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Freitag, 15 Dezember 2017 13:04

Österreich: Letzter Durchschlag bei der Tunnelkette Granitztal der Koralmbahn

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ÖBB Projektleiter und ÖBB Projektkoordinator. Fotos ÖBB/Pachoinig.

Am Montag, den 11.12.2017, fand der letzte bergmännische Tunneldurchschlag in der Südröhre des Tunnels "Langer Berg" im Gemeindegebiet Ruden statt. Der Tunnel "Langer Berg" gehört zur Tunnelkette Granitztal, die im fertigen Zustand das zweitlängste durchgehende Tunnelsystem entlang der Koralmbahn bildet.

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Grafik ÖBB/3D-Schmiede.

Zwei parallel geführte Röhren verbinden dann auf direktem Weg das Lavanttal mit dem Jauntal. Nach der Gesamtfertigstellung der Koralmbahn können Fahrgäste in 45 Minuten von Klagenfurt nach Graz reisen; das Lavanttal ist künftig in nur 22 Minuten von Klagenfurt aus erreichbar.

Bauablauf im Plan

Die Bautätigkeiten in diesem Abschnitt haben im Jänner 2015 begonnen. Der Vortrieb am Tunnel "Deutsch-Grutschen" startete beim Nordportal im Lavanttal in Richtung Granitztal. Gleichzeitig wurden im Granitztal umfangreichen Erdarbeiten in Angriff genommen. Im Herbst 2015 begann der Vortrieb am Tunnel "Langer Berg" vom Granitztal in Richtung Jauntal. Der erste Durchschlag vom Tunnel "Deutsch-Grutschen" ins Granitztal erfolgte im August 2016. Der Tunnel "Langer Berg" erreichte heuer im Oktober das Jauntal. Die endgültige Geländemodellierung im Granitztal findet ab 2018 statt.

Verschiedene Bauweisen

Während die Tunnel "Deutsch-Grutschen" und "Langer Berg" in geschlossener Bauweise errichtet wurden, kann der Abschnitt im Granitztal in offener Bauweise hergestellt werden. Bei Letzterem werden die Tunnelröhren überschüttet und das Gelände anschließend landschaftstypisch modelliert. In diesem Bereich befindet sich künftig auch eine Lüftungszentrale mit einem Notausgang und der Rettungsplatz. Zudem wird hier der Granitzbach mit einer geschlossenen Tunnelbrücke überquert. Im Endausbau werden die drei Tunnelabschnitte zu einem gesamten Tunnelsystem vereint. Das Nordportal im Lavanttal ist im Bereich des aufgelassenen Steinbruchs von Kollnitz situiert; im Süden erreichen die beiden Tunnelröhren zwischen Eis und St. Radegund die Oberfläche.

Umfangreiche Vorarbeiten

Damit die Vortriebsarbeiten so reibungslos wie möglich starten konnten, waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Zusätzlich zu weitreichenden Straßen- und Brückenbauarbeiten und einer Vielzahl an Naturschutz- und Wasserbaumaßnahmen wurde unter anderem ein 20 Hektar großer Hochwasser-Rückhalteraum (Retentionsraum) für den Hochwasserschutz für den künftigen Schnellzugbahnhof im Lavanttal geschaffen. Im Vorfeld dazu wurde die Lavant auf einer Länge von rund 1,4 Kilometer umgelegt. Die Fließgeschwindigkeit der Lavant wurde reduziert und für Fauna und Flora ein neues Gebiet mit Amphibienstillgewässern geschaffen.

Archäologische Funde

Ein weiterer Mosaikstein im Vorfeld zum Tunnelbau waren die archäologischen Untersuchungen im Granitztal, die bemerkenswerte Relikte aus längst vergangenen Zeiten zu Tage brachten: Im Bereich der Nicklmühle und der Abzweigung zur Granitztalstraße wurden rund 50 keltische Urnengräber mit teils reichen Beigaben aus der jüngeren Eisenzeit freigelegt. Zusätzlich wurden Schmuck, Schwerte, Gefäße, diverse Nadeln, Messer und Lanzenspitzen aus der La-Tène-Zeit gefunden. Konkret vermuten die Archäologen, dass die keltischen Urnen aus der Zeit zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr. stammen. Weitere spätbronzezeitliche Urnen werden dem 9. Jahrhundert v. Chr. zugeordnet. Es waren dies die bedeutendsten zusammenhängenden Funde seit vielen Jahren in Kärnten. Mit der Freilegung konnte der Bestand an eisenzeitlichen Funden in Kärnten beinahe verdoppelt werden.

Details des Abschnittes

• Ausführung: zwei eingleisige Röhren
• Gesamtlänge: 6.106 m
• Abstand der Tunnelröhren: 25 bis 50 m
• Querschläge: mind. alle 500 m
• Bahnstromversorgung: Stromschiene
• Mögliche Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Die ÖBB investieren heuer in Kärnten rund 239 Mio. Euro in die Erneuerung und in den Neubau der Infrastrukturanlagen und sind damit einer der größten Investoren im Land. Bis 2021 fließen im Auftrag des Bundes rund 1,9 Mrd. Euro nach Kärnten um moderne Schieneninfrastrukturen zu errichten und bestehende weiter zu verbessern.

Pressemeldung ÖBB

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Letzte Änderung am Freitag, 15 Dezember 2017 13:10

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