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Dienstag, 19 Januar 2021 09:00

Tschechien: Region Ústí nad Labem plant massive Verkehrseinschränkungen

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Fotos Martin Kubík.

Die Region Ústí nad Labem (Aussig) plant, die Anzahl der öffentlich beauftragten Verkehre per Bahn und Bus ab Juli 2021 um bis zu ein Fünftel zu reduzieren. Die eingesparten Finanzmittel werden weitaus geringer sein und den Zusammenhalt des gesamten öffentlichen Verkehrssystems in der Region Ústí nad Labem beeinträchtigen.

Der erwartete Ausfall der Steuereinnahmen wird nach Angaben der Verkehrszeitschrift ZDopravy höchstwahrscheinlich zu einer dauerhafteren Reduzierung der Bus- und Zugverbindungen in der ganzen Region führen. Im Haushaltsentwurf für dieses Jahr bereitet die Region Ústí nad Labem Kürzungen im Bereich des öffentlichen Verkehrs in Höhe von 220 Mio. CZK (8,4 Mio. EUR) vor, was etwa einem Zehntel des Gesamtjahresbudgets entspricht. Die Kürzungen sollen ab Juli erfolgen, es handelt sich also praktisch um eine Kürzung um ein Fünftel in der zweiten Jahreshälfte.

Der Haushaltsentwurf soll nächste Woche vom Regionalrat verabschiedet werden. Die Kürzungen im Verkehrsbereich befinden sich in einem separaten Anhang. Während die Abteilung für Verkehr und Straßenverwaltung der Region Ústí im letzten Jahr ein Budget von 3,156 Mrd CZK (120 Mio. EUR) hatte, schlägt die Region in diesem Jahr einen Betrag von 2,748 Mrd. CZK (110 Mio. EUR) vor. Grund sind massive Steuereinschränkungen.

Der Haushaltsentwurf sieht eine Reduzierung der jählichen Finanzen für öffentliche Verkehrsmittel um zehn Prozent vor. Diese Einschränkung soll jedoch erst im Juli erfolgen, so dass die Leistung in den verbleibenden sechs Monaten um ein Fünftel gekürzt wird. Die Region geht davon aus, dass eine solche Einschränkung 6,5 Prozent des ÖPNV-Budgets einsparen wird. Die größten Kürzungen gibt es beim Busverkehr: um -12,9% ab Juli von ursprünglich 855,8 Mio. CZK/33 Mio. EUR auf 745,2 Mio. CZK/28 Mio. EUR. Bei der Bahn wird es Kürzungen um ein Zehntel von 1,014 Mrd. CZK/39 Mio. EUR auf 912,6 Mio. CZK/35 Mio. EUR geben.

Der ehemalige stellvertretende Gouverneur für Verkehr, Jaroslav Komínek (KSČM), warnt, dass die Kürzung des Geldes noch größere Einschnitte in der Verkehrsleistung bringen wird. Mit anderen Worten: Zehn Prozent des eingesparten Geldes können eine wesentlich größere prozentuale Reduzierung der Verbindungen bedeuten. "Es wird notwendig sein, sich mit den Transportunternehmen auf eine Änderung der Verträge zu einigen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass, wenn zum Beispiel auf einer Tour mit 20 Verbindungen fünf gestrichen werden, der Betreiber immer noch den Arbeitslohn oder die Fixkosten für den Bus bezahlen muss. In der Tat wird nur Diesel gespart werden ", sagt Komínek.

Außerdem gerät die Region mit den Fahrplankürzungen in einen Teufelskreis: Je größer die Einschränkungen sind, desto unattraktiver wird der ÖPNV für die Menschen und desto mehr werden Autos fahren. Das bedeutet Umsatzeinbußen und eine weitere Verschärfung der Verluste des öffentlichen Verkehrs. Darauf weisen Beamte des Verkehrsministeriums hin. "Der ökonomische Effekt einer so großen Reduktion ist in der Tat fragwürdig, und wir können die gesellschaftlichen Auswirkungen der nicht genehmigten Fahrten zur Arbeit und zur Schule für einzelne Einwohner nicht mit dieser theoretischen Einsparung vergleichen. Bei 10% Rückgang der Leistung sparen wir nur etwa 6,5% der Finanzen und das Jahr 2021 endet für die Region mit um 20% reduzierten Leistungen."

Martin Kubík, WKZ, Quelle ZDopravy

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