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Mittwoch, 26 Mai 2021 08:48

Italien: Verfahren gegen drei Seilbahn-Angestellte wegen Überbrückung der Notbremse

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Foto Soccorso Alpino e Speleologico.

Drei Seilbahn-Angestellte wurden nach einer zwölfstündigen Anhörung von Mitarbeitern und Technikern des Seilbahnbetreibers Ferrovie del Mottarone noch in der Nacht festgenommen, da sie die Notbremse der Seilbahn außer Betrieb gesetzt haben. "Es gab Störungen in der Seilbahn, die Wartung wurde gerufen, die das Problem nicht oder nur teilweise gelöst hat. Um weitere Betriebsunterbrechungen zu vermeiden, entschlossen sie sich, die 'Gabel' (Forchettone) zu belassen, die bei Wartungsarbeiten die Bremsbacken der Notbremse auseinander hält."

Die drei Verhafteten, darunter der Leiter der Seilbahn von Mottarone, ein Betriebsdirektor und ein Angestellter, müssen sich wegen "Beseitigung oder vorsätzlicher Unterlassung von Vorkehrungen" nach Artikel 437 des Strafgesetzbuches verantworten, der denjenigen bestraft, der "Einrichtungen, Ausrüstungen oder Zeichen, die dazu bestimmt sind, Katastrophen oder Unfälle bei der Arbeit zu verhindern, nicht anbringt, entfernt oder beschädigt". Die Anklage wird verschärft, "wenn sich aus der Tatsache eine Katastrophe ergibt".

Ein ''bewusstes und befremdliches Verhalten'', stellte die Staatsanwältin Olimpia Bossi fest, denn die drei Angestellten hätten von der Fehlfunktion des Bremssystems gewusst und es zur ''Vermeidung von ständigen Störungen und Unterbrechungen'' vorgezogen, wochenlang die Fahrgäste weiter zu gefährden. So wurde "in dem Glauben, dass ein Kabelbruch niemals hätte eintreten können, das Risiko eingegangen, das dann leider zu dem tödlichen Ausgang geführt hat."

Laut Staatsanwaltschaft waren sich die drei Beschuldigten bewusst, dass die Anomalie der Notbremse eine konsequentere Sperrung der Anlage erfordert hätte. Um den den Verlust von Einnahmen zu verhindern, hätten sie also beschlossen, "in das Sicherheitssystem einzugreifen", d. h. eine Gabel zur Behebung des Problems an der Bremsanlage anzubringen. Gegen die drei Festgenommenen spreche ein "starkes Indiziengerüst". Der Leiter des Werks der Seilbahn von Mottarone und der Betriebsleiter waren "Leute, die eine rechtliche und wirtschaftliche Entscheidungen treffen". Durch die Analyse der Ergebnisse konnten die Ermittler, die das Seilbahnunglück von Mottarone untersuchten, feststellen, dass "das Notbremssystem der abgestürzten Kabine manipuliert war".

WKZ, Quelle Ansa, Today

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Letzte Änderung am Mittwoch, 26 Mai 2021 09:13

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