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Mittwoch, 28 April 2021 08:00

Polen: Stettiner S-Bahn-Projekt in Zeitnöten

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Fotos Stowarzyszenie Szczecińskiego Obszaru Metropolitalnego.

Im Rahmen des Projekts zur Einführung eines S-Bahn-Systems im Raum Szczecin/Stettin ("Szczecińska Kolej Metropolitalna") mit 118 km Gesamtlänge stehen wegen Bauverzug 512 Mio. PLN (112 Mio. EUR) an EU-Subventionen auf dem Spiel. Wenn die Arbeiten nicht bis Ende 2023 erledigt sind, könnte das Geld verloren gehen.

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Für die Revitalisierung der Strecke Szczecin/Stettin – Police/Pölitz und die Modernisierung der Stationen auf den Strecken in Richtung Goleniów/Gollnow, Gryfino/Greifenhagen und Stargard ist die PKP Polskie Linie Kolejowe SA (PKP PLK) verantwortlich. Auftragnehmer ist die Firma Trakcja PRKiI SA. Sie gewann die Ausschreibungen mit einem Gesamtbetrag von 618 Mio. PLN. Im Juli 2018 wurden mit Trakcja zwei Verträge für die Entwicklung der Planungsunterlagen und die Durchführung der Arbeiten unterzeichnet. Einer sieht die Modernisierung der Strecke 406 auf dem Abschnitt Szczecin Gł./Stettin Hbf – Police/Pölitz vor, der zweite ist die Modernisierung ausgewählter Fahrgastinfrastruktur auf den Strecken 273 Szczecin/Stettin – Gryfino/Greifenhagen, 351 Szczecin/Stettin – Stargard und 401 Szczecin/Stettin – Goleniów/Gollnow. Das Projekt umfasst den Umbau bzw. die Modernisierung von ca. 23,75 km Strecke sowie 40 Stationen.

Das Problem ist, dass Monate vergangen sind und bis Anfang April 2021 praktisch nichts passierte. Besonders auffällig ist dies auf der Strecke Szczecin/Stettin – Police/Pölitz, wo am meisten getan werden muss (der Personenverkehr wurde hier 2002 eingestellt), es bisher aber praktisch nur zum massiven Fällen von Bäumen entlang der Gleise reichte. PKP PLK beschuldigte kürzlich die Auftragnehmer, ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen zu sein, und versucht, sie zur Intensivierung ihrer Arbeit zu zwingen. Trakcja machte jedoch geltend, dass die Verzögerungen auf eine falsche Beschreibung des Vertragsgegenstands durch den öffentlichen Auftraggeber zurückzuführen seien, die nun mit zusätzlichen Planungsarbeiten und einem langwierigen Verhandlungsprozess verbunden sei. Beide Parteien erklären sich bereit, eine Einigung zu erzielen und die Umsetzung zu beschleunigen. Das übergeordnete Ziel besteht nun darin, vor dem 31.12.2023 die 512 Mio. PLN aus dem EU-Zuschuss zu "sichern" und unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesamtinvestition in Höhe von 784. Mio. PLN (172 Mio. EUR) zu retten.

Auf der Strecke nach Pölitz, welche Stettin halbkreisförmig durchquert, wurde bereits im Frühjahr 2020 eines der beiden Gleise und die Oberleitung demontiert, ebenso der Bahnsteig am Bahnhof Szczecin Mścięcino/Messenthin. Danach passierte nicht mehr viel, nach einer "Sommerpause" folgte eine "Winterpause". Im Februar 2021 stellte der Auftragnehmer die Arbeiten ein und nahm sie trotz Aufforderung nicht wieder auf. Erst am 7. April begannen 15 bis 20 Personen täglich mit Baugeräten wieder auf der Baustelle zu erscheinen. Laut PKP PLK ist die Renovierung der Brücke über den Przęsocińska Struga/Neuendorfer Bach abgeschlossen, die Gleise werden später ersetzt. Zwischen Szczecin Skolwin/Odermünde und Police/Pölitz wurde der Bereich für die Montage der neuen Gleise vorbereitet, und nach der zweimonatigen Pause der Bau der Gleisentwässerung wieder aufgenommen. Die Stützmauer zwischen Szczecin Gł./Stettin Hbf und Szczecin Turzyn/Stettin-Torney wurde repariert. Im Bahnhof Szczecin Turzyn/Stettin-Torney sind Gleisrückbauten im Gange. Es ist der Bau von vier neuen Haltepunkten geplant: Szczecin Cmentarz Centralny, Szczecin Niemierzyn, Szczecin Stołczyn Północny und Police Dąbrówka.

Ursprünglich wurde angenommen, dass die ersten S-Bahnen 2022 fahren würden. Es ist jedoch offensichtlich, dass durch den Bauverzug die Maßnahmen im Jahr 2022 nicht abgeschlossen sein werden. Im Nadelöhr zwischen Szczecin Turzyn/Stettin-Torney und Szczecin Pomorzany/Stettin-Pommerensdorf, einem 1,7 km langen bisher eingleisigen Abschnitt, muss noch ein vollkommen neu zu errichtendes zweites Gleis gebaut werden. Die Züge sollen zu Stoßzeiten jede halbe Stunde und außerhalb der Hauptverkehrszeiten stündlich verkehren. Der Betreiber der durchschnittlich 240 S-Bahn-Züge pro Tag wird für die nächsten zehn Jahre (2021 - 2030) Polregio sein.

Hans-Jürgen Schulz

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Letzte Änderung am Dienstag, 27 April 2021 20:47

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