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Samstag, 01 Mai 2021 12:00

Polen: Mit PKP Intercity direkt ins Bieszczady-Gebirge

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Fotos Peter Wilhelm.

In den Sommerferien 2021 wird PKP Intercity erstmalig den Ort Uherce Mineralne im Bieszczady-Gebirge, einem Teil der Ostkarpaten, erreichen. Um die saisonal verkehrenden Wochenendzüge zu ermöglichen, renoviert PKP Polskie Linie Kolejowe (PKP PLK) vorher noch eine Brücke über den Fluss San und die ansonsten verkehrslose Bahnstrecke von Zagórz nach Uherce.

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Aus den bereits seit Dezember veröffentlichten Fahrplänen geht hervor, dass PKP Intercity an den Sommerwochenenden den Betrieb auf der Strecke 108 bis zum Bahnhof Uherce verlängern wird. Es wird dabei ein gepachteter Dieseltriebwagenzug von SKPL CARGO zum Einsatz kommen. Der Schnellzug TLK 30162 wird jeweils samstags von Kraków Gł./Krakau Hbf ab Nowy Zagórz über die Verbindungskurve direkt bis Uherce fahren, von dort nach einem Richtungswechsel zurückkehren und über den Bahnhof Zagórz nach Süden bis Komańcza und Łupków nahe der slowakischen Grenze weiterfahren. Sonntags geht es als TLK 33162 umgekehrt zurück.

Die Idee, Uherce, Komańcza und Łupków mit einem Zug aus Krakau zu verbinden, resultiert u. a. aus dem Wunsch, den Fahrgästen eine direkte Verbindung zur nächstgelegenen Touristenattraktion – den Solina- und Myczkowskie-Stauseen – zu ermöglichen. Zugleich wird damit der Stadt Lesko, wenngleich 5 km vom Bahnhof entfernt auf einer Hochebene über dem San gelegen, der Zugang zur Bahn verbessert, was für die Bewohner wie Touristen von großer Bedeutung ist. Der 5.000-Einwohner-Stadt blieb beim Bau der Ersten Ungarisch-Galizischen Eisenbahn (EUGE) 1872 eine nähere Anbindung verwehrt, da die polnische Adelsfamilie Krasicki nicht damit einverstanden war, dass eine Eisenbahn durch den Uferteil ihres Schlossparks gebaut wird. Uherce, der Name weist auf die ungarische Etymologie und seine Verbindung mit dem Namen der historischen Region Ungarns und dem durch sie fließenden Fluss Ung hin, ist einer der ältesten Orte im Bieszczady-Gebirge; von hier zu den Seen sind es nur wenige Kilometer, und zwischen Uherce und diesen Orten verkehren täglich mehrere Busse.

Trotz der ungewöhnlichen Stichfahrt nach Uherce verbessert sich der aktuelle Fahrplan. Letztes Jahr fuhr der Zug nach Łupków in der Saison nur einmal pro Woche, dieses Jahr wird die Verbindung sogar zweimal wöchentlich verkehren, davon einmal mit Abstecher nach Uherce (TLK "Bieszczady") und einmal ohne, d. h. von Sanok nur in Richtung Łupków (TLK "Połoniny").

PKP PLK führt derzeit Arbeiten zur Verbesserung des Zustands der Infrastruktur auf dem Abschnitt Zagórz – Uherce durch. Damit im Sommer 2021 die Strecke von Zagórz über die Brücke in Richtung Uherce befahrbar bleibt, ist dies etappenweise geplant, so werden bis zum 24. Juni nur Arbeiten zur Erneuerung des Belags auf den Zufahrtsstraßen und an den Brückenstützen durchgeführt, an der Strecke werden Schwellen ausgetauscht. Als Ergebnis dieser Arbeiten wird die zulässige Geschwindigkeit des Zuges auf 50 km/h erhöht. Die Elemente der zu rekonstruierenden Eisenbahnbrücke stammen aus Krakau, wo die Brücke über die Weichsel demontiert wurde. In der nächsten Phase nach dem 26. September 2021 wird dann die Brückenkonstruktion ersetzt werden. Die Fertigstellung der Arbeiten ist für Dezember 2021 vorgesehen. Vorerst sind keine Arbeiten am weiteren Abschnitt von Uherce nach Krościenko geplant. Von dort bis in die ukrainische Stadt Chyriv fuhren bis 2010 internationale Züge von Przewozy Regionalne.

Geschichtlich interessant dürfte auch die kurzzeitige russische Breitspurära der Strecke im Herbst 1945 sein, als diese bis Jasło reichte. Zudem litt die Gegend von 1944 bis 1951 unter der Operation "Wisła", wo die polnische Armee eine ethnische Säuberung durchführte und die ukrainischen Bewohner, darunter auch Polen aus Mischehen und andere ruthenische Minderheiten, welche die Mehrheit der Einwohner ausmachten, deportierte. Etwa 150.000 Zivilisten wurden dabei vertrieben. Mehr zur EUGE als Teil der Galizischen Transversalbahn wurde in einem Artikel im LR-Heft 11/2005 berichtet.

Hans-Jürgen Schulz

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