Diese Seite drucken
Dienstag, 23 Februar 2021 08:00

Schweden: Ohne Drehbank steht die Straßenbahn in Lund still - Die Rettung kommt aus Oslo

lund1lund2
Fotos Skånetrafiken, CAF.

"Seien Sie dabei, wenn Skånetrafiken und die Stadtverwaltung von Lund die erste Straßenbahnlinie in Schweden seit über 100 Jahren einweihen", hieß es noch im letzten Dezember feierlich. Am Sonntag, den 13. Dezember, wurde die Straßenbahn zwischen dem Bahnhof Lund C und der Großforschungseinrichtung ESS eröffnet. Doch Anfang Februar war Schluss, alle sieben Fahrzeuge von CAF hatten Flachstellen, die Straßenbahn stand still.

Für die Ursache der Probleme mit den Flachstellen gibt es noch eine Reihe von Fragezeichen, aber die meisten deuten darauf hin, dass ein Programmierfehler in der Software für das Antiblockiersystem dazu führt, dass die Räder bei einer sogenannten Gefahrenbremsung blockieren. Mittwoch, der 3. Februar, war ein düsterer Tag für die damals sieben Wochen alte Straßenbahn in Lund. Nicht eine einzige Straßenbahn konnte in Betrieb genommen werden. Die Fahrgäste wurden auf Ersatzbusse verwiesen.

Als der Verkehr bis zur Unkenntlichkeit ausgedünnt war, gaben die beteiligten Akteure den Autofahrern in Lund die Schuld, die die Straßenbahn ignorierten, weshalb die Straßenbahnfahrer gezwungen waren, die Notbremse zu ziehen, um Zusammenstöße zu vermeiden.

Der Grund, warum die Wagen mit Flachstellen nicht repariert und in Betrieb genommen werden können, ist ebenso einfach wie kompliziert. In Südschweden gibt es derzeit keine Raddrehbank, die Straßenbahnräder drehen kann. Die nächstgelegenen befinden sich in Göteborg und in Stockholm, aber die von Göteborgs Spårvägar und SL sind voll ausgelastet. Hinzu kommt, dass die Wagen von CAF, die in Lund fahren, ein anderes Radprofil haben als die Straßenbahnen in Göteborg. Deshalb will man die Räder in der neuen Bahnwerkstatt in Hässleholm drehen lassen. Doch die moderne Unterflurdrehbank in Hässleholm ist für das Drehen von Rädern in Zügen ausgelegt und muss für Straßenbahnräder einen neuen Stand erhalten. Erst im April wird es möglich sein, die Räder für Lund in Hässleholm zu drehen.

Im Moment streiten sich dem Eisenbahnmagazin Jarnvager zufolge der Verkehrsverbund Skånetrafiken, der für den Verkehr verantwortlich ist, die Stadtverwaltung von Lund, der die Straßenbahn gehört, die Herstellerfirma CAF, die die Straßenbahnen geliefert hat, der Bus- und Bahnbetreiber Vy, der die Straßenbahnen betreibt, und Euromaint, seit ein paar Jahren eine Tochtergesellschaft von CAF, die das Depot verwaltet, was schief gelaufen ist. Die Wartung der Straßenbahn wird von Infranord geleistet. Gemäß der Vereinbarung zwischen Skånetrafiken und CAF muss der Straßenbahnhersteller zehn Jahre lang garantieren, dass jeden Morgen sechs von sieben Wagen im Straßenbahndepot betriebsbereit abgerufen werden können.

Gunnar Göthberg, Geschäftsbereichsleiter bei Vy, erklärt gegenüber Sydsvenskan, dass die mangelnde Erfahrung der Autofahrer in Lund und der Straßenbahnfahrer, die zusätzlich ausgebildete Busfahrer sind, zu den Problemen beigetragen haben könnte. Die Gemeinde Lund erwägt, von Skånetrafiken eine Entschädigung oder Schadenersatz für den stark reduzierten Straßenbahnverkehr zu fordern. "Wir müssen die Interessen der Gemeinde schützen und ziehen es deshalb ernsthaft in Erwägung", sagt Jan Annerstedt, Gemeinderat und Vorsitzender des technischen Ausschusses in Lund gegenüber Sydsvenskan. Carina Zachau, Vorsitzende des ÖPNV-Ausschusses in der Region Skåne, sagt gegenüber Dagens Samhälle, dass die Region Skåne "eine Verantwortung" an den Straßenbahnlieferanten übertragen will.

In Südschweden gibt es derzeit keine Raddreherei, die Straßenbahnräder drehen kann. Die nächstgelegenen befinden sich in Göteborg und in Stockholm, aber Göteborgs Spårvägar und SL antworten gegenüber Skånetrafiken, dass die Drehbänke für den Bedarf in Göteborg und Stockholm voll ausgelastet sind. Hinzu kommt, dass die Wagen von CAF, die in Lund rollen, ein anderes Radprofil haben als die Straßenbahnen in Göteborg.

Die Rettung kommt aus Oslo

Doch die Rettung naht noch vor dem April. Der Osloer Straßenbahnbetreiber Oslos spårväg hat eine Drehbank. Saman Tondnevis, Geschäftsbereichsleiter bei Skånetrafiken, sagte dem schwedischen Fernsehen SVT am 22.02.2021: "Wir haben eine Drehbank in Oslo gefunden. Wenn der Test gut verläuft, ist die Idee, dass wir einen nach dem anderen Radsatz auf die Reise schicken."

"Wir haben zwei Straßenbahnen, die gedreht werden müssen, dann haben wir eine, die aus technischen Gründen nicht betrieben werden kann. Die letzten drei haben wir noch nicht von unserem Lieferanten übernommen", sagt Saman Tondnevis.

Am Montag wurde ein erstes Drehgestell nach Oslo geschickt. Laut Saman Tondnevis kann es aber ein paar Wochen dauern, bis die Räder zurück sind. "Wir hoffen, dass wir sie innerhalb von zwei Wochen zurückbekommen, dann haben wir eine Straßenbahn, die rollt und wir können auch weitere Drehgestelle wegschicken", sagt er.

Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle Skånetrafiken, Jarnvager, SVT

Zurück