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Samstag, 14 November 2015 22:12

Frankreich: Mindestens zehn Tote bei Entgleisung eines TGV-Testzuges

Ein TGV-Versuchszug mit 49 Technikern und deren Familienangehörigen an Bord, darunter auch Kindern, entgleiste am Samstag, 14.11.15 bei Eckwersheim (Bas-Rhin) in der Nähe von Straßburg. Der hintere Teil des Zugs stürzte dabei in den Kanal Marne au Rhin, der in einer Kurve überquert wird. Es gab mindestens 11 Tote und 32 Verletzte, darunter 12 Schwerverletzte. Einige Menschen wurden noch vermisst.

tgv unfall
Grafik WKZ.

Als Unfallursache wurde in ersten Berichten eine "zu hohe Geschwindigkeit" vermutet, ein Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris besteht aber nicht. Der Staatssekretär für Verkehr, Alain Vidalies, Umweltministerin Ségolène Royal, SNCF-Chef Guillaume Pepy und Jacques Rapoport, Chef von SNCF Réseau, besuchten noch am Samstag Abend die Unglücksstelle.

Der Unfall ereignete sich etwa 12 km vor Strasbourg in einer Kurve der Einfädelung der noch nicht für den kommerziellen Verkehr freigegebenen 106 km langen LGV Est Européenne in das konventionelle Schienennetz. Die Strecke verläuft von Baudrecourt (Lorraine) nach Vendenheim nördlich von Strasbourg und soll im April 2016 in den kommerziellen Betrieb genommen werden. Seit September 2015 finden dort dynamische Testfahrten statt, bei denen nach und nach die Geschwindigkeit erhöht wird. Dabei wird mit Geschwindigkeiten von bis zu 352 km/h gefahren, 10% höher als die spätere Betriebsgeschwindigkeit von 320 km/h.

Der Unglückszug war der in besonderen Farben lackierte Alstom Euro Duplex 744. Techniker von Alstom waren nicht an Bord, die Testfahrten finden unter Führung der SNCF in Zusammenarbeit mit dem Engineering-Unternehmen Systra statt, einer Tochtergesellschaft aus SNCF und RATP. Eine erste interne Sicherheitsüberprüfung soll innerhalb von 48 bis 72 Stunden den ersten Bericht vorlegen und klären, ob menschliches oder technisches Versagen zum Unfall führte.

Auf einer Pressekonferenz am Nachmittag des 15.11.15 sagte Guillaume Pepy, dass solch ein Unfall nicht im kommerziellen Betrieb hätte passieren können. Die Geschwindigkeit des Zuges am Unfallort sei nicht bekannt und könne erst nach Auswertung der Black Box ermittelt werden.

Zu der Frage nach den Kindern an Bord sagte Guillaume Pepy, dies festzustellen, sei Aufgabe der Untersuchungskommission: "Dies ist keine Praxis der SNCF. Wir befinden uns nicht in einer Phase der Fahrten für den Tourismus oder für Freundeskreise. Ein Test der Bahn ist ein Test der Bahn."

Laut SNCF werden die Testfahrten vorerst ausgesetzt, bis die Unfallursache klar ist und die beschädigte Infrastruktur wieder hergestellt sei. Ob die Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke wie geplant am 03.04.2016 erfolgen könne, könne derzeit nicht gesagt werden.

Nach den ersten Angaben des stellvertretenden Staatsanwalts von Strasbourg, Alexandre Chevrier, hat der Motorwagen des Versuchs-TGV die Brücke über den Rhein-Marne-Kanal berührt und ist anschließend den Bahndamm hinuntergerutscht.

WKZ

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