english

Donnerstag, 18 Februar 2021 08:00

Großbritannien: Weitere Verstaatlichung von Bahnbetreibern zu erwarten

crewe1crewe2
Fotos Avanti West Coast.

Eine weitere regierungseigene Bahngesellschaft könnte gezwungen sein, als Operator of Last Resort (OLR) neue Verträge über weitere Strecken zu übernehmen, so wie es bereits auf den Bahnnetzen der London North Eastern Railway (LNER) und bei Northern der Fall ist. Damit geht das System der Franchise-Verträge (Konzessionen) vermehrt dem Ende zu.

Wie The Times erläutert, wird angenommen, dass die First Group und Trenitalia zu den nächsten Firmen gehören, die wegen der Vertragsbedingungen aus dem britischen Bahngeschäft aussteigen, insbesondere wegen der Notwendigkeit, große Summen an Risikokapital aufbringen zu müssen, während sie nur niedrige Renditen erzielen. First Group und Trenitalia betreiben gemeinsam seit Dezember 2019 und voraussichtlich bis März 2026 die "Avanti West Coast", also den Fernverkehr zwischen London und Nordwestengland bzw. Schottland.

Einige Bahngesellschaften mussten in den letzten Jahren ihre Expansion auf der Schiene bereits aufgeben, nachdem zu optimistische Annahmen über das Wachstum mit enttäuschenden Fahrgastzahlen kollidierten. Als die Pandemie das Verkehrsministerium (Department for Transport, DfT) zwang, die Kontrolle über die Bahnen zu übernehmen, stellte es die Betreiber auf befristete Notverträge um. Allerdings mussten einige von ihnen hohe Rechnungen zahlen, um den alten Verträgen zu entkommen.

Trenitalia zahlte etwa 140 Mio. GBP (ca. 160 Mio. EUR) für die Beendigung der Konzession auf der sog. "c2c"-Linie zwischen Essex und London. Die First Group hat zugestimmt, 33,2 Mio. GBP für die Abgabe der South Western Franchise zu zahlen, während eine Einigung über den TransPennine-Vertrag sich bisher verzögert hat. Auch das niederländische Staatsunternehmen Abellio streitet noch mit dem DfT über Beendigung seiner Verträge für Greater Anglia und West Midlands, wobei zu erkennen ist, dass sie den neuen Verträgen skeptisch gegenüberstehen.

Die Betreiber streiten nun hart um die Bedingungen dieser Direktvergaben, die zwischen 18 Monaten und sechs Jahren laufen und ihnen nur eine geringe Gebühr einbringen. Es wird erwartet, dass die Unternehmen mehr als 10 Mio. GBP Risikokapital pro Vertrag aufbringen müssen. Doch das funktioniere nicht, erklärte ein Branchenkenner. Unter diesen Bedingungen werden die Bahngesellschaften sagen, dass sie lieber in anderen Ländern tätig sind als in England. Dann wird es wohl heissen: "Das ist nicht lukrativ - bye, bye und vielen Dank."

Das Verkehrsministerium wollte zum jetzigen Zeitpunkt die kommerziellen Angelegenheiten gegenüber The Times nicht kommentieren.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Quelle The Times, Avanti West Coast

Zurück

Letzte Änderung am Donnerstag, 18 Februar 2021 08:42

Nachrichten-Filter