english

Mittwoch, 07 April 2021 08:00

Großbritannien: Verkehrsvertrag für West Coast Partnership soll verlängert werden

avanti2avanti2a
Fotos Avanti West Coast.

Das britische Verkehrsministerium (DfT) gab Ende März bekannt, dass der laufende Verkehrsvertrag der sog. "West Coast Partnership" (Avanti West Coast) durch eine Direktvergabe um bis zu 10 Jahre verlängert werden könnte. First Group und Trenitalia hatten im Dezember 2019 die Bedienung der Westküstenstrecke (West Coast Main Line) zwischen London und Liverpool, Manchester sowie Glasgow übernommen.

Der "Franchise"-Vertrag für Avanti West Coast sollte ursprünglich bis 2030 gelten und die Bedienung der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 beinhalten, war im Dezember 2020 jedoch auf den Zeitraum bis Ende März 2026 verkürzt worden. Dabei hatte das DfT alle "Franchise"-Verträge bereits im vergangenen Jahr durch sog. Übergangsverträge (Emergency Recovery Management Agreement, ERMA) ersetzt, um die Bahngesellschaften vor hohen Verlusten infolge des drastischen Fahrgastrückgangs während der Pandemie zu schützen.

Nach mehreren Verstaatlichungen regionaler Bahnnetze in Grossbritannien war in den vergangenen Monaten heftig diskutiert worden, ob auch Avanti West Coast nach Auslaufen der Übergangsverträge zum 1. April 2022 durch einen staatlichen Betreiber abgelöst werden könnte.

Eine grundsätzliche Entscheidung zur Art und Weise der Nachfolge aller "Franchise"-Verträge wurde bisher noch nicht von der Regierung bekanntgegeben. Durch die jetzt angekündigte Direktvergabe kann jedoch zumindest die Bedienung der wichtigen Westküstenstrecke einschliesslich der Anschlussverbindungen von Crewe nach Chester und Holyhead sowie von Preston nach Blackpool im Fernreiseverkehr bis März 2032 gesichert bleiben.

Die Verkehrsgewerkschaft RMT hingegen verurteilte die mögliche Direktvergabe scharf. Sie reagierte auf die Ankündigung des DfT, einen zehnjährigen Vertrag für den Betrieb der West Coast Main Line an First Trenitalia vergeben zu wollen, mit der Forderung, den Privatisierungswahn zu beenden und den Betrieb stattdessen in öffentliches Eigentum zu übernehmen. RMT schätzt, dass First Trenitalia im Rahmen des ERMA und des vorangegangenen EMA bis März 2022 über 30 Mio. GBP an Managementgebühren verdienen könnten, wobei diese Profite durch einen weiteren zehnjährigen Vertrag zementiert werden sollen.

RMT-Generalsekretär Mick Cash erklärte dazu: "Es ist unsinnig, dass die Regierung erwägt, First Trenitalia grünes Licht zu geben, um die West Coast Main Line ein ganzes Jahrzehnt lang zu betreiben und davon zu profitieren, während die Alternative, öffentliches Eigentum, sich bereits als effektiv erwiesen hat und ein weitaus besseres Preis-Leistungs-Verhältnis für Fahrgäste und Steuerzahler bietet. Wenn es der Regierung ernst damit ist, unsere Klimaziele zu erreichen und wirklich besser zu bauen, dann muss sie diesem Kapitalismus ein Ende setzen und die Westküstenstrecke sowie den Rest der Bahn in öffentliches Eigentum überführen."

Quellen: GOV.UK, Railadvent, RMT

Zurück

Letzte Änderung am Mittwoch, 07 April 2021 09:07

Nachrichten-Filter