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Mittwoch, 14 April 2021 12:00

Schweiz: Ausflug zu den Tessiner Schmalspurbahnen FLP und FART (Teil 3)

 fart centovalli tm 9 baudienst dieseltraktor in ponte brolla 8.4.2021 dr. m. straessle (107)mfart centovalli triebwagen 52 in camedo 8.4.2021 dr. m. straessle (79)m

Anschliessend an den Ausflug zur FLP bin ich am Mittag per Bahn – wiederum durch den Ceneri-Basistunnel mit einem neuen SBB-TILO S-Bahnzug von Lugano direkt in 30 Minuten nach Locarno gefahren und habe mich dort kurz im grosszügigen FART-Tiefbahnhof Lugano-Muralto umgesehen.

 Ferrovia Autolinee Regionali Ticinesi FART, Centovalli–Bahn Locarno – Camedo –SSIF – Re - Domodossola (I)

fart centovalli triebwagenzug 45 werkstaette ponte brolla 8.4.2021 dr. m. straessle (22)mfart centovallibahn triebwagen 53 werkstaette ponte brolla 8.4.2021 dr. m. straessle (26)m

Dieser ist neben einem in U-Bahn-Manier gestalteten Meterspur-Bahnhof zugleich auch Einstellhalle für einen Grossteil des FART-Rollmaterials, d.h. die meisten Triebwagen werden über Nacht hier abgestellt – ähnlich einer grossen Depot-Halle. Auch einer der heute noch als Reserve genutzten Triebwagen ABDe 6/6 Nr. 6/6 Nr. 31 und 32 mit Baujahr 1963 war zu sehen. Diese dienen noch als eiserne Reserve und für geplante Nostalgie-Züge – gemeinsam mit den ebenfalls noch vorhandenen Personenwagen B4 Nr. 120 – 123 der Centovalli-Bahn. Den Planverkehr wickeln heute die folgenden sieben Triebwagen der FART ab: ABe 4/6 Nr. 52 – 54 (Regionalzüge Locarno – Intragna – Camedo) und die vier Triebwagenzüge ABe 4/8 Nr. 45 – 48 (Centovalli-Express Locarno – Domodossola und Regionalzüge Locarno – Camedo) der FART ab. (Die Triebwagen 45 – 48 sind 2011 durch Umbau und Verlängerung/Modernisierung der ursprünglichen ABe 4/6 Triebwagen 55 – 58 von 1993 entstanden).

Als Nostalgie-Fahrzeug ist noch der ursprüngliche Triebwagen Nr. 7 der Trambahn Locarno vorhanden, der nach der Einstellung dieses Trambetriebs 1960 bei der FART als Baudienst-Fahrzeug überlebt hatte und wunderschön restauriert wurde. Für Bahndienst-Zwecke ist zudem der Diesel-Traktor Tm 2/2 Nr. 9 (mit Kran und kleiner Ladebrücke) vorhanden, dem ich mehrfach an verschiedenen Stellen entlang der Strecke begegnet bin, der jedoch jeweils bei Zugkreuzungen sogleich wieder den Bahnhof verlassen hat, noch bevor ich diesen aus der Nähe hätte fotografieren können. Am Abend stand er in Ponte Brolla auf einem kurzen Abstellgleis – gekuppelt mit einem Niederbordwagen.

fart centovalli nr. 52 in camedo 8.4.2021 dr. m. straessle (96)mfart centovalli triebwagen 52 in intragna 8.4.2021 dr. m. straessle (66)m
kirche san gottardo in intragna mit höchstem campanile im kanton tessin 8.4.2021 dr. m. straessle (75)mfart centovalli triebwagen 52 im bhf. intragna 8.4.2021 dr. m. straessle (64)m
fart triebwagenzug 47 centovalli express in ponte brolla 8.4.2021 dr. m. straessle (35)mfart centovalli fahrplan locarno camedo 8.4.2021 dr. m. straessle (1)m
fart centovalli triebwagen 31 locarno muralto 8.4.2021 dr. m. straessle (4)mfart centovalli ponte brolla 8.4.2021 dr. m. straessle (32)m

