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Freitag, 12 März 2021 08:00

Niederlande: Grelle Farben und Geschwindigkeitsbeschränkungen für Züge an gefährlichen Bahnübergängen?

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Foto NS.

Am 22. Mai 2020 ereignete sich ein schrecklicher Unfall auf der Strecke Zwolle-Assen. Auf einem nicht aktiv gesicherten Bahnübergang (Niet Actief Beveiligde Overweg, NABO) bei Hooghalen kollidierte ein NS-Sprinter mit einem schweren landwirtschaftlichen Fahrzeug. Der NS-Triebfahrzeugführer verlor bei diesem schweren Zusammenstoß sein Leben.

Die Auswirkungen dieses Unfalls waren und sind erheblich. In erster Linie bei den unmittelbaren Hinterbliebenen und auch bei seinen Kollegen und im Bahnbereich. NS und ProRail haben sofort ein Untersuchungsteam eingesetzt, um Lehren aus diesem tragischen Unfall zu ziehen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am 10.03.2021 vorgestellt.

Untersuchungsergebnisse

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Intensität der Zugpassagen/Tag gegen Streckenkilometer. Grafik NS.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf den Vorfall in Hooghalen im Besonderen und auch allgemeiner auf das Problem der inaktiven Bahnübergänge. Die Untersuchung ergab, dass der Unfall in Hooghalen durch eine Kombination von Faktoren verursacht wurde. Der Fahrer des Traktors hat den Zug nicht oder zu spät gesehen und ist auf den Bahnübergang gefahren. Dabei spielten unter anderem die Wetterbedingungen eine Rolle. Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen aus der vertieften Nachuntersuchung ist, dass der Schwer- und/oder Langverkehr in bestimmten Fällen zu wenig Zeit hat, um einen NABO zu überqueren, obwohl er die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Die Studien ergaben dreizehn Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit und der Zusammenarbeit in der Branche in Bezug auf NABOs. ProRail hat nun 137 Bahnübergänge kartiert, an denen diese Situation auftreten kann.

Zusätzliche Maßnahmen

NS und ProRail beginnen damit, zusätzliche Maßnahmen an 28 NABO zu ergreifen, wo NS fährt und ein erhöhtes Risiko besteht, weil häufig schwerer Straßenverkehr kreuzt. Die ersten Maßnahmen werden sofort umgesetzt. Sechs NABOs werden vordringlich geschlossen; in der Zwischenzeit wurde vereinbart, dass diese bis zur vordringlichen Schließung nicht vom Schwerlastverkehr befahren werden. Ein NABO kann sporadisch mit Schwerlastverkehr befahren werden, allerdings nur unter Aufsicht über ein "besonderes Querungsverfahren" und bis zu ihrer offiziellen Schließung Ende dieses Jahres, sobald eine neue Zufahrt fertig ist.

NABOs in den Niederlanden

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Foto ProRail.

• Anzahl der NABOs in den Niederlanden: 277
• Anzahl der von NS gefahrenen NABOs: 109
• Anzahl der NABOs, die von NS mit hohem Risiko aufgrund von starkem Straßenverkehr gefahren werden und häufig kreuzen: 28
• Davon mit sofortiger Wirkung nicht mehr in Betrieb: 6
• Davon verwendet von Landwirten mit speziellen Kreuzungsverfahren: 1
• Davon gilt eine Geschwindigkeitsreduzierung: 4
• Davon werden innerhalb von zwei Wochen zusätzliche Maßnahmen ergriffen: 17

Temporäre Geschwindigkeitsbegrenzung

An vier NABOs gilt ab sofort eine temporäre Geschwindigkeitsbeschränkung (tijdelijke snelheidsbeperking, TSB), bei der der Zug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h fahren darf, bis andere Maßnahmen ergriffen wurden oder der Bahnübergang beseitigt ist. Langsameres Fahren gibt Lokführern und Verkehrsteilnehmern mehr Zeit und bedeutet, dass der Zug im Notfall einen kürzeren Bremsweg hat. Diese Geschwindigkeitsbeschränkungen haben einen minimalen Einfluss auf die Reisezeit für Fahrgäste. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind auch für 17 weitere NABOs auf von NS betriebenen Strecken geplant. Das Ziel ist es, dies innerhalb von zwei Wochen einzusetzen. ProRail arbeitet noch an einer abschließenden Sicherheitsüberprüfung, bevor dies umgesetzt wird. NS und ProRail wollen die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste mit neuen Geschwindigkeitsbeschränkungen so weit wie möglich begrenzen, können dies aber nicht im Voraus ausschließen. Die NS ergreift auch weitere Maßnahmen. Denn obwohl die Sichtbarkeit der Züge den neuen europäischen Standards entspricht, wird die NS die Farbgestaltung ihrer Züge anpassen.

