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Mittwoch, 20 Dezember 2017 07:20

Frankreich: Anklage gegen Systra wegen des TGV-Unfalls Eckwersheim erhoben

Gegen Systra, die technische Tochtergesellschaft der SNCF, wurde am Dienstag (19.12.17) wegen "unbeabsichtigten Totschlags und Verletzungen" (homicide et blessures involontaires) aufgrund der Entgleisung eines TGV-Testzuges im Elsass förmlich Anklage als juristische Person erhoben. Am Ende der zweitägigen Anhörung durch den Ermittlungsrichter wurden "Ungeschicklichkeit, Nachlässigkeit, Fahrlässigkeit oder Verletzung einer Sicherheitspflicht" als Anklagepunkte genannt. Damit ist neben den für das Unglück verantwortlichen Einzelpersonen auch erstmal ein beteiligtes Unternehmen angeklagt.

Die SNCF wird ihrerseits am Mittwoch zu einer möglichen Anklage geladen.

Systra "wird sich bemühen, nachzuweisen, dass es keine Straftaten begangen hat", reagierte das Unternehmen und fügte hinzu, dass "das Verfahren die Funktionsweise des Unternehmens, das seine normalen Tätigkeiten ausübt, nicht beeinträchtigt".

Aufgrund der Entscheidung, die Geschwindigkeit der Hochtastversuche bei 330 km/h (Auslegungsgeschwindigkeit +10%) statt bei 187 km/h (Betriebsgeschwindigkeit +10%) validiert zu haben, könnte auch die Haftungsfrage für Systra in Betracht kommen.

Am 14. November 2015 ist der TGV, der seinen Testlauf auf dem neuen Streckenabschnitt der Hochgeschwindigkeitsstrecke Paris - Straßburg (LGV) durchführte, aufgrund eines zu spät eingeleiteten Bremsvorgangs und zu hoher Gescgwindigkeit in der Ausfädelkurve zum konventionellen Netz in der Gemeinde Eckwersheim (Bas-Rhin), 20 km von Straßburg entfernt, entgleist. Systra war das Ingenieurbüro, das für die Erprobung der Hochgeschwindigkeitsstrecke TGV Est verantwortlich war. Von den 53 Passagieren an Bord waren elf ums Leben gekommen.

WKZ, Franz A. Rosky

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Letzte Änderung am Dienstag, 19 Dezember 2017 22:30

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