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Mittwoch, 03 Februar 2021 11:17

Belgien: Infrabel in letzter Entscheidung mitverantwortlich für die Katastrophe von Buizingen gesprochen

Der Unfall von Buizingen, der sich am 15. Februar 2010 ereignete, hat die Eisenbahnwelt in Belgien für immer geprägt. Fast 11 Jahre sind seit der Tragödie vergangen: 9 Jahre Ermittlungen, gefolgt von 2 Jahren Gerichtsverfahren, die gerade mit dem Berufungsurteil vom Freitag, 29. Januar, abgeschlossen wurden, in dem der Infrastrukturbetreiber Infrabel zu einer Geldstrafe von 330.000 EUR verurteilt wurde, von der die Hälfte zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Wie das Polizeigericht (tribunal de police) im Jahr 2019 - gegen dessen Urteil Infrabel Berufung einlegte -  stellte auch das Strafgericht fest, dass Infrabel Fehler und Unzulänglichkeiten begangen hat, die zu der Eisenbahnkatastrophe von Buizingen im Jahr 2010 führten. "Angesichts einer vorhersehbaren Katastrophe hat Infrabel nicht wie ein umsichtiger und sorgfältiger Netzbetreiber gehandelt, ein Verschulden, das kausal für die Kollision mit verantwortlich ist", so das Strafgericht.

Das Urteil des Strafgerichtshof von Brüssel (Le tribunal correctionnel de Bruxelles) ist hochtechnisch, äußerst detailliert und komplex, greift aber die Bedingungen des ersten Verfahrens nicht mehr auf, die unter anderem zu einer erheblichen Einschränkung der Zugfrequenzen geführt hätten, die auf dem Netz fahren können. Infrabel gab in einer Presseerklärung an, sich die Zeit zu nehmen, diese Gerichtsentscheidung im Detail zu analysieren, ist aber der Meinung, dass sie die Aufgaben des Infrastruktur- und Schienenverkehrsbetreibers nicht ernsthaft behindert. Für Infrabel bedeutet dieses Urteil daher das Ende des Rechtsstreits, so dass das Unternehmen keine Berufung einlegen wird.

Der belgische Infrastrukturverwalter Infrabel wurde wegen des Unfalls von Buizingen zu einer Geldstrafe von 330.000 EUR verurteilt, von der die Hälfte ausgesetzt wird. Das ist weniger, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte (540.000 EUR) und was das Polizeigericht in erster Instanz entschieden hatte (550.000 EUR).

Das Unternehmen habe nicht die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um diese Katastrophe zu vermeiden, urteilte das Brüsseler Strafgericht. Infrabel muss deshalb für 2/5 der Verantwortung des Unfalls aufkommen. Die SNCB wird zu 2/5 und der Fahrer zu 1/5 als verantwortlich angesehen.

Die Staatsanwaltschaft vertrat die Auffassung, dass das Fehlen des in Belgien üblichen IOT-Systems (L'indicateur opérations terminées) und die mangelnde Koordination zwischen SNCB und Infrabel Fehler und Unzulänglichkeiten waren, für die Infrabel mitverantwortlich ist. Das Gericht kritisierte auch, das Infrabel nicht ignorieren konnte, dass nur 22 von 1366 Fahrzeugen der SNCB mit dem automatischen Bremssystem tbl1 + ausgestattet waren. Es wies auch das Argument zurück, dass schließlich eine Sicherheitsgenehmigung für Infrabel und SNCB erteilt worden sei. Die für die Erteilung der Genehmigung zuständigen Personen waren nicht in der Lage, das gesamte Netzwerk in der Tiefe zu analysieren. Es ist jedoch die Aufgabe von Infrabel, die Sicherheit des Eisenbahnnetzes zu gewährleisten.

Bei der Katastrophe von Buizingen im Jahr 2010 kamen 19 Menschen ums Leben, 310 weitere wurden verletzt. "Im Gedenken an die Opfer des Unfalls von Buizingen werden die Teams von Infrabel weiterhin unermüdlich an der Verbesserung der Eisenbahnsicherheit arbeiten", betonte Infrabel.

WKZ, Quelle Infrabel, RTBF, Le Echo

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Letzte Änderung am Mittwoch, 03 Februar 2021 13:23

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