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Dienstag, 02 Februar 2021 09:30

Griechenland: Autobahnbau setzt Eisenbahn unter Druck

Eigentlich ist die Eröffnung eines Autobahnabschnitts kein Grund für eine Meldung im Lok-Report. Im Fall Griechenlands zeigt diese jedoch ein wesentliches Problem der Bahn. Am vergangenen Wochenende wurde nach Abschluss globaler Verträge im Jahr 2007 der Autobahnabschnitt Xiniada-Trikala der E-65 von Ministerpräsident Mitsotakis eröffnet, in drei Jahren soll das gesamte Vorhaben einer Autobahn von Südost nach Nordwest auf dem griechischen Festland (und mehr) abgeschlossen sein.

Parallel zum neuen Abschnitt verläuft die vor etwa 20 Jahren umgespurte Thessalische Bahn mit maximal fünf Zugpaaren am Tag und ohne nennenswerten Güterverkehr. Eine Weiterführung Richtung Grevena - Kozani (entsprechend dem Restabschnitt der Autobahn) wurde vor knapp 100 Jahren begonnen, aber nie vollendet. Wenn man bedenkt, dass es innerhalb von 30 Jahren nicht möglich war die neue Peloponnesbahn durch die drittgrößte Agglomeration Griechenlands (Patras, ca 10 km Länge) zu planen, geschweige denn zu bauen, so ist der Autobahnbau geradezu rasant, auch in Zeiten der Krise.

Griechenland verfügt derzeit über 2133 km Autobahnen, theoretisch betrieben wird der Zugverkehr auf ca. 1900 km, davon sind aber etwa 25% wegen Baustellen vor allem im Nordosten des Landes ohne Verkehr, etwa 600 km sind für einen hochwertigen Verkehr geeignet, wenn die Sicherungsanlagen endlich fertiggestellt werden.

Wie es unter diesen Voraussetzungen zu einer Verkehrswende im Zeichen des Klimawandels kommen soll, bleibt auch im Jahr der Europäischen Eisenbahnen 2021 ein Rätsel.

Prof. Dr. Johannes Schenkel

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