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Samstag, 23 Januar 2021 12:00

Österreich: 125 Jahre "Oberndorferbahn" Salzburg - Oberndorf

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Fotos Sammlung Gunter Mackinger, Salzburg AG.

Als 1818 das erste Mal das "Stille-Nacht-Lied" in Oberndorf erklang, gab es von Salzburg aus noch keinen direkten Zugang durch das Weitwörther-Moor, aber die Glas-Industrie im Raum Bürmoos und Oberndorf benötigte einen guten Bahnanschluss.

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Fotos Salzburg AG, Sammlung Richard Fuchs.

Auf den Tag genau vor 125 Jahren fuhr die Lokalbahn zum ersten Mal von Salzburg nach Oberndorf. "Das Land investiert kräftig und baut die bedeutendste Schienenverbindung in den Nordwesten Salzburgs weiter aus", erklärte Landesrat Stefan Schnöll zum Geburtstag der heutigen S1 in Oberndorf. Gekommen ist er aufgrund des besonderen Anlasses mit der Nostalgiezug-Garnitur. Doch geschaut wird in die Zukunft.

Die Industriebetriebe für die Glasverarbeitung im Raum Bürmoos und Oberndorf benötigten dringend einen Bahnanschluss und daher war die Kapitalbeschaffung für den Bau der SETG-Nordstrecke kein Problem. Am 1. April 1895 erhielt die SETG die Konzession für den Bau. Oberndorf und auch nicht Lamprechtshausen sollten die Endpunkte sein. Man wollte damals schon die Durchbindung ins Mattigtal und bis Braunau. Unter dem Begriff "Weilhartbahnen" gab es über 100 Jahre, bis heute, Diskussionen um diese Durchbindung.

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Fotos Sammlung-Gunter-Mackinger.

Zur Betriebsaufnahme am 20. Jänner 1896 standen zwei zweiachsige Dampflokomotiven Nr. 7 "Oberndorf" und Nr. 8 "Bürmoos" zur Verfügung. Später kam die Lok 10 "Weitwörth" dazu. Die Brandgefahr der Dampfloks war der Grund für die ortsferne Bahntrasse im Bereich Anthering. Man fürchtete brennende Wohnhäuser. Damals war allerdings ein Fußweg von 15 bis 20 Minuten zum Bahnhof kein Problem.

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Fotos Rolf Bickelhaupt, Sammlung Richard Fuchs.

Als die Rote Elektrische mit modernen Überlandstraßenbahn-Triebwagen, heute würde man Regionalstadtbahn sagen, auf der Südlinie am 1. Juli 1909 den Betrieb aufnahm, war die Nordlinie, aufgrund des Güterverkehrs, noch die Domäne der Dampflokomotiven. Erst am 26. August 1923 begann der elektrische Betrieb zwischen Salzburg LB und "Maria Plain". Am 15. Mai 1927 erreichte die Rote Elektrische Bergheim. Satte 20 Jahre später kamen die elektrischen Züge am 4. Mai 1947 bis Anthering, am 16. November 1948 bis Oberndorf und letztendlich am 13. Jänner 1950 bis Lamprechtshausen. Diese Elektrifizierung fand also exakt vor 71 Jahren statt! Nachdem am 18. Mai 1952 die SAKOG-Bahn Bürmoos-Trimmelkam den Personenverkehr aufnahm, war die größte Ausdehnung der Roten Elektrischen erreicht, auch wenn damals schon Hangendenstein - Berchtesgaden fehlte!

Während man noch in den anfänglichen Fünfziger-Jahren moderne Vierachs-Triebwagen Reihe 30 beschaffte, zeichnete sich schon die nächste Katastrophe, in Person des Landeshauptmann Dr. Klaus ab, die Einstellung und Zerstörung der Südlokalbahnen durch die Stadt bis St. Leonhard. Mit der Einstellung der Südlinien der Roten Elektrischen am 31. Oktober 1953 verblieb die Rote Elektrische nur mehr auf der Nordlinie Salzburg – Oberndorf – Lamprechtshausen.

1982 versuchte der damalige Salzburger Bürgermeister Reschen die Lokalbahn den ÖBB nachzuwerfen, was den Tod der Bahn bedeutet hätte. Die "Aktionsgemeinschaft Rettet die Rote Elektrische" konnte das 1982 in einer Unterschriftenaktion mit 14.400 Unterschriften aus der Region verhindern. Heute ist diese Gruppe die älteste aktive Verkehrsinitiative für den Öffentlichen Verkehr in Österreich und nennt sich aktuell Verein "Die Rote Elektrische".

