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Mittwoch, 30 Juni 2021 10:30

Griechenland: Große Ausbaupläne, wenig Züge

In den letzten Tagen wurden von Seiten des griechischen Verkehrsministeriums, vom EIU OSE und der durchführenden Tochtergesellschaft ErgOSE große Ausbaupläne für die Bahn angekündigt, auch in Anbetracht der jetzt fließenden Milliarden EU-Mittel im Zuge des Corona-Hilfsfonds.

Viel Neues ist dabei nicht, in Athen beginnen allmähllich die Arbeiten an der Metrolinie 4, mit dem Logistikzentrum Thriasio geht es endlich etwas weiter, ganz neu ist die Ankündigung von OSE, die Strecke von Aminteo nach Ptolemaida und weiter nach Kozani zu reaktivieren. Was dann tatsächlich wie schnell umgesetzt wird bleibt abzuwarten.

Gleichzeitig gibt es massive Proteste aus den Regionen der Bahnlinien, bei denen das EVU TrainOSE keine Personenzüge fahren lässt oder der Fahrplan massiv reduziert wurde, das sind vor allem die Strecken Katakolo - Pirgos - Antikes Olympia auf der Peloponnes, Paleopharsalos - Kalambaka in Thessalien, sowie Drama - Alexandroupoli in Ostmakedonien/Thrakien.

TrainOSE erhält vom griechischen Staat Ausgleichszahlungen für defizitäre (Sozial-) Verkehre, aus den Regionen wird TrainOSE Vertragsbruch vorgeworfen und den staatlichen Stellen sich nicht durchsetzen zu können bzw. uninteressiert zu sein. In weiteren Regionen ist man auch weit von den publizierten Fahtplanangeboten entfernt, von Protest hört man aber vergleichsweise wenig. Anderswo wurde zumindest ein Teil der Züge wieder in Verkehr gesetzt.

Warum TrainOSE diese Züge nicht verkehren lässt wird nicht kommuniziert, neben den ökonomoschen Faktoren ist sicher die mehr als angespannte Personal- und Fahrzeugsituation wesentlich. In jedem Fall wäre es dringend geboten, dass staatliche Stellen, vor allem das Infrastrukturministerium und die diesem nachgeordneten Behörden/Institutionen etwas mehr als Ankündigungspolitik machen. Der schon länger angekündigte Schnellverkehr Athen - Thessaloniki mit ehemaligen Cisalpinozügen wurde noch nicht aufgenommen.

Bemerkenswert ist der Güterverkehr vom Hafen Alexandroupoli nach Bulgarien und Rumänien über Svilengrad: Dieser soll im Rahmen des "Sea2Sea"-(Ausbau-) Projekts, das schon lange auch als Alternative zum Seeweg via Bosporus und Dardanellen detailliert geplant ist, aber nicht in die Gänge kommt, massiv gestärkt werden.

Was zivil nicht möglich ist geht offensichtlich militärisch: Seit der Verpachtung von Teilen des Hafens von Alexandroupoli an die US-Armee fahren von dort aus immer wieder Militäzüge nach Rumänien.

Prof. Dr. Johannes Schenkel

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Letzte Änderung am Mittwoch, 30 Juni 2021 12:16

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