Der Fahrplan der Centovalli-Bahn ist aktuell bei der CORONA-Lage und dem weitgehend ruhenden Internationalen Verkehr mit Italien fast ausschliesslich auf die rein schweizerische Relation Locarno – Camedo beschränkt und tagsüber reichen meist zwei bis max. drei Triebwagen für die Abdeckung des Fahrplans aus. Von einem Takt-Fahrplan – wie sonst in der Schweiz üblich – kann zur Zeit bei der Centovalli-Bahn nicht wirklich gesprochen werden (vgl. die von mir fotografierte Fahrplantafel aus Locarno FART) – man muss sich die Fahrtzeiten individuell raussuchen – eine Stunde später sieht es meist wieder anders aus… Ein Fahrplan wie aus den 60er oder 70er-Jahren vor der Einführung des Taktfahrplans in der Schweiz.

Durchgehende Zugpaare werden derzeit nur zwei – je eines am frühen Morgen und eines am Abend zwischen Locarno und der benachbarten SSIF (der meterspurigen Fortsetzung der Centovalli-Bahn auf italienischem Staatsgebiet) geführt. Diese dürften auf die Bedürfnisse der verbliebenen Berufs-Pendler aus Italien im Tessin ausgelegt sein. Der – ausserhalb der Corona-Zeiten – bei Schweizern beliebte Verkehr Tessin – Wallis via Domodossola dürfte derzeit (Pandemie-bedingt) nicht erwünscht sein.

Für den Vororts-Verkehr zwischen Locarno und Ponte-Brolla verkehren parallel und ergänzend zu den Zügen noch die FART-Busse der Strecke ins Maggia-Tal. Mit einem solchen bin ich am Mittag bis Ponte-Brolla gefahren, um dort noch einen Besuch in der Werkstätte machen zu können und ein wenig zu fotografieren.

Die Strecke befindet sich baulich in einem guten Zustand und auch die Bahnhofsgebäude sind gepflegt und renoviert. Die meisten Zwischen-Stationen der Centovalli-Bahn sind mit Ausweich-Gleisen versehen, einzelne Stationen weisen zusätzliche Abstellgleise für einige dem Bahndienst vorbehaltene offene Güterwagen auf. In Ponte-Brolla (dessen liebenswerter kleiner Bahnhof mit «Biglietteria» demnächst einem Neubau geopfert werden soll) befindet sich im Bereich des früheren Abzweigs in Richtung Maggia-Tal (eingestellt 1965) eine modern eingerichtete zweigleisige, hervorragend ausgerüstete Bahnwerkstätte, in welcher zwei Triebwagenzüge nebeneinander Platz finden.

Im Schweizer Grenzbahnhof Camedo existiert ebenfalls eine Einstellhalle, in welcher ein Triebwagen unter Dach abgestellt werden kann, was insbesondere im Winter über Nacht der Fall sein dürfte.

Die Bahn und die neuzeitlich wirkenden Fahrzeuge sind gut in Schuss und man darf sich auch hier die Frage stellen, weshalb bereits wieder eine neue Generation Fahrzeuge bestellt werden musste? Als Antwort dürfte neben einer allgemeinen Erneuerung des Fuhrparks der FART (und der SSIF) das Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz herangezogen werden. Die für die Centovalli Bahn bestellten neuen Fahrzeuge dürften sich von jenen auf der FLP voraussichtlich unterscheiden, da auf der Centovalli-Bahn insbesondere für den rauhen Winter-Betrieb und die Gebirgsbahn-Trassierung reine Tram-Triebwagen nicht so geeignet sein dürften wie konventionelle, etwas schwerere Meterspur-Triebwagen.

Noch kann man aber die FART mit der aktuellen Generation an Fahrzeugen erleben, da die neuen frühestens 2022/23 erwartet werden.

Am späteren Nachmittag ging es von Locarno zuerst wieder mit der TILO-S-Bahn nach Bellinzona und von dort mit den SBB via Gotthard Basis Tunnel nach Arth-Goldau. Von dort via VORALPEN-Express der SOB zurück nach St. Gallen und meinem Wohnort Wittenbach.

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Letzte Änderung am Montag, 12 April 2021 09:38

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