english

Montag, 24 Mai 2021 16:10

Italien: Ein Tag nach der Seilbahnkatastrophe - Gebrochenes Zugseil und Bremsversagen

fuco1
Foto Corpo Nazionale dei Vigili dei del Fuoco.

Am Tag nach der Tragödie, die 14 Menschen das Leben gekostet hat, und während der einzige Überlebende, ein 5 Jahre alter Junge, um sein Leben kämpft, fragt die italienische Presse nach den Ursachen, die zum Absturz der Seilbahn Stresa - Mottarone geführt haben könnten.

Der Minister für Infrastruktur und nachhaltige Mobilität, Enrico Giovannini, hat in Begleitung des Leiters des Katastrophenschutzes, Fabrizio Curcio, Stresa besucht, um sich mit den Institutionen und lokalen Behörden zu treffen und sich über den tragischen Unfall zu informieren, der sich gestern an der Seilbahn ereignet hat, die die Stadt am Lago Maggiore mit dem Berg Mottarone verbindet. "Es ist ein Tag großer Trauer für das ganze Land und die Regierung steht an der Seite der Familien der Opfer", sagte Minister Giovannini beim Pressetermin am Ende des Runden Tisches im Palacongressi in Stresa.

Aus der ersten Analyse, die von der Staatsanwaltschaft Verbania gestellt wurde, geht hervor, dass das Zugseil kurz vor der Ankunft an der Bergstation gerissen ist. Die Kabine, rollte unkontrolliert hundert, zweihundert, dreihundert Meter zurück, beschleunigte immer mehr und löste sich von dem Tragseil. Eigentlich hätte ein Sicherheitssystem mit Klemmbacken ausgelöst werden müssen, aber es hat nicht funktioniert. Ersthelfer, die am Unfallort eintrafen, bestätigten, dass die Notbremse nicht betätigt worden war. Das System war im November 2020 überprüft worden, und zu diesem Zeitpunkt schien alles in Ordnung zu sein.

Eine zweite Hypothese beinhaltet das versehentliche Lösen der am Tragseil eingehängten Umlenkrolle. In diesem Fall könnte die Kabine nur am Zugseil gehangen haben, wodurch das Kabel gebrochen ist. Diese noch zu bestätigende Hypothese würde erklären, warum das Bremssystem, das die Kabine stromaufwärts hätte blockieren müssen, nicht aktiviert wurde.

Die beiden Kabinen können bis zu 40 Personen befördern, aber aufgrund von Covid wurde die Kapazität auf maximal 15 reduziert. Es gibt kein Fahrpersonal, alles läuft automatisch und wird von den Tal- und Bergstationen geregelt.

Als die Ankunft in der Bergstation gerade beginnt, ist ein Schlag zu hören, "wie ein Knacken", berichtet ein Zeuge dem Corriere della Sera. Es ist das Zugseil, das die Kabine bergauf zieht, das gerissen ist. Die Kabine beginnt rückwärts zu fahren. Nach etwa 300 Metern erreichte sie mit hoher Geschwindigkeit den Pylon, den sie wenige Minuten zuvor bergauf passiert hatte und der nun zum Trampolin wurde, das sie in die Luft schleuderte und dreißig Meter in die Tiefe fallen ließ.

Das Ministerium für Infrastruktur und nachhaltige Mobilität hat eine Expertenkommission eingesetzt, die die Aufgabe hat, "die technischen und organisatorischen Ursachen" zu ermitteln, die zu dem sehr schweren Unfall geführt haben. Der Leiter der Abteilung für Verkehr und Schifffahrt, Mauro Bonaretti, hat das Dekret zur Einsetzung der Expertenkommission unter dem Vorsitz von Prof. Gabriele Malavasi unterzeichnet, die einen detaillierten Bericht über die technischen und organisatorischen Ursachen zu erstellen hat, der dem Minister vorgelegt wird. Diese Kommission wird zusätzlich zu den Kontrollen der Generaldirektion für Eisenbahn- und Schifffahrtsuntersuchungen - DGFEMA, einer von der europäischen Gesetzgebung vorgesehenen unabhängigen Untersuchungsstelle, spezifische Untersuchungen durchführen. Die DGFEMA hat eine Untersuchung eingeleitet, um die direkten und indirekten Ursachen des Unfalls festzustellen und die am besten geeigneten Maßnahmen zu ermitteln, um eine Wiederholung ähnlicher Ereignisse zu vermeiden, unbeschadet der Beurteilung etwaiger Verantwortlichkeiten, die ausschließlich in die Zuständigkeit der Justiz fallen.

Inzwischen haben die zuständigen Stellen des Ministeriums mitgeteilt, dass die Generalüberholung der Anlage im August 2016 stattgefunden hat, die Kontrollen dann im Juli 2017 folgten und anschließend, zwischen November und Dezember 2020, spezifische Kontrollen an den Seilen durchgeführt wurden. Insbesondere wurden im November 2020 magnetoskopische Kontrollen an den Tragseilen, den Zugseilen und dem Rettungsseil durchgeführt. Schließlich wurde im Dezember 2020 eine Sichtprüfung der Spannseile durch eine Fachfirma durchgeführt.

Leitner-Firmenchef Anton Seeber bestätigte dies der Nachrichtenagentur AGI. Im August vor fünf Jahren hatte Leitner die Anlage am Lago Maggiore generalüberholt. "Seither haben wir jährlich im November die Überprüfung durchgeführt, die immer positiv ausgefallen ist.“ Dabei sei auch immer das Seil geprüft worden. Leitner hat bei der Seilbahn nicht nur die außerordentlichen Kontrollen durchgeführt, sondern war auch für die ordentliche Wartung zuständig.

Staatsanwaltschaft Verbania ermittel wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Der zentrale Punkt der Untersuchung wird sein, zu verstehen, warum das Zugseil gerissen ist und warum die Notbremsen nicht funktioniert haben. Nach ersten Begehungen durch die Feuerwehr hat der Magistrat die gesamte Anlage unter Zwangsverwaltung gestellt.

"Das, was mich am meisten beeindruckte, war die kleine Hand eines Kindes, die aus dem Wrack der Kabine ragte", sagte die Staatsanwältin Olimpia Bossi gegenüber der Zeitung Corriere della Sera. "Viele von uns haben geweint. Bevor ich den Abtransport der Leichen genehmigte, bat ich um eine Schweigeminute."

WKZ, GK, Quelle Corriere della Sera, Ministerium für Infrastruktur und nachhaltige Mobilität

Zurück

Letzte Änderung am Montag, 24 Mai 2021 17:15

Nachrichten-Filter