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Fotos Sammlung Richard Fuchs.

Mit der Inbetriebnahme der Stadtbahn-Gelenktriebwagen 1983 begann eine neue Ära der Roten Elektrischen, da in der Folge alle Brücken und der gesamte Gleis-Oberbau erneuert wurde. Spätestens zum Jubiläum Salzburger Lokalbahnen 1886-1986 gingen die Fahrgastzahlen durch die Decke, denn innerhalb von 10 Jahren haben sie sich mehr als verdoppelt. Nach der Eröffnung des unterirdischen Lokalbahnhofes 1996 und der Inbetriebnahme der letzten Tranche von vier Triebwagen 2001 wurde die Viermillionen-Grenze geknackt. Heute hat die Salzburger Lokalbahn rund 4,9 Millionen Fahrgäste pro Jahr bzw. rund 15.000 pro Tag.

Seit fast 40 Jahren wird die unterirdische Lokalbahnverlängerung diskutiert. Mittlerweile wurde dieses Projekt ein offizielles Ausbauprogramm vom Land Salzburg. Der Baubeginn ist 2023. Die Inbetriebnahme bis zur Station "Mirabell" ist für 2027 vorgesehen und 2027 oder 2028 bis "Hallein Hbf." Die Idee einer Neuen Königsseebahn wird bereits im Berchtesgadener Land diskutiert. Damit nimmt die "Vision" von durchgehenden Zügen von Lamprechtshausen bis Berchtesgaden und Königssee realistische Dimensionen an!

In die Stammstrecke zwischen Salzburg und Lamprechtshausen werden rund 3,8 Millionen Euro investiert, davon fließen rund 2,7 Millionen in Streckenertüchtigungen und der restliche Betrag in die vorbereitende Planung für den zweigleisigen Ausbau. Und dank eines neuen digitalen Sicherungssystems wird das Lokalbahnfahren in Zukunft sicherer und der Fahrplan stabiler. Kostenpunkt 2021 dafür: 9,1 Millionen Euro. Bis 2026 soll außerdem zwischen Bergheim und Anthering ein neues Betriebswerk mit eigenen Anschlussgleisen entstehen.

Bis 2026 stehen die Bahnhöfe Itzling, Bergheim, Bürmoos sowie die Modernisierung vieler Haltestellen auf der Sanierungsagenda. Vollkommen neu gestaltet wird in den kommenden beiden Jahren der Bahnhof Oberndorf. Bis 2022 entsteht ein neuer, barrierefreier Mittelbahnsteig mit erweiterten Park-and-Ride-Möglichkeiten sowie einer verbesserten Busanbindung. Die Strecke zwischen Oichtensiedlung bis Oberndorf wird in dieser Zeit von Grund auf saniert. "Mit diesen Investitionen sichern wir auch für die künftigen Jahrzehnte dieses umweltfreundliche Nahverkehrsmittel ab", so Landesrat Stefan Schnöll.

Die Salzburg AG betreibt die Lokalbahn. "Seit 125 Jahren ist die Strecke zwischen Salzburg und Oberndorf nicht nur für Pendlerinnen und Pendler eine beliebte Alternative zum Individualverkehr, sondern bietet auch hohen Komfort", weiß Asset-Managerin Gerlinde Hagler. Seit Oktober 2020 gibt es in allen Zügen gratis WLAN.

Salzburger Lokalbahn – bewegte Geschichte

• 1873: Die Stadt Salzburg plant eine Dampftramway zu den touristischen Zielen im Süden der Stadt.
• 1886: Die Salzburger Lokalbahn (SLB) wird gegründet. Sie fuhr auf der Strecke Hauptbahnhof – Nonntal – Hellbrunn – St. Leonhard bis zum Drachenloch. Diese Strecke wird 1907 bis Berchtesgaden und schließlich 1909 bis zum Königssee verlängert.
• 1893: Abzweigung zur Gaisbergbahn nach Parsch
• 1896: Ausbau der Strecke Richtung Norden in zwei Teilabschnitten: 20. Jänner: Salzburg Lokalbahnhof – Oberndorf, 16. Mai: Oberndorf – Lamprechtshausen
• bis 1950: schrittweise Elektrifizierung bis Lamprechtshausen

Einen ausführlichen Bericht mit weiteren Fotos finden Sie auf der Seite www.in-motion.me

Ein Video der Jubiläumsfahrt finden Sie auf der YouTube-Seite des Landes Salzburg.

Richard Fuchs, Teile aus der Pressemeldung des Landes Salzburg

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Letzte Änderung am Samstag, 23 Januar 2021 14:01

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