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Montag, 08 März 2021 08:00

Belgien: Infrabel verbaut die ersten "grünen" Schwellen aus Schwefelbeton

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Fotos Infrabel, Ministre de la Mobilité.

Eine Innovation in der Bahnwelt, aber vor allem eine kleine Revolution für die Umwelt! Infrabel wird der erste Eisenbahninfrastrukturbetreiber in Europa, der die Schwellen seines Netzes "begrünt". Der Zement, aus dem sie traditionell hergestellt werden, wurde durch Schwefel ersetzt. Die ersten Schwellen wurden in Anwesenheit des belgischen Mobilitätsministers Georges Gilkinet am 06.03.2021 eingebaut.

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Der Vorteil ist ein dreifacher: Der Herstellungszyklus emittiert bis zu 40 % weniger CO2, das neu entstandene Material ist vollständig recycelbar, und schließlich wird der Schwefel - ein Abfallprodukt der Ölindustrie - zurückgewonnen.

Ein Kreislaufmaterial, das die Produktion von CO2 stark einschränkt

Die ersten produzierten Stücke, die an diesem Samstag zwischen Puurs und Antwerpen verlegt wurden, haben einen symbolisch gemeinten grünlichen Farbton. Diese neuen "grünen" Schwellen, die ersten in Europa, sind aus einem revolutionären Material gefertigt: Schwefelbeton. Schwefelbeton besteht aus elementarem Schwefel sowie einem groben und feinkörnigen mineralischen Zuschlag und enthält weder Wasser noch Zement. Dank seiner frühzeitigen Druckfestigkeit in der Größenordnung von 35 MPa nach 8 Stunden eignet sich Schwefelbeton für Fertigteile im Freien. Seine chemische Beständigkeit ist bei Industrieanlagen erwünscht.

Die Vorteile sind mannigfaltig. Die Zementproduktion emittiert viel CO2! Erstens wegen der Art der chemischen Reaktion, die Kalkstein in Zement umwandelt; zweitens, weil dieser Prozess sehr energieintensiv ist, da er das Erreichen einer Temperatur von 1400 C erfordert. Bei Schwefelbeton genügt eine Temperatur von 140 C, um die Schwelle zu formen. Die Produktion von CO2 wird dadurch stark reduziert (z.B. um 40%) von 75kg CO2/Schwelle auf 45kg CO2/Schwelle.

Aber das ist noch nicht alles. Herkömmliche Betonschwellen, die das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben, sind wenig wertvoll: Sie landen teilweise im Stein für den Straßenbau. Schwefelbetonschwellen sind vollständig recycelbar. Am Ende ihrer Lebensdauer oder beschädigt, können sie zu neuen Teilen umgeschmolzen werden. Und schließlich, ein letztes Interesse, ermöglicht ein solches Material die Wiederverwertung von Schwefel, der heute ein Abfallprodukt der Ölindustrie ist.

Georges Gilkinet - Vizepremierminister und Bundesminister für Mobilität: "Die Bahn ist das ökologischste Verkehrsmittel. Aber sie kann noch umweltfreundlicher gebaut werden. Wie bei diesen grünen Schwellen aus Schwefelbeton. Dies ist eine Premiere in Belgien und Europa, auf die wir stolz sein können. Das ist in der Tat eine kleine ökologische Revolution für unsere Bahnen! Zu meinen Ambitionen für die Bahn gehört auch die Unterstützung von Forschung und Innovation, um konkrete und nachhaltige Lösungen für die Herausforderungen von heute und morgen zu finden. Infrabel ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus und das freut mich sehr. Wie unsere gesamte Wirtschaft müssen sich auch unsere öffentlichen Unternehmen auf den Weg des Wandels begeben".

Diese Schwefelbetonschwellen werden ab August 2021 von der Firma "De Bonte" in Serie produziert. Dieses Familienunternehmen hat eine solide Erfahrung in der Herstellung von Betonprodukten.

Im vergangenen Jahr gewann De Bonte einen völlig neuen öffentlichen Auftrag, der von Infrabel ins Leben gerufen wurde. Seine Einzigartigkeit? Die Einführung von Umweltkriterien bei der Auswahl einer Versorgung im öffentlichen Sektor. Da Infrabel bestrebt ist, seinen ökologischen Fußabdruck durch verschiedene Initiativen zu verringern, wollte das Unternehmen sicherstellen, dass neben dem Preis auch das Produkt mit dem größten Nutzen für den Planeten einen Vorteil erhält. In diesem Fall zählten eine Begrenzung der CO2-Produktion (sei es im Herstellungsprozess oder beim Transport des Materials) und eine bessere Kreislauffähigkeit des Produkts für 40 Prozent. Die anderen 60 Prozent entfallen auf die Kostendimension. Diese Kriterien, kombiniert mit einem sehr wettbewerbsfähigen Preis, gaben De Bonte den Vorteil. Die grünen Schwellen werden 8 Jahre lang mit einer Rate von 25.000 Stück pro Jahr an einem Standort in Baudour, in der Region Mons, produziert, der bis dahin auf die Herstellung von Weichenschwellen spezialisiert war.

Pascal Blommaert, CEO von De Bonte: "So wie die Eisenbahn in der Vergangenheit die Gesellschaft revolutionierte, so revolutioniert De Bonte heute die Eisenbahn. Mit dieser 100% runden Schwelle sind wir Vorreiter auf dem Weltmarkt! Allein mit diesem Projekt sparen wir nicht weniger als 6.000 Tonnen CO2! Ein großer Schritt in eine nachhaltigere Zukunft. "

Für die Zukunft plant Infrabel, dieses Prinzip der Umweltkriterien in neue Märkte aufzunehmen.

Eine europäische Premiere

Mehrere europäische Bahninfrastrukturbetreiber haben bereits ihr Interesse an dieser innovativen Technologie bekundet, die Infrabel als erster in großem Maßstab installieren wird. Um dorthin zu gelangen, wurden natürlich Garantien übernommen. Tests haben gezeigt, dass der Lastwiderstand bei Zugverkehr dem von herkömmlichem Beton entspricht. Außerdem erwies es sich als weniger porös (insbesondere weniger empfindlich gegen Wasserinfiltration), was es widerstandsfähiger gegen korrosive Vorgänge und damit gegen Verschleiß macht.

Benoit Gilson - Geschäftsführer von Infrabel : "Dieses Projekt liegt mir sehr am Herzen, denn diese Schwellen sind ein Produkt der Zukunft. Indem Infrabel einmal mehr zum Vorreiter wird, zeigt das Unternehmen, wie sehr Innovation die Effizienz steigert und gleichzeitig die Auswirkungen der industriellen Aktivitäten auf die Umwelt minimiert. Nachhaltiges Bauen geht jeden etwas an. Es ist also auch eine Verantwortung für den Eisenbahninfrastrukturbetreiber, der wir sind".

Schwefelbeton scheint alle Vorteile eines Zukunftswerkstoffs zu haben... und doch ist sein Einsatz nicht verallgemeinerbar. Zum Beispiel kann es niemals in einem Bereich wie dem Bauwesen verwendet werden, da es bei 140 Grad schmilzt und daher eine recht geringe Feuerbeständigkeit aufweist. Im Bahnbereich hingegen könnte es andere Anwendungen finden, wie z.B. bei der Herstellung von Bahnsteigkanten.

WKZ, Quelle Infrabel

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Letzte Änderung am Montag, 08 März 2021 08:26

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