Höhe von ca. 3 Mio. GBP (3,4 Mio. EUR)  wird beantragt, um mit dem Bau in den West Midlands zu beginnen und Tests in Long Marston, Warwickshire, durchzuführen.

Beverley Nielsen, Projektleiterin bei BioUltra, sagte: "Wir wollen diese Option größeren und kleineren Städten in ganz Großbritannien anbieten, damit sie umweltschädliche Fahrzeuge realistisch aus ihren Stadt- und Ortszentren entfernen können und so die Lebensqualität für alle verbessern."

Paddy Fawcett, Direktor von Invizio, dem mit dem Projekt beauftragten Ingenieurbüro, sagte, er sehe das Projekt "als Katalysator für eine ganz neue Art von umweltfreundlichen, ultraleichten Fahrzeugen".

WKZ, Rüdiger Lüders, Quelle The Times

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Letzte Änderung am Montag, 04 Januar 2021 18:09

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