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Freitag, 19 März 2021 08:00

Großbritannien: Experten empfehlen verstärkte Kontrolle der Bahnstrecken aus der Luft

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Fotos Network Rail.

Network Rail hat jetzt zwei Untersuchungen veröffentlicht, die Empfehlungen enthalten, wie die Bahn besser mit extremen Wetterbedingungen umgehen kann. Der britische Bahninfrastrukturbetreiber hatte die Taskforce unmittelbar nach dem tragischen Unfall in der Nähe von Stonehaven, Aberdeenshire, im vergangenen August in Auftrag gegeben.

Network Rail verpflichtete sich, Lehren aus der Tragödie zu ziehen und beauftragte die weltweit anerkannten Experten Lord Robert Mair und Dame Julia Slingo mit der technischen und wissenschaftlichen Analyse und mit Empfehlungen, um die Gefährdung der Bahninfrastruktur angesichts häufigerer extremer Wetterereignisse besser zu bewältigen.

In einem von der britischen Regierung in Auftrag gegebenen Bericht erklärte die Expertengruppe, dass Kontrollen aus der Luft - z.B. mittels Drohnen oder Hubschraubern - helfen könnten, solche Probleme zu identifizieren. Der Bericht von Lord Mair besagt, dass "Defizite bei der Prüfung von Erdarbeiten und zur Risikobewertung behoben werden müssen", wobei "erhebliche Investitionen" erforderlich sind, um die Überwachungs- und Kontrollmethoden des Unternehmens zu aktualisieren.

Verkehrsminister Grant Shapps forderte nach dem Unfall eine netzweite Überprüfung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Widerstandsfähigkeit und die sichere Leistung der Bahn und insbesondere darauf, wie Erdarbeiten an den Hängen entlang der Gleise gehandhabt werden. Ein erster Bericht wurde einige Wochen nach dem Unfall vorgelegt, eine Aktualisierung folgtr jetzt zusammen mit den beiden Empfehlungen der Taskforce.

Die Berichte zeigen, dass die Auswirkungen des Klimawandels auf die Bahnstrecken erheblich sind. Die meisten Geländeveränderungen - Bahndämme und Einschnitte - entlang der Gleise wurden vor etwa 150 Jahren errichtet und sind nach modernen Maßstäben schlecht konstruiert, zu steil und instabil. Auch die Entwässerung ist ähnlich alt und nach einem vorgegebenen Design ausgeführt, unabhängig von der Lage. In Kombination mit stärkeren Regenfällen, wie sie in den letzten Jahren häufig aufgetreten sind, kann es zu Erdrutschen und Überschwemmungen kommen. Allerdings ist es nicht machbar, fast 200.000 einzelne Hänge entlang der mehr als 20.000 km Streckenlänge neu zu bauen. Zwar erkennen Experten die umfangreiche Arbeit an, die bereits geleistet wurde, zeigen aber auch, dass noch mehr getan werden kann, und bieten über 50 Empfehlungen, die Network Rail nun im Detail prüfen will.

Martin Frobisher, Direktor für Sicherheit und Technik bei Network Rail, sagte dazu: "Es ist klar, dass extremes Wetter eine große Herausforderung für die Art und Weise darstellt, wie wir die Eisenbahninfrastruktur sicher und zuverlässig unterhalten. Wir haben zwei unabhängige, fachkundige Task Forces eingerichtet, die von erstklassigen Spezialisten geleitet werden, um die Probleme zu untersuchen, mit denen wir konfrontiert sind, und - was entscheidend ist - um uns bei der Umsetzung substanzieller Verbesserungen zu unterstützen. Wir werden jede einzelne Empfehlung sorgfältig prüfen und einen wissenschaftlich untermauerten Plan entwickeln, um die verfügbaren Gelder und Technologien bestmöglich einzusetzen."

Verkehrsminister Grant Shapps ergänzte: "Wir müssen alles tun, was möglich ist, um unsere Eisenbahnen sicher zu halten. Die neuen Erkenntnisse werden in unsere Arbeit einfließen lassen, wenn wir Maßnahmen beschließen, um unsere Bahn in Zukunft noch widerstandsfähiger zu machen und weniger anfällig für Tragödien wie die von Stonehaven."

Ein Sprecher der Lokführergewerkschaft ASLEF erklärte zudem: "Die Regierung muss Network Rail genug Mittel zur Verfügung stellen, damit es die Arbeiten durchführen kann, die für die Instandhaltung unserer Eisenbahninfrastruktur notwendig sind, damit Fahrgäste und Personal zukünftig auf die Sicherheit unserer Eisenbahn vertrauen können."

Die Umsetzung dieser Forderung gilt es zu verfolgen, nachdem das Budget von Network Rail im vergangenen Jahr bereits um etwa 10 % durch Finanzminister Rishi Sunak gekürzt worden war.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, GK; Quellen BBC, Network Rail, Oxford Mail, RMT

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