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Montag, 15 März 2021 09:00

Ukraine: Rücktritt bei Ukrzaliznicja offenbart Krise bei der Holding-Bildung

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Fotos Ukrzaliznicja.

Am 11. März berief der Leiter der Handels- und Logistikabteilung der ukrainischen Eisenbahn Ukrzaliznicja, Iraklij Ezugbaja, eine Notfall-Pressekonferenz ein und gab seinen Rücktritt bekannt. "Es gibt einige Kräfte, die kein Interesse an der nationalen Bahngesellschaft haben. Es ist klar, dass das, was der UZ verloren geht, jemand anderes bekommen wird. Leider wurde ich nicht nur schikaniert, es ging darüber hinaus", sagte Ezugbaja.

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Ezugbaja weiter: "Ich möchte von der Position des Direktors für kommerzielle Arbeit und Logistik der Ukrzaliznicja zurücktreten. Ich bin ein Teammitglied, das auf Ergebnisse fokussiert ist. Wir haben die Organisation im tiefen Niedergang übernommen, leider, wir sahen eine vollständige Erschöpfung des Vermögens, ein großes negatives Finanzergebnis im letzten Jahr von 12 Milliarden UAH. In den 6 Monaten, die wir hier verbracht haben, haben wir den Abwärtstrend im Güterverkehr umgekehrt und sehr gute Ergebnisse gezeigt, vor allem im vierten Quartal, sowie das Budget 2021 geplant, das Ukrzaliznytsia zu einem positiven Finanzergebnis bringen soll - vom tiefen Verlust zum Gewinn. Außerdem haben wir den rückläufigen Trend auf dem Waggonmarkt umgekehrt: Ukrzaliznytsia hat in den letzten zwei Jahren ständig Marktanteile verloren, und wir haben diesen Trend umgekehrt und begonnen, den Anteil der Ukrzaliznytsia-Waggons zu erhöhen."

Der UZ-Vorsitzende Volodimir Žmak erklärte darauf: "Trotz der Situation rund um Ukrzaliznytsia und diverser Gerüchte ist die tiefe Überzeugung des Unternehmensvorsitzenden Volodimir Žmak, die laufende Reform des Staatsunternehmens sollte weitergehen. Natürlich müssen alle Änderungen mit der vollen Unterstützung und im Tandem mit dem Aufsichtsrat erfolgen. Ihm zufolge versuchen einige Kräfte derzeit, die Reform und das Top-Management des Unternehmens zu diskreditieren, um Korruptionspläne und ihren Einfluss aufrechtzuerhalten. Diese Situation sollte die Tätigkeit eines strategischen und für die Wirtschaft wichtigen Unternehmens nicht beeinträchtigen. Daher sollte der Reformkurs des Unternehmens fortgesetzt werden, insbesondere bei der Umsetzung des Assoziierungsabkommens mit der EU, das die Aufteilung von Ukrzaliznytsia in vier funktionale Geschäftsbereiche und seine Umwandlung von einem archaischen, unprofitablen Unternehmen in ein profitables Unternehmen vorsieht."

Worum geht es?

Im Zuge der UZ-Reform sollen vier Struktureinheiten einer zukünftigen Holding "Ukrzaliznycja" entstehen, wie auch bei anderen europäischen Bahngesellschaften üblich: Fracht-, Personen-, Containertransport und Infrastrukturbetreiber. Bis Ende 2020, so der Plan, sollte das Unternehmen die Lokomotivbranche auf die vertikale Aufteilung vorbereiten. Schließlich sollten diese vertikal integrierten Einheiten in separate Unternehmen innerhalb der Holding umgewandelt werden. Die Trennung von UZ ist eine der wichtigsten Verpflichtungen der Ukraine gegenüber den europäischen Partnern.

Iraklij Ezugbaja, ein ehemaliger Chef der georgischen Eisenbahnen und ein Verbündeter des ehemaligen georgischen Präsidenten Mihajlo Saakašvil, sollte die lukrativste Sparte der UZ, den Güterverkehr, leiten. Am 15.01.2021 wurde der Teilungsprozess eingeleitet: UZ Cargo und der Infrastrukturbetreiber UZ Infra waren die ersten, die getrennt werden sollten.

Die Entscheidung zur Gründung von UZ Cargo und UZ Infra wurde jedoch vom Aufsichtsrat des Unternehmens blockiert. In einer Erklärung vom 5. Februar forderte der Aufsichtsrat den Vorstand auf, "sich mit den wichtigsten Interessengruppen in Verbindung zu setzen und die Vertraulichkeit kommerzieller und sensibler Informationen zu gewährleisten."

"Žmak und Ezugbaja haben dann die Reform begonnen, ohne den Aufsichtsrat zu konsultieren, obwohl sie laut Gesetz dazu verpflichtet waren. Deshalb war dies [das Stoppen der Aufteilung] ein Weg, sie zu überzeugen", zitierte das Wirtschaftsmagazin Liga.net einen Gesprächspartner im Infrastrukturministerium.

Niedrigpreisstrategie

Den Konflikten zwischen Vorstand und Aufsichtsratv ging ein öffentlichkeitswirksames Ereignis voraus: Im Januar bot Ukrzaliznicja über das elektronische Auktionssystem zum Verkauf von Staatseigentum ProZorro.Sale eine neue Dienstleistung an: den Transport von Gütern zu vereinbarten Konditionen und Volumina in eigenen Fahrzeugen für drei Jahre - vom 1. Februar 2021 bis Ende 2024 - zu einem festen Preis. Der Hauptgewinner war Metinvest-Šippìng, ein nationales Speditionsunternehmen, das zur SCM-Holding des Oligarchen Rinat Achmetov gehört, und der Preis während der Auktion fiel fast um das Doppelte von 800 auf 480 UAH.

Der Sieg von Achmetov kam für die Marktteilnehmer nicht überraschend. Nur ein Unternehmen mit einem solchen Volumen an Bahntransporten könne eine so große Anzahl von offenen Güterwagen kaufen, noch dazu für drei Jahre auf einmal. Metinvest könnte damit zu garantierten Niedrigstpreisen etwa 43 Mio. t pro Jahr transportieren, fast 15% des Volumens der gesamten Eisenbahntransporte von Ukrzaliznycja.

Doch in der Regierung und in Teilen der Ukrzaliznycja gibt es Zweifel an der Niedrigpreisstrategie. "Dieser Preis [480 UAH] deckt kaum die notwendigen Ausgaben von UZ, also werden wir die zweite Hälfte des Fuhrparks zu einem hohen Preis verkaufen müssen, und wir werden nicht in der Lage sein, mit dem Fuhrpark der Privatanbieter zu konkurrieren", erklärt ein anonym bleiben wollender Gesprächspartner gegenüber Liga.net. "Achmetows größter privater Fahrzeugbetreiber, Lemtrans, wird nun eine völlig freie Fahrzeugflotte haben und mit den Preisen "spielen" können, um einen Gewinn zu erzielen, und UZ wird verlieren müssen."

Untersuchungskommission

Das Präsidialamt hat nun darüber nachgedacht, eine Untersuchungskommission bei Ukrzaliznycja einzurichten und eine Kompetenzüberprüfung durchzuführen. Die Entlassung von Ezugbaja könnte das Ergebnis eines Kompromisses zwischen Aufsichtsrat und Žmak sein, damit letzterer seine Position auch nicht verliert.

WKZ, Quelle UZ, Liga.net

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Letzte Änderung am Montag, 15 März 2021 09:31

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