ProRail ergreift weitere zusätzliche Maßnahmen. In Absprache mit den Betreibern von Personenverkehrsdiensten und den lokalen Behörden identifiziert ProRail derzeit die temporären Maßnahmen, die kurzfristig für die anderen 109 NABOs im niederländischen Schienennetz umgesetzt werden können. Die Maßnahmen können u. a. mit Hilfe der NABO-Risikoklassifizierung und des Bewertungsrahmens ermittelt und geplant werden. Ziel ist es, die Maßnahmen so schnell wie möglich umzusetzen, vor allem aber den entsprechenden NABO zu entfernen.

Die temporären Geschwindigkeitsbegrenzungen an bestimmten hochgefährdeten NABOs müssen so schnell wie möglich durch bauliche Maßnahmen ersetzt werden. Ziel ist es, die entsprechenden NABOs schnell zu schließen oder andere Maßnahmen zu ergreifen.

Marjan Rintel, Präsident-Direktor von NS: "Der Tod unseres Zugführers im vergangenen Jahr bei einem Unfall an einem ungesicherten Bahnübergang hat uns tief bewegt. Unser Kollege hat sich so verhalten, wie man es von einem Lokführer kurz vor diesem fatalen Moment erwarten würde. Er hätte diesen traurigen Unfall nicht verhindern können. Ungesicherte Bahnübergänge sind Fossilien aus der Zeit, als die Dampfzüge noch zweimal am Tag kamen. Das war damals, heute haben wir das dichteste Schienennetz in Europa. Wir fahren viele schnelle Züge für unsere Fahrgäste. Alle sagen schon seit Jahren, dass wir diese Bahnübergänge abschaffen sollten. Daran arbeiten wir, aber es geht zu langsam voran. Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Passagiere steht an erster Stelle. Bis diese ungesicherten Bahnübergänge der Vergangenheit angehören, wird die NS auf einer Reihe von Strecken langsamer fahren.

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Ans Rietstra, COO ProRail: "Wir sind immer noch sehr beeindruckt von dem Unfall, der sich in Hooghalen ereignet hat. Es hat auch einen großen Einfluss innerhalb unserer Organisation. ProRail hält die NABOs schon lange für unerwünscht: Diese Bahnübergänge sind nicht mehr zeitgemäß. Deshalb gehen wir sie seit 2018 in einem Programm an, die gefährlichsten zuerst. Vorzugsweise durch Entfernen, wie es uns bereits für 67 gelungen ist. Aber wir wollen noch mehr eingreifen, indem wir sofort temporäre Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Die umfangreichen Ermittlungen zu dem tragischen Unfall in Hooghalen geben uns dazu Anlass. Denn die Beseitigung von Bahnübergängen ist aufgrund rechtlicher Hindernisse ein langwieriger Prozess. Diese muss verkürzt werden und wir bitten den Gesetzgeber, Schritte in diese Richtung zu unternehmen. Aber wir ergreifen auch neue temporäre Maßnahmen, um die Sicherheit gefährlicher Bahnübergänge zu verbessern, solange sie bestehen. Bei einer Reihe von NABOs können sofort Maßnahmen ergriffen und vereinbart werden. Wir werden weiterhin Maßnahmen an Bahnübergängen ergreifen, die offen bleiben, aber lassen Sie sich nicht täuschen: Ein abgebauter Bahnübergang ist der beste Bahnübergang."

ProRail und NS schließen sich allen Schlussfolgerungen der Prüfer an und übernehmen die Empfehlungen. Die Ermittlungsgruppe wurde von Lokführern unterstützt. Zusammen mit den Ermittlern besuchten sie mehrere ungesicherte Bahnübergänge. Dort konnten die Lokführer erklären, wie die Situation beim Fahren eines Zuges ist. Der NS-Untersuchungsbericht kann hier eingesehen werden. Beide Berichte wurden an das Ministerium für I&W, IL&T weitergeleitet.

WKZ, Quelle NS

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Letzte Änderung am Freitag, 12 März 2021 08:14

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