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Montag, 14 September 2015 11:23

Italien: Landtag Südtirol prüft Studie für eine Verbindung Mals - Landeck

Am 27. Juli wurde vom Südtiroler Landeshauptmann und dem Präsidenten der Region Lombardei ein Ein­vernehmensprotokoll unterzeichnet, welches auch eine Machbarkeitsstudie für einen Eisenbahntunnel ins Veltlintal vorsieht. Die Pläne für eine solche Eisenbahnverbindung sind nicht neu, sondern Teil des Bahnkonzeptes "Ortler­bahn", welches eine Schnellverbindung zwischen Süddeutschland und Genua vorsieht.

Der bekannte Ingenieur Rudolf Gomperz hat in sei­ner Eisenbahnstudie ausführlich die Problematik der Streckenführung der Ortlerbahn und die fragwürdige Rentabilität derselben aufgezeigt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dies umso mehr, als dass neben den immensen Kosten für den Tunnel unter dem Ortlermassiv, auf der ca. 40 km langen Strecke zwischen Bormio und Tirano überhaupt erst noch eine Bahnlinie gebaut werden müsste.

Eine solche Ortlerbahn würde unweit von Mals von der Vinschgaubahn abzweigen und dann mittels eines Basis- oder Scheiteltunnels die Ortlergruppe durchbrechen, um jenseits davon an die Bahnlinie Tirano - Sondrio anzuschließen. Gomperz nennt dafür zwei mögliche Streckenvarianten:

1. "Entweder man zweigt etwa in 1.200 m Höhe, das ist bei Burgeis, von der (noch zu bauenden) Teil­strecke Pfunds-Mals ab, um möglichst wenig Steigung zu verlieren, so folgt eine technisch sehr schwere Strecke: Die Einfahrt ins Münstertal und das lang ausgeholte Ausfahren desselben, eine lange Lehnentwicklung gegen das Stilfsertal hin, wo kurz vor Trafoi der Scheiteltunnel erreicht würde."

2. "Die andere Möglichkeit besteht in der Abzweigung in Mals selbst, einem Fallen aus Mals hinaus in die Talsohle des Münstertales und einem Steigen dort bis weit hinein, um entweder wie vorhin (Variante 1) oder unter Durchfahren Schweizer Grundes mit dem Tunnel durch den Piz Umbrail bei den alten Bädern von Bormio auszumünden."

Für die Strecke von Mals bis zum Nordportal des Ortlertunnels errechnet Gomperz ca. 18 km neu zu errichtender Bahnstrecke. Der Tunnel selbst würde mit 15-20 km Länge das Ortlermassiv durchbrechen und vom Südportal bis Tirano nochmals eine Bahn­strecke von ca. 40 km benötigen, um dann an die bestehende Bahnlinie anzuschließen.

Über die Baukosten sind verbindliche Angaben – ohne besondere Kenntnisse der geologischen Struk­tur und der Anzahl der notwendigen Kunstbauten – nur schwer aufzustellen. Bedient man sich jedoch der Kostenberechnung von Gomperz in heutigem Wert und setzt diese mit den Baukosten vergleichbarer Strecken in Relation, dürften die Gesamtkosten, bescheiden gerechnet, jenseits der 1,3 Milliarden Euro präliminiert werden.

Spätestens mit der Fertigstellung des Gotthardbasis­und des Brennerbasis-Tunnels verlöre eine solche Ortlerbahn jede ökonomische Rentabilität als inter­nationale Waren-und Personentransitroute. Als öffentliches Nahverkehrsmittel käme dieser Bahn, wenigstens zum heutigen Zeitpunkt, ebenfalls keine besondere Bedeutung zu, da die Arbeitsströme im Vinschgau hauptsächlich in die Schweiz, nach Nau­ders und in das Obere Gericht ziehen. Die Bedeutung und Wertschöpfung dieser Bahnver­bindung läge, wenn schon, in der Förderung des lo­kalen Tourismus.

Angesichts der nicht unerheblichen Investitionen hiefür, bedarf es daher einer genauen Prüfung alternativer Verbindungen (Ofenbergbahn, Unterengadinerbahn, Reschenbahn).

GK, Quelle Landtag Südtirol

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Letzte Änderung am Mittwoch, 06 Dezember 2017 11:38

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