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Montag, 01 März 2021 08:00

Frankreich: Abschlussbericht zur Auffahr-Kollision zweier Tramzüge in Issy-les-Moulineaux

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Fotos BEA-TT.

Die französische Unfalluntersuchungsstelle BEA-TT (Bureau d'enquêtes sur les accidents de transport terrestre) hat am 26.02.2020 eine sehr genaue Analyse der heftigen Auffahr-Kollision im Februar 2019 bei Issy-les-Moulineaux veröffentlicht, bei der vier Straßenbahnen Citadis-302 stark beschädigt wurden.

Am Montag, den 11. Februar 2019, um 21:01 Uhr, fuhr auf der Straßenbahnlinie T2 des Pariser Netzes ein aus zwei gekuppelten Citadis-302 bestehender Straßenbahnzug trotz Notbremsung noch mit 43 km/h auf einen anderen Straßenbahnzug in Doppeltraktion auf, der mit eingeschalteten Warnblinkern auf der Strecke stand. Der Zusammenstoß ereignete sich neben dem Depot der T2 in Issy-les-Moulineaux, zwischen den Stationen Jacques-Henri Lartigue und Les Moulineaux, als ein auf Rangierfahrt in das Depot einfahrender Straßenbahnzug die Strecke blockierte.

Bei der Kollision wurden 12 Personen verletzt, eine davon schwer. Beide Straßenbahnzüge waren teilweise entgleist, die Kupplungen gerissen.

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Im Unfallbereich befanden sich sechs Straßenbahnzüge, wie in der Abbildung oben dargestellt:

• auf Gleis 1 der Straßenbahnzug "Service 8" im Bahnhof Les Moulineaux. Er setzt sich in Bewegung, um in das Depot einzufahren.
• Wegen dieser Rangierfahrt steht Straßenbahnzug "Service 2" auf Gleis 1 vor dem roten Signal S205 und wartet auf grün.
• auf Gleis 1 steht Straßenbahnzug "Service 17" (Wagen 434 und 414) vor dem gelb blinkenden Signal S207. Da er außerhalb einer Station hält, hat er vorschriftsgemäß die Warnblinker eingeschaltet. Es ist der Straßenbahnzug, auf den aufgefahren wurde.
• auf Gleis 1 trifft Straßenbahnzug "Service 63" (Wagen 416 und 401) vom davorliegenden Bahnhof ein, dies ist der auffahrende Straßenbahnzug.
• auf Gleis 1, kurz nach der Kollision, nähert sich eine weiterer Straßenbahnzug "Service 14".
• Auf Gleis 2 kreuzte der in Gegenrichtung, von Les Moulineaux nach Jacques-Henri Lartigue fahrende Straßenbahnzug "Service 28" den Straßenbahnzug "Service 63" vor der Ankunft an der Haltestelle Jacques-Henri Lartigue.

Die Ursache für diese Auffahr-Kollision war, dass der Fahrer des auffahrenden Zuges erst 2 Sekunden vor dem Zusammenprall mit dem Bremsen begonnen hatte. Während sich vor ihm ein Zugstau bildete, war seine Aufmerksamkeit auf andere Aufgaben gerichtet.

Die Untersuchung ergab, dass verschiedene technische, organisatorische und menschliche Faktoren zu dieser Situation beigetragen haben:

• die Ablenkung der Aufmerksamkeit des auffahrenden Fahrers auf die vor ihm liegende Strecke durch Nebenaufgaben;
• die Lage der Halteposition des getroffenen Zuges bezüglich des Abstands zum Signal und die schlechte Sichtbarkeit des getroffenen Zuges wegen einer Kurve;
• die Anhäufung mehrerer Straßenbahnzüge in dem Gebiet, weil eine Zuggarnitur ins Depot zum Fahrerwechsel eingezogen wurde, wodurch kein anderer Zug diesen Teil der zweigleisigen Strecke befahren durfte;
• die mögliche kurzzeitige Störung des Zug-Funks der stehenden und der auffahrenden Straßenbahn, die zum Nichtempfang der von der Zentrale gesendeten mündlichen Warnmeldungen führte;
• die mangelhafte Überprüfung von Warnmeldungen.

Das BEA-TT spricht 4 Empfehlungen und 2 Aufforderungen in den folgenden Bereichen aus. Diese betreffen

• die Organisation des Betriebs der T2-Linie und die zugehörigen Verfahrensabläufe;
• die Analyse der Auswirkungen des Einsatzes von verstärkenden Zügen auf die Sicherheit;
• Methoden zur Rückmeldung von Fahrereignissen unter Einbeziehung organisatorischer und menschlicher Faktoren;
• die Zuverlässigkeit des Zug-Funks.

Franz A. Roski, WKZ, Quelle BEA-TT

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