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Samstag, 08 Mai 2021 19:05

Großbritannien: Risse in Schweissnähten - Fernverkehr von GWR und LNER weitgehend unterbrochen

GWR 800305 Swansea 3 18 08 16LNER 800106 IC LDS KGX Newark=NG3 19 09 11
Fotos Rüdiger Lüders.

Bereits im vergangenen Monat waren bei Routinekontrollen der modernen Hochgeschwindigkeitszüge der Great Western Railway (GWR) Risse in Schweissnähten festgestellt und vorübergehend einige Züge der Baureihe 800 ausser Betrieb gesetzt worden. Im Verlauf regelmäßiger Wartungsarbeiten wurden nun an weiteren Zügen ähnliche Mängel erkannt, so dass alle Hochgeschwindigkeitszüge dieses Typs, d.h. die Class 800/802 von GWR und 800/801 von LNER, aber auch die Class 802 von Hull Trains und TransPennine Express, aus dem Verkehr genommen sind.

GWR 802005 Exeter=St.D 2 18 08 29GWR 802005 Lostwithiel 1a 18 08 28

Am Morgen des 8. Mai erließen die betroffenen Bahngesellschaften in Absprache mit dem Hersteller Hitachi ein Einsatzverbot für die Züge dieses Typs bis jeder einzelne eine Kontrolle der Schweissnähte erfolgreich durchlaufen hat. Aufgrund der großen Anzahl betroffener Fahrzeuge, insgesamt über 1000 Wagen, wird die Untersuchung der Züge einige Wochen in Anspruch nehmen.

LNER 800104 IC LDS KGX Doncaster 6 19 09 09LNER 800113 IC KGX LDS L=Kings=Cross3 19 09 12

Der Eisenbahnminister Chris Heaton-Harris erklärte dazu: "Ich teile die Enttäuschung der Reisenden, die von erheblichen Störungen betroffen sind, und bitte diejenigen, die jetzt eine Reise planen, sich vorher unbedingt zu informieren." Er ergänzte, dass die Bahngesellschaften und der Hersteller bemüht sind, das Problem schnellstmöglich zu lösen.

Der Eisenbahnexperte Roger Ford bestätigte: "Es wird eine lange Zeit dauern, alle Züge zu überprüfen. Nötige Reparaturen werden sehr schwierig sein." Er fügte hinzu, dass die gesamte Intercity-Flotte von GWR und LNER ausser Betrieb sein wird, während die Inspektionen laufen. Schweissarbeiten an den Wagen sind schwierig und zeitaufwändig, da die Wagenkästen aus Aluminium bestehen.

Insbesondere GWR und LNER sind von der vorübergehenden Abstellung der Züge schwer betroffen, da sie die mit der Einführung der neuen Triebzüge vor zwei Jahren überflüssüg gewordenen Vorgängern inzwischen verkauft oder verschrottet haben. Beide Bahngesellschaften empfehlen ihren Kunden, vorerst auf Bahnreisen in den Südwesten Englands und Wales sowie entlang der Ostküstenstrecke zu verzichten.

Manuel Cortes, Generalsekretär der Transportarbeitergewerkschaft TSSA betonte: "Diese Züge dürfen nicht wieder in Betrieb genommen werden, bis wir zu 100 % überzeugt sind, dass sie sicher sind. Weil die betroffenen Züge relativ neu sind, sollten die Hersteller für eventuelle Reparaturen aufkommen, nicht die Fahrgäste oder die Steuerzahler."

Mick Lynch, der neue Generalsekretär der Verkehrsgewerkschaft RMT, ergänzte: "RMT ist sich der Probleme, die heute zur Streichung von Zügen der LNER geführt haben, voll bewusst und weiß, dass ähnliche Probleme auch in der Flotte der GWR aufgetreten sind. Nun muss Hitachi die höchsten Sicherheitsstandards gewährleisten und die Probleme ordnungsgemäß untersuchen und beheben."

Hitachi Rail erklärte dazu: "Einige Züge der Class 800 wurden als Vorsichtsmaßnahme aus dem Fahrgastbetrieb genommen, um gründliche Untersuchungen zu ermöglichen. Wir arbeiten mit allen Partnern zusammen, um dieses Problem so schnell und sicher wie nur möglich zu beheben. Wir möchten uns bei unseren Fahrgästen aufrichtig für die Unannehmlichkeiten entschuldigen."

Der Zeitpunkt des Problems könnte kaum schlechter sein. Das britische Schienennetz bereitet sich darauf vor, am 17. Mai mit 85 % des Angebotes wie vor der Pandemie in den Normalbetrieb zurückzukehren. Die Betreiber haben viel Lobbyarbeit bei Premierminister Boris Johnson geleistet, um die Einschränkungen der sog. sozialen Distanzierung zu beenden.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, GK; Quellen: BBC, Guardian, Telegraph, Times, National Rail

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