Niederlande: Das Schienensystem war nicht für außergewöhnliches Winterwetter ausgelegt


Fotos NS/Robbert van Pel, ProRail.
Das niederländische Schienennetz war den außergewöhnlichen Winterbedingungen des 7. Februar und der folgenden Tage nicht gewachsen. Zu diesem Ergebnis kommen ProRail und NS in ihrer gemeinsamen Winterbewertung.


Die Reisenden litten unter eingeschränkten Reisemöglichkeiten, längeren Reisezeiten und teilweise überfüllten Zügen. Auch Frachttransporteure erlebten erhebliche Unannehmlichkeiten.
Trotz der jährlichen saisonalen Vorbereitungen von ProRail und NS erwies sich das Bahnsystem als nicht in der Lage, mit dieser Art von extremen Wetterbedingungen fertig zu werden und stieß an seine technischen Grenzen. Die Auswertung zeigt, dass in einer Reihe von Bereichen Verbesserungen möglich und nötig sind, um die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste zu minimieren. Es ist jedoch nicht möglich, Probleme, die bei dieser Art von extremem Winterwetter auftreten, vollständig zu verhindern.
ProRail und NS kommen zu dem Schluss, dass es Milliarden kosten würde, das niederländische Schienennetz zu jeder Zeit und unter allen Umständen verfügbar zu halten.
Verbesserungen
Die Auswertung zeigt, dass Verbesserungen möglich sind, damit der Fahrplan in Zukunft nach solchen extremen Wetterbedingungen schneller angefahren werden kann. ProRail und NS ergreifen Maßnahmen in vier Hauptbereichen:
• ProRail führt in Zusammenarbeit mit den Verkehrsbetrieben weitere Untersuchungen zur Winterfestigkeit (bei verschiedenen Wettertypen) der Infrastruktur in Bezug auf die Fahrpläne der Verkehrsbetriebe durch. Diese Forschung wird zu einem oder mehreren Szenarien führen, in denen die Infrastruktur reduziert wird, um dem verkleinerten Fahrplan der Verkehrsbetriebe zu entsprechen.
• ProRail wird die vorbereitenden Maßnahmen zur Winterfestmachung von Weichen verbessern. Zum Beispiel durch die Optimierung der Art und Weise, wie Inspektionen von Weichenheizungen durchgeführt werden und wie sie berichtet werden. Darüber hinaus verbessert ProRail die Priorisierung von Reparaturarbeiten bei einer großen Anzahl von Störungen.
• NS wird die Wintervorbereitung der Züge weiter verbessern.
• ProRail wird sowohl die internen Prozesse als auch die Kommunikation und die Informationsbereitstellung für die Betreiber des Regional- und Güterverkehrs in Vorbereitung auf und während des Abbaus der Infrastruktur unter winterlichen Bedingungen verbessern.
Schneeball-Effekt
Die Auswertung ergab, dass es im Vergleich zu einem normalen Wintertag am Sonntag, den 7. und Montag, den 8. Februar deutlich mehr Störungen gab als bei winterlichem Wetter üblich. Das anhaltende Schneetreiben verursachte große Probleme bei der Schneeräumung und vor allem beim Freihalten der Weichen auf den Gleisen.
Die Anzahl der Störungen auf den Bahnen löste einen "Schneeballeffekt" aus. Weil es so viele waren, gab es nicht genügend Leute und Ressourcen, um die Störungen zu beheben. Außerdem bedeutete diese Fülle von Störungen, dass ProRail Schwierigkeiten hatte, zu entscheiden, welche Störungen die Auftragnehmer zuerst beheben sollten.
Rangierbahnhöfe, Wartungsstandorte und Güterterminals waren aufgrund von Störungen auf der Schiene nicht oder nur schlecht erreichbar. Infolgedessen konnten die Züge nicht abfahren und das defekte Rollmaterial konnte den Reparaturort nicht erreichen. Bei etwa 12 % der NS-Züge gab es Probleme aufgrund des Winterwetters. Problematisch waren die Eisbildung auf den Trittbrettern und die Eisbildung an den Warntonerzeugern (Makrofonen) und Getrieben.
Diese Kombination von Faktoren führte dazu, dass am Sonntag, dem 7. Februar, fast keine Züge fahren konnten und die Inbetriebnahme des Fahrplans in den darauffolgenden Tagen sehr schwierig war.
Neustart des Zugverkehrs hat gestockt
Dank des großen Einsatzes aller Bahnmitarbeiter konnte am Montag, den 8. Februar, der Zugverkehr wieder normalisiert werden. Aufgrund der extremen winterlichen Witterungsbedingungen und des gelegentlichen Schneefalls kam es jedoch zu zahlreichen Unterbrechungen. Diese Störungen behinderten einen reibungslosen Start des Bahnverkehrs, da insbesondere der komplexe Fahrplan der NS eng mit der Verfügbarkeit der Gleise verknüpft ist.
Aufgrund der hohen Anzahl von Störungen war es nicht möglich, in der entstandenen Situation ein Szenario für die Inbetriebnahme des Fahrplans zu erstellen. ProRail und NS kannten kein logistisches Szenario unterhalb der Ebene des Winterfahrplans, in dem 80 % der Züge fahren. Diese Probleme führten dazu, dass in der Kommunikation mit den Reisenden keine Perspektive geboten werden konnte.
ProRail und die Beförderer mussten nun nicht nur eine Vielzahl von Störungen beheben, sondern auch einen neuen, sicheren Fahrplan ausarbeiten. In dieser hektischen Situation schenkte ProRail den regionalen Verkehrsbetrieben, die ihren Fahrgästen maßgeschneiderte Lösungen hätten anbieten können, zu wenig Beachtung. Infolgedessen fuhren keine Züge in Regionen, in denen dies möglich gewesen wäre.
Die Auswertung zeigt auch, dass ProRail die Betreiber des Regional- und Güterverkehrs nicht ausreichend über die Auswirkungen des extremen Winterwetters auf die Gleise und Züge informiert hat.
WKZ, Quelle